ein antifaschistischer staatsakt

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Foto: Karl Staudinger

TouristInnen haben mich heute Abend am Heldenplatz gefragt, was eigentlich der Anlass für diese wunderbare Musik ist, die über den symbolischen Austragungsort österreichischer (Geschichts-) Konflikte erklingt. Beethovens Siebte, geschrieben anlässlich der Niederlage des verrückt gewordenen Aufklärers Napoleon – wie sollten die FranzösInnen das verstehen? Ich musste ausholen. Es war meinen GesprächspartnerInnen aus der Bretagne ein bißchen zu kompliziert. Sie sind gegangen, bevor ich auch nur bei Waldheim angekommen war.

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plädoyer für gute umfragen

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Jetzt stürzen sich also alle auf die Meinungsforschung. Humboldt-Witze machen die Runde. Wie so oft, wenn jemand an den Pranger gestellt werden muss man auf die schauen, die der öffentlichen Kritik ein bißchen abseits zuschauen und auch ein bißchen leiser klatschen, als alle anderen. „Die Meinungsforscher“ gibt es nämlich ebensowenig, wie „die Ausländer“ oder „die Männer“. Der demokratische Vorgänge verzerrende Effekt der „Kopf-an-Kopf“-Rennen hat viel mehr ProfiteurInnen, als landläufig bekannt ist. Sieglinde Katharina Rosenberger und Gilg Seeber haben anhand der Nationalratswahl 2002 diese Effekte des „horse race journalism“ und ihre ProfiteurInnen vor den Vorhang geholt. In der aktuellen Debatte – knapp 5 Monate vor dem nächsten inszenierten Pferderennen bei der Nationalratswahl 2013 – ist es wertvoll, bei den beiden PolitikwissenschafterInnen nachzulesen.

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das ende der bunten hunde

Lange haben uns Medien und WahlforscherInnen erklärt, in politischen Krisen profitierten die PopulistInnen, die mit lautem Halali auf Sündenböcke losgehen. Das hat sich zur self fulfilling prophecy entwickelt. Die WählerInnen haben das in den Zeitungen gelesen und geglaubt und dann selber auch Schreihälse gewählt, wenn sie empört genug waren.

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der gabi effekt

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Heute hat mich ein Journalist gefragt, was ich so spannend an Wahlen finde. Er schon ein bißchen genervt von der Ochsentour durch Österreich und davon, dass Inhalte so wenig und möglichst laute, wirksame Verknappung eine so große Rolle spielen. Ich hab zwei Antworten darauf: Einerseits, zumindest in der Theorie, dass an Wahltagen die Stunde Null für Herrschaftsverhältnisse schlägt. Ich spür, wenn ich selber wählen darf, tatsächlich so ein Kribbeln an Wahltagen, schau in die Gesichter der anderen Wählenden und freu mich, dass sie und ich für einen Tag die Macht haben. Wahlen stellen die üblichen Verhältnisse – Politik schafft an, Menschen folgen Gesetzen oder protestieren dagegen – für einen Tag auf den Kopf. Und auch wenn die Ergebnisse von Wahlen meistens nicht alles auf den Kopf stellen: Meine Feiertage als Agnostiker sind Wahltage.

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der (fiktive) vorzugsstimmen-landtag

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Die ursprüngliche Grafik ist der Printversion der Tiroler Tageszeitung vom 29.4.2013 entnommen

Wie würde der Tiroler Landtag aussehen, wenn ausschließlich die Vorzugsstimmen regeln würden, wer die Abgeordneten der Parteien sind? Ich hab ausgerechnet, was herauskommen würde, wenn die Mandatsverteilung auf die Parteien bliebe, aber in allen Parteien die jeweils mit dem meisten Vorzugsstimmen ausgestatteten KandidatInnen Mandate bekämen – analog zum Modell, das die ÖVP bei der Gemeinderatswahl 2012 in Innsbruck angewandt hat.

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tirol: ein gespaltenes land

Vor den Wahlkarten sind genaue Zahlenspiele nicht relevant. Aber man kann anfangen, abzubilden, woran sich nicht mehr viel ändern wird – an Trends nämlich.

Ich fang an mit dem Ergebnis der 16 Tiroler Gemeinden, in denen mehr als 5.000 Menschen wahlberechtigt waren. In Summe leben in diesen Gemeinden knapp 95.000 Wahlberechtigte, also etwa ein Fünftel der TirolerInnen.

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der zweite sagt den trumpf an

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Was mir nach 4 Tagen in Tirol klar ist: Die ÖVP wird stärkste Partei bleiben. Günther Platter wird das Waterloo seiner Partei politisch dennoch nicht überleben. „Vorwärts“ und Stronach werden in den Landtag einziehen, aber unter den Erwartungen bleiben. Gurgiser ist raus, die Dinkhauser-Liste ohne Dinkhauser dürfte es schaffen.

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wen ihr wählen sollt

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Ich will eine kurze Geschichte von der Ingrid Felipe erzählen, die ich kennengelernt hab: Ingrid hat nämlich eine ganz besondere Qualität, die selten geworden ist: Sie ist kein Realo. Ingrid hat einen Gerechtigkeitssinn, der sich gewaschen hat. Und sie ist zäh. Viel zäher, als viele andere im politischen Geschäft, die ich kennengelernt hab.

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