der akin effekt

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Warum ist die Dynamik für Donald Trump gerade so toxisch? Warum dreht sich die Abwärtsspirale jetzt plötzlich so schnell?
Warum ist’s jetzt eigentlich (immer dieses eigentlich!) vorbei?

In den USA werden gleichzeitig mit dem Weißen Haus auch 33 Senatssitze gewählt. Der Senat ist mit 100 Sitzen die stärkere der beiden Kammern im US-Parlament. Ein/e PräsidentIn braucht hier, wo aus jedem der 50 Bundesstaaten je zwei SenatorInnen sitzen, eine Mehrheit seiner/ihrer eigenen Fraktion. Sonst ist das regieren ganz schwer. Neben PräsidentIn und 33 SenatorInnen werden am 8. November auch die 435 Mitglieder des US-Repräsentantenhauses, der schwächeren Kammer des Parlaments, gewählt.

Jetzt stehen gleichzeitig mit Trump also 250 andere republikanische KandidatInnen in ihren jeweiligen Wahlkreisen bzw Bundesstaaten zur Wahl. Vier Wochen vor der Wahl dominiert (immer) das Duell ums Weiße Haus die Nachrichtenlage im ganzen Land. Und da müssen sich auch die KandidatInnen für Senat und Repräsentantenhaus zu den ganz großen Themen der PräsidentInnenschafts-Kampagne äußern. Und deswegen kommt es jetzt, mit den Trump-Skandalen um sexualisierte Gewalt, zu einer Absetzbewegung. Die KandidatInnen „down ballot“, also weiter unten am Stimmzettel, rennen um ihr eigenes Leiberl und kennen dabei wenig Rücksicht auf Verluste und auf Parteiloyalitäten. Eine Amtsinhaberin in einem Kopf-an-Kopf-Rennen in einem liberalen Bundesstaat wie Kelly Ayotte in New Hampshire, kann in einer solchen Situation nicht anders, als sich zu distanzieren. John McCain, der in Arizona gegen eine starke Konkurrentin in einem Staat mit deutlich wachsender Latino-Bevölkerung wiedergewählt werden will, muss ebenso aus Eigeninteresse aus Distanz gehen.

Menschen lassen sich natürlich nicht von Kelly Ayotte oder John McCain sagen, wo sie am 8. November ihr Kreuzerl machen werden – so funktionieren Wahlempfehlungen nicht. Aber jeder einzelne Rückzieher einer Unterstützungserklärung ist eine Schlagzeile. Im Staccato sagen ein ganzer Haufen Leute, dass sie Trump für unwählbar halten. In dieser Abwärtsspirale befindet sich Trump jetzt. Schlechte Umfragen, Chaos in den eigenen Reihen und reihenweise Menschen, die ihn für unwählbar erklären: Da kommst du nicht mehr raus.

Davon kann Todd Akin ein Lied singen: Der republikanische Politiker hat 2012 bei der Wahl zu 33 Senatssitzen und zum RepräsentantInnenhaus mit einer Bemerkung über „legitimate rape“ – „zulässige“ Vergewaltigungen und über seine Überzeugung, dass der weibliche Körper ein bei einer Vergewaltigung entstandenes Kind von selber abstoße, für eine ähnliche Situation bei den RepublikanerInnen gesorgt. In letzter Sekunde kippten wegen halbherziger oder gar nicht erfolgter Distanzierungen einige Senatsrennen zu Gunsten der DemokratInnen und die Obama-Administration konnte entgegen aller früheren Prognosen die Mehrheit im Senat halten.

Dass Hillary Clinton die deutlich bessere Ausgangsposition hat – sowohl demographisch, als auch was die zu gewinnenden Bundesstaaten betrifft, war seit Trumps Nominierung klar. Auch ohne seine Skandale (obwohl kaum mehr vorstellbar), wäre ein Trump-Sieg nur bei gleichzeitigem Eintreten ziemlich vieler unwahrscheinlicher Effekte, möglich. Heute dominiert eine auseinanderbrechende republikanische Partei die Debatte und Trump kann sich eigentlich nicht mehr erholen. Letzte Umfragen prognostizieren landesweit Hillary Clinton über 50% und Donald Trump unter 40% – das sind Vorsprünge, die der deutlich gewählte und klar wiedergewählte Barack Obama bei keinem seiner Wahlkämpfe zu diesem späten Zeitpunkt vier Wochen vor der Wahl hatte. Es sieht also besser denn je aus, für Hillary Clinton.

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