habt ihr armageddon gesehen?

Endlosschleifen von Bildern gehen mir durch den Kopf, wenn ich an den drohenden Super-GAU in Fukushima denke. Am stärksten sind natürlich emotional an sich schon aufgeladene Bilder. Ein Komet rast auf die Erde zu. Irgendwer muss sich opfern. Muss den Kometen mit sich selbst in die Luft sprengen. Der Held ist – wie könnte es anders sein – Bruce Willis, der seinem Schwiegersohn in spe die Märtyrerrolle abnimmt, seiner Tochter ihren Geliebten zurückschickt und sein Leben für das der gesamten Weltbevölkerung opfert. So kurz, so gut, so Schmalz. Nur: das ist ein Film. Ein surreales Szenario, erstunken und erlogen von vorne bis hinten. Die Zauberlehrlinge in aller Welt starren seit einer Woche gebannt auf vier Reaktoren, die knapp so groß sind, wie vier Einfamilienhäuser. Fukushima I bis VI ist aber kein Film. Schon gar nicht „Armageddon“, eher „Stirb langsam.“ In Fukushima gibt’s 50 Mal Bruce Willis. Und diese echten MärtyrerInnen, die beim verstrahlten Reaktor zurückgeblieben sind, können nicht mal die ganze Welt retten, sondern „nur“ ein paar Millionen JapanerInnen. Sie sterben dann halt auch wirklich.

Das 9/11 der Energiepolitik ruft natürlich die Apologeten des Status Quo auf den Plan (Ja, Apologeten – Apologetinnen hab ich komischerweise noch keine gesehen). Und weil das Sein das Bewusstsein bestimmt, finden die Apologeten die Atomkraft natürlich kontrollierbar, sicher, billig und überhaupt. Überhaupt könnten sie sich sonst ihren luxuriösen Lifestyle nicht leisten. 117.000 Euro im Jahr verdient Ex-Bundeskanzler Schüssel im Aufsichtsrat eines deutschen Atom-Riesen. Es ist sein Nebenjob. Nicht mal das Wort „Restrisiko“ kommt den Apologeten über die Lippen. Ralf Güldner ist einer von ihnen, der Chef-Apologet sozusagen. Sein Job: Präsident des deutschen Atomforums. Sein Argument gegen das Abschalten aller deutschen Kraftwerke heute bei Volker Plassberg in „hart aber fair“: Man können sich nicht darauf verlassen, dass die Nachbarn auch Schluss machen. Das werden sie alle sagen, die französischen, italienischen und britischen KollegInnen von Ralf Güldner. Der Mann ohne Prinzipien sollte eigentlich Floriani Güldner heißen.

Nach den Ostblock-Physikern Sergei Medvedev, Wilhelm Sponheuer und Vit Karnik ist die MSK-64-Skala benannt. Sie misst die seismologischen Schwankungen in der Nähe von Erdbeben-Epizentren. Peter Pilz hat recherchiert, dass das slowakische Kernkraftwerk Bohunice höchstens für Belastungen bis zur Stufe 8 der MSK-Skala ausgelegt ist. Es läuft voraussichtlich noch bis 2015. Alle 50 Jahre tritt auf der Erdbebenlinie vom Wiener Becken nach Osten, auf der Bohunice liegt, ein Erdbeben auf, das auf der MSK-Skala mindestens mit Stufe 8 zu bewerten ist, sagt der niederösterreichische Zivilschutzverband. Jetzt kann man natürlich finden, die 10% Restrisiko, dass Bohunice in seiner Restlaufzeit ein Störfall wird, sind schon ok. Mehr waren’s in Fukushima halt auch nicht.

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