ein antifaschistischer staatsakt

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Foto: Karl Staudinger

TouristInnen haben mich heute Abend am Heldenplatz gefragt, was eigentlich der Anlass für diese wunderbare Musik ist, die über den symbolischen Austragungsort österreichischer (Geschichts-) Konflikte erklingt. Beethovens Siebte, geschrieben anlässlich der Niederlage des verrückt gewordenen Aufklärers Napoleon – wie sollten die FranzösInnen das verstehen? Ich musste ausholen. Es war meinen GesprächspartnerInnen aus der Bretagne ein bißchen zu kompliziert. Sie sind gegangen, bevor ich auch nur bei Waldheim angekommen war.

Das ist auch ein bißchen österreichisch, die Relativierungen, die Erklärungen und die Scham. Dass man nicht einfach sagen kann: Spät, aber doch, 68 Jahre nach der Befreiung Europas vom Faschismus ist der historisch aufgeladenste Ort dieser Republik am 8. Mai endlich frei von bekennenden RevisionistInnen. 68 Jahre nach der Rettung der letzten Überlebenden aus den Konzentrationslagern schafft es auch das zweite der beiden Länder, von denen aus der Nazifaschismus Europa überrollte endlich, das Gedenken an die Opfer und die Bekenntnis zum „Nie wieder“ quasi zum Staatsakt zu machen. 68 Jahre nach der bedingungslosen Kapitulation der Wehrmacht ist die Republik endlich dort angekommen, wo sie anstatt jahrzehntelanger Verschleppung der Rückgabe geraubten Eigentums und der Bestellung hochrangiger Nazis in hohe Staatsämter schon 1955 sein hätte sollen.

Man darf dem Staat den Antifaschismus nicht alleine überlassen, das ist völlig klar. Aber die Republik hat sich endlich über die Grenzen der großen Koalition hinaus darauf verständigt, den Heldenplatz am 8. Mai den Opfern des Nazifaschismus und jenen zu widmen, die heldenhaft gegen das Nazi-Regime gekämpft haben. In den Vorjahren hatte die Exekutive RevisionistInnen bei ihren Provokationen beschützt. Die Symbolik – ein antifaschistischer Staatsakt statt eines rechtsradikalen Aufmarsches, ist tatsächlich Anlass zur Freude. Ein Blick in die jüngere Geschichte zeigt die Bedeutung dieses gemeinsamen Bekenntnisses zu Österreichs MittäterInnenschaft im Nationalsozialismus mit dem Begehen des „Tags der Freude“ am Heldenplatz.

Bundespräsidentschaftskandidat Kurt Waldheim (drei Monate später gewählt) am 9. März 1986 (ganzer Artikel hier)

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Bundeskanzler Franz Vranitzky, 9. Juli 1991 im Parlament (ganze Rede hier)

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Bundeskanzler Wolfgang Schüssel, 10. 11. 2000 in der Wiener Zeitung (ganzer Artikel hier)

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Bundespräsident Heinz Fischer, 13. 6. 2006 im „Standard“ (ganzes Interview hier)

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