lehrerInnen-verarschung auf tirolerisch

155.000 Euro hat die Tiroler ÖVP für die Kampagne „1×1 des Lebens“ ausgegeben, die im wesentlichen aus unsinnigen Inseraten bestanden hat. Verkaufen wollte sie sie als „Imagekampagne für LehrerInnen“. In Wirklichkeit war das ein Freundschaftsdienst der ÖVP an eine befreundete Werbeagentur, bezahlt von den SteuerzahlerInnen. Es war eine Image-Kampagne für die ÖVP-Landesrätin Palfrader, nicht für die LehrerInnen. Und der Gipfel der LehrerInnen-Verarschung: Eine Umfrage im Internet, mit der die Zufriedenheit der PädagogInnen mit ihrem Arbeitsplatz und der Politik abgefragt werden sollte.

Ich hab bei dieser Umfrage 8 Mal mitgemacht, auch wenn ich kein Lehrer bin. Denn der Link zur Online-Umfrage war öffentlich zugänglich. Ich kann mich auch daran erinnern, 8 Mal Fragen über die politische Unterstützung für PädagogInnen beantwortet zu haben. Bei der groß angelegten Präsentation dieser sogenannten Studie, die man auf der Uni im 1. Semester wegen Unwissenschaftlichkeit und fehlender Validität zurückgeworfen bekäme, fehlten die Daten zur Zufriedenheit mit der Politik auf einmal.

Fortgesetzt hat sich die LehrerInnen-Verarschung heute im Tiroler Landtag. Franz Berger, ein schlecht singender ÖVP-Hinterbänkler aus dem Tiroler Unterland, kündigte an, er wolle die Sozialleistungen für MigrantInnen an Schulergebnisse der Kinder knüpfen. Das geht über alles hinaus, was Strache und Co. in Sachen Zwei-Klassen-Sozialstaat jemals von sich gegeben haben. Und das von der Partei, die sich um 155.000 Euro aus dem Steuertopf eine handvoll Inserate genehmigt, eine befreundete Werbeagentur mit ach so knappen Steuergeldern füttert und LehrerInnen verarscht, indem sie eine beliebig manipulierbare Umfrage als die Meinung der Tiroler PädagogInnen ausgibt.

Ich habe vor kurzem eine Lehrerin gefragt, warum sie nicht viel mehr Multimedia-Unterricht macht. Die Antwort: In ihrer Schule gibt es nur einen Beamer und einen Laptop für über hundert LehrerInnen und über 50 Klassen. Für 155.000 Euro könnte man übrigens alle Innsbrucker Gymnasialklassen mit einem eigenen Beamer ausstatten. Wäre wahrscheinlich besser, als ein paar Inserate.

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schleift die fundamentalbeton gmbh

Die drei haben noch nie Argumente gebraucht. Sie haben sich ganz einfach auf ihre Hausmacht in der ÖVP verlassen und damit so gut wie alles verhindert, was Österreichs Schulsystem endlich aus den 1960er-Jahren herausholen würde. Sie stellen sich vor die Alm-Lehrer und hauen Ministerinnen aller Couleurs das Hackl ins Kreuz, wenn sich die auch nur einen Millimeter von der schwarzen GÖD-Linie wegbewegen. Sie diskreditieren mit ihrer Fundamentalbetoniererei zwei Gruppen, die ohne Frage sehr wichtig für eine funktionierende Gesellschaft sind – nämlich die LehrerInnen und die GewerkschafterInnen.

Das muss man sich einmal auf der Zunge zergehen lassen: Eine neue Ministerin macht einen Vorschlag, der von der Linie ihrer Bundespartei abweicht. Denn sie will alle Kinder bis 14 in einer Schule aufgehoben wissen. Zu diesem Vorschlag sagt der Geschäftsführer der Fundamentalbeton GmbH: „Das ist ein Skandal.“ Die Grande Dame der Fundamentalbeton GmbH ordnet der Ministerin an, zu schweigen. Und zum Aufsichtsrats-Chef, dem seine Feinde nachsagen, er wolle nicht weniger Schultypen, als er Nackenfalten hat, wird die freche Ministerin zur Kopfwäsche zitiert. Das ist einer dieser unerträglichen Zustände in dieser Republik: Dass die alten Privilegienritter in der dritten Reihe Frauen aus der ersten Reihe den Kopf waschen dürfen, wenn die auch nur ein klitzekleines Bißchen an der Macht der alten Herren rütteln.

Karls Kollegin Claudia Schmied sagt indes, sie habe einmal als Jeanne d’Arc überlebt und wolle diese Rolle nicht noch einmal spielen. Sie meint damit wohl die Diskussion über die Stundenerhöhungen für LehrerInnen. Das neue Match lautet also Fundamentalbeton GmbH in der Stammbesetzung Riegler, Scholik und Neugebauer mit Unterstützung der Ehrenmitglieder Mandl, Pröll und Kopf gegen die steirische Wissenschaftsministerin. Ich wünsch mir, dass sich Claudia Schmied doch noch einmal aufrafft. Denn wenn das Bildungs- und Wissenschaftsressort die Fundamentalbeton GmbH schleifen und das Schulwesen auf neue Beine stellen, dann hätte die große Koalition endlich endlich endlich einmal wirklich einen Sinn.

alm-lehrer machen schule kaputt

Zwei Turnlehrer auf einer Tiroler Alm, Mittwoch nachmittag um halbvier. „Morgen fohr ma weiter aufi“ – „Jo, ober i muas bis zwölfe unterrichten“ – „Aber nocha hol i di glei von der Schual ob, i hun morg’n frei. Dann fohr ma ins Karwendel und sein erscht z’ruck, wenn’s wieder dunkel isch“. Es ist eines der ältesten Klischees dieser Republik. Ein Körnchen Wahrheit steckt aber drin. Und für die gesellschaftliche Wahrnehmung von Bildung ist es ein explosives Körnchen: Die LehrerInnen unterrichten zu wenig, sagt der Volksmund. Präziser müsste es heißen: Tausende der 125.177 LehrerInnen in Österreich unterrichten zu wenig. Und manche stellen es offen zur Schau, wie meine beiden Freunde von der Tiroler Alm.

Es gibt keine andere Berufsgruppe, in der 25 Stunden Arbeit und 65 Stunden Arbeit genau gleich bezahlt werden – bei den LehrerInnen ist es so. Wer Englisch und Französisch unterrichtet, muss ca. 18 Stunden in der Schule unterrichten. Gute FremdsprachenlehrerInnen kommen mit Vorbereitung und Korrekturen auf eine 65-Stunden-Woche. Wer Turnen und Philosophie unterrichtet, muss ca. 22 Stunden in der Schule anwesend sein. Und es gibt Turn- oder WerklehrerInnen, die daheim keine Minute mit Korrekturen oder Vorbereitung verbringen. Jede/r kennt Eine/n, da bin ich mir sicher. Verdienen tun sie aber trotzdem auf Punkt und Komma gleichviel, wie die LehrerInnen mit Manager-Arbeitszeiten.

Unter diesen Halbtagskräften mit Vollzeitgehalt leidet die große Mehrheit der 125.177 LehrerInnen in Österreich. Denn die Mehrheit ist engagiert, fängt soziale Probleme auf, besucht regelmäßig Fortbildungen und ist ständig um Innovationen im Unterricht bemüht. Es gibt übrigens auch Prügel-LehrerInnen und solche, die Kinder aus ihrem Prügel-“Zuhause“ herausholen. Es gibt LehrerInnen, die Kinder aus bildungsfernen Schichten fördern und solche, die Kinder mit migrantischem Familiennamen hinausekeln. Und es gibt sogar gute Turn- und WerklehrerInnen, die auf ihre 40 Stunden kommen. Es ist alles nicht ganz einfach.

Und trotzdem: die Tausenden, die es sich gemütlich machen und seit 20 Jahren gleich unterrichten, verderben den zehntausenden Engagierten die Freude an ihrer Arbeit. Sie verdienen volles Geld für halbe Arbeit. Es braucht ein Instrument zur Bewertung des Engagments und der Qualität von den Menschen, die mit Kindern in der sensibelsten Zeit zusammenarbeiten. Da geht’s um Viel: Um die Qualität von Bildung. Um das Image der LehrerInnen. Und um Gerechtigkeit.