wenn ich werner faymann wäre

Die Verniederösterreichisierung der Volkspartei schreitet voran. Der neue ÖVP-Chef Spindelegger, vorgestern noch „starker Mann“ mit „Generalvollmacht“, wird keine ruhigen Ostern haben: Begehrlichkeiten aus dem ÖVP-Bund, Pöstchen für dieses und Funktiönchen für jenes Bundesland. Wer immer noch glaubt, das Spindelegger auch nur eine Skizze für eine „ÖVP neu“ entwerfen dürfe, kennt die Landeshäuptlinge und die Bündefürsten der Volkspartei schlecht.

Und das angesichts von 22% für die ÖVP in den Umfragen. Angesichts eines historischen Tiefstands, in dem sämtliche ehemaligen Freunderln sich sogar von Ernst Strasser lossagen. Von jenem Strasser, der einst ein Shooting-Star der ÖVP war, wie Spindelegger heute. Gleichzeitig ist überall die Rede von der Reformfähigkeit der Volkspartei, von der Anpassung des Programms an die Lebensrealität der in Ballungszentren lebenden ÖsterreicherInnen, die immer mehr und unter denen die ÖVP-WählerInnen immer weniger werden. In seiner Forderung nach einer programmatischen Neuausrichung hat ja dem heute im Kreuzfeuer stehenden Wirtschaftskammer-Präsidenten niemand widersprochen – nur den neuen schwachen Parteichef darf ja niemand angreifen und damit seine Hintermänner enttarnen.

Also: Wenn ich Werner Faymann wäre, würde ich meine Bildungsministerin bitten, morgen ein neues Ganztags- und Gesamtschulkonzept auf den Tisch und es dann im Parlament zur Abstimmung vorzulegen. Wenn ich Werner Faymann wäre, tät die Verteilungsgerechtigkeits-Kampagne nur so scheppern und es würde Vermögenssteuer-Offensiven und Transparenz-Initiativen nur so regnen angesichts dessen, dass die „Wos woa mei Leistung“-ÖVP jetzt auf einmal über Leistungsgerechtigkeit reden will. Wenn ich Werner Faymann wäre, würd ich eines der gesellschaftspolitischen Themen aufs Tapet bringen, bei dem die Mehrheit der ÖsterreicherInnen längst liberaler ist, als die ÖVP – die Homo-Ehe zum Beispiel. Wenn ich Werner Faymann wäre, würde ich die im Parlament vorhandene Mehrheit für eine Volksabstimmung über die Wehrpflicht mobilisieren.

Lauter Gelgenheiten für die SPÖ, Profil zu zeigen. Lauter Gelgenheiten für Spindelegger, die BlockiererInnen in seiner Partei unter Durck zu setzen und die Reformfähigkeit der ÖVP unter Beweis zu stellen. Ich bin aber nicht Werner Faymann. Und der glaubt immer noch, eine Koalition wäre eine Ehe und nicht auch der Kampf um die relative Mehrheit in diesem Land. Und den sollte man anders führen, als eine Mediation bei einer Ehekrise. Vor allem in Kenntnis der Alternativen.

es trifft nicht die övp allein

 

Was hat man nicht alles gehört von der Europapartei ÖVP. Was hat man nicht alles gehört von Wolfgang Schüssels Chancen, als Kommissionspräsident „Mr. Europa“ zu werden – der muss ja jetzt leider mit einem 200.000-Euro-Nebenjob als Atom-Aufsichtsrat bei RWE ein dahindarben. „An Europa kann niemand vorbei. An Österreich auch nicht“, stand, wenig subtil, auf den Plakaten des ÖVP-Spitzenkandidaten Strasser. Und die, die ihn vermeintlich nicht wählten – die 100.000 ÖVP-WählerInnen, die Otmar Karas ihre Vorzugsstimme gaben, strotzten vor gutem Gewissen und bekamen auch von liberalen Medien den Bauch gepinselt, sie hätten die ÖVP der undemokratischen Gesinnung überführt.

Gewählt habt ihr, liebe Karas-WählerInnen, Strasser trotzdem. Ihr habt ihn zum Wahlsieger gemacht. Ihr habt auch die Abgeordnete Ranner zu verantworten, die heute zurückgetreten ist, weil sie ihre 7 Mio. Euro Privatschulden über EU-Spesengelder ausgleichen wollte. Es gilt die Unschuldsvermutung. 1/3 der schwarzen EU-Delegation in Brüssel ist schon weg – gestolpert über Affären, die jenen um den ÖVP-Finanzminister Karl-Heinz Grasser und seine schwarzen und blauen Günstlinge im BUWOG-Skandal, um nichts nachstehen. Und dann war da noch der Nachrücker auf das Strasser-Mandat, Hubert Pirker, der schon einmal im EU-Parlament saß und zwischendurch eine Lobbying-Agentur hatte, die exzellente Kontakte in die europäischen Institutionen versprach. Die Meldeadresse seiner Agentur in Brüssel: Die Privatwohnung von Vorzugsstimmenkaiser und Möchtegernsaubermann Karas.

Die vielen einigermaßen Anständigen kommentieren das Geschehen in der ÖVP nur mehr aus der zweiten Reihe. Manche, wie Heinrich Neisser, tun das dezent. Andere, wie Erhard Busek, tun das weniger zurückhaltend. Auch das ist symptomatisch: Vernünftiges hört man aus dem christlich-sozialen Lager nur mehr von den Ausgebooteten. Ursula Plassnik wird Botschafterin in Paris. Die ehemalige Europapartei ist ein Selbstbedienungsladen für KarrieristInnen, LobbyistInnen und Unersättliche geworden. Und trotzdem halt ich es mit Michael Völker. Der schreibt in einem lesenswerten „Standard“-Kommentar letzte Woche, dass der Niedergang der ÖVP im Strudel der Privatisierer-Partie um Wolfgang Schüssel, Karl-Heinz Grasser und Co. eigentlich niemanden so richtig freuen dürfte. Vor allem in Kenntnis der MitbewerberInnen.

auch du mein sohn, brutus

Die Iden des März, mitten im Herzen Europas. 2007 gaben sie sich im Innenministerium die Klinke in die Hand. Heute hat Brutus zugeschlagen. Es ist ein politischer Totschlag aus schlechtem Gewissen. Deutlicher hätte Platter die Strasser-Connection ins scheinheilige Land nicht darstellen können, als mit seinem Vorpreschen beim Parteiausschluss des Lobbyisten.

November 2007: Im Kurier tauchen die Strafakten von Arigona Zogajs Vater auf – es geht um ein Kleindelikt. Schon zehn Tage davor spricht in der aufgeheizten Zogaj-Debatte der niederösterreichische ÖVP-Geschäftsführer Karner von einem Gewalttäter in der Zogaj-Familie. Woher wusste er das? Aus dem Innenministerium. Dort saß damals schon fast ein Jahr lang nicht mehr der niederösterreichische Raiffeisen-Zögling Strasser, sondern Günther Platter. Karner war davor – richtig – Pressesprecher von Innenminister Strasser. Gemeinsam mit Hannes Rauch. Der ist jetzt Tiroler ÖVP-Landesgeschäftsführer.

Mit an Bord in Strassers Führungsriege, außerdem: Der Tiroler Sektionschef Mathias Vogl und der Tiroler Kabinettschef Christoph Ulmer. Der Leiter des umstrittenen BIA, von dem die E-Mail-Affäre um parteipolitische Postenbesetzungen ausgegangen ist? Martin Kreutner, ebenfalls Tiroler. „Zu jung und zu viel Macht“, schreibt die nicht gerade ÖVP-feindliche „Presse“ über das System Strasser. Oskar Gallop wurde im Sommer 2005 der erste Landespolizeikommandant, der die Sicherheitsakademie nicht besucht hatte. Bestellt hat ihn Ernst Strasser. Die Dorfgendarmen als höchste Vertreter von Politik und Exekutive: Dafür ist die Tirol-Niederösterreich-Connection verantwortlich. Und sie zieht sich bis in Strassers letzte Tage als Lobbyist in politischem Amt: Sein Sprecher in der Bestechungs-Affäre ist der Tiroler Leiter des Wien-Büros der Platter’schen Haus- und Hofagentur Hofherr Communications, Jürgen Beilein.

Was Strasser zwischen seinem Rücktritt als Innenminister und dem Auftauchen als Lobbyist in eigener Sache im EU-Parlament gemacht hat, ist auch bekannt: Von 2008 bis 2009 berät er, man weiß nicht für wie viel Geld, den Quasi-Monopolisten am Tiroler Zeitungsmarkt, die „Moser-Holding.“ 2007 lobbyiert er für den landeseigenen Energieversorger TIWAG. Für 450 Euro in der Stunde fährt er unter anderem am 25. Oktober 2007 von Wien nach Sölden und wieder zurück. Den Riesenslalom dort gewinnt Aksel Lund Svindal. Insgesamt verdient Strasser bei der TIWAG 14.000 Euro für 31 Stunden Arbeit.

Brutus verlor zwei Jahre nach seinem Cäsarenmord zwei Kriege und ließ sich von den letzten verbliebenen Loyalen umbringen. Seinen Kopf ließ der siegreiche Octavian vor einer Cäsar-Statue in Rom niederliegen. Die Zeit der Kriege ist vorbei. Aber vielleicht besucht Platter seinen Freund Strasser demnächst einmal im Häf’n.

der unanständigste aller wahlsieger

Die Regierung Schüssel hat das halbe Eigentum der Republik über Bord geworfen, um einmal ein Nulldefizit auf Pump zu schaffen. Das ist ein nachhaltiger wirtschaftlicher Schaden für die Republik. Aber es gibt auch einen nachhaltigen politischen Schaden der Schüssel-Ära. Und den halt ich für viel schlimmer: Die schwarz-blaue Riege hat die älteste aller bürgerlichen Tugenden, über Bord geworfen: den Anstand.

Korruption und Bestechung hat’s vor 2000 schon gegeben – ich hab hier an den roten Sumpf in Wien erinnert. Die Regierung Schüssel ist nicht die erste Selbstbereicherungsmaschinerie an der Spitze der Republik. Aber ihr Selbstverständnis hat eine neue Qualität. Das fängt beim blauen Justizminister an, der davor Jörg Haiders Anwalt in Strafsachen war und seinen Parteichef später als Minister als über jeden Verdacht erhaben bezeichnet hat. Es geht da weiter, wo der Lebensgefährte der Familienstaatssekretärin bei der Auftragsvergabe eines der wichtigsten Regierungsprojekte – dem Eurofighter-Kauf – seine Finger im Spiel und seine Geldtasche weit offen hat. Momentan macht ein unverschämtes Mail von Ernst Strasser an den Chef einer Tiroler Kommunikationsagentur, die es sich im warmen Nest der Landesregierung gemütlich gemacht hat, auf Facebook die Runde. Es spricht Bände. Der Lobbyist ist übrigens auch Berater der Moser Holding, dem größten Medienhaus von Tirol. Was er dort verdient, wissen wir (noch) nicht. Und was seine Leistung war, ist ebensowenig bekannt, wie beim TIWAG-Beratervertrag. Dafür wissen wir, dass Strasser in Sachen Medienpolitik ein Fan von Ungarns Präsident Orban ist.

Von Meischberger über Hochegger bis zu Strasser gilt: Diese Figuren sind so berauscht von ihrer Wichtigkeit und vom luxuriösen Leben, das ihnen ihre Geschäfte ermöglichen, dass ihnen jeder Bezug zur Realität verloren gegangen ist. Sie haben vom Spiritus rector von Schwarz-Blau, vom Jörg Haider, gelernt, dass man sich aus jeder noch so eindeutigen Verfehlung herausreden kann, wenn man nur die richtigen Reflexe bedient.

Der Refrain der Täter, die sich als Opfer der linken Schickeria in Kultur und Medien inszenieren, zieht sich durch sämtliche Skandale der Republik der letzten Jahre. Und er sitzt, weil das schlampige Verhältnis zum Rechtsstaat mit Schwarz-Blau auch in vielen Medien und in der Justiz Einzug gehalten hat. Diese unanständige Regierung hat unanständige Gestalten in zentrale Funktionen der Republik gehievt. Die BürgerInnen gewöhnen sich an diese unanständigen Gestalten und an ihre Machenschaften – die normative Kraft des Faktischen prägt eben auch die öffentliche Wahrnehmung.

In jeder anderen westlichen Demokratie der Welt wäre es undenkbar, dass der Spitzenkandidat bei einer landesweiten Wahl gleichzeitig für horrende Honorare Betriebe berät, die im Besitz der öffentlichen Hand sind. Oder Medienhäuser, deren Existenz von öffentlichen Einschaltungen abhängt. In Österreich ist das möglich – und damit nicht genug: Ernst Strasser ist nämlich nicht nur Berater, Consulter, Lobbyist und leidenschaftlicher Fahrtkostenabrechner. Er ist auch der Sieger der letzten EU-Wahl.

sind wir nicht alle ein bißchen grasser?

Irgendwann gewöhnen sich die Menschen halt an Sauereien. Irgendwann werden die Sauereien Teil der Normalität. Irgendwann regt man sich nicht mehr über Dinge auf, die 10 Jahre davor noch ein Skandal gewesen wären. Die Vergrasserisierung der Republik hat angefangen, als der ehemalige von der ÖVP berufene Finanzminister noch nicht einmal „Owa bitte, Frau Thurner“ sagen konnte. Sind wir nicht alle ein bißchen Grasser, müssten sich große Teile der politischen Elite dieses Landes fragen. Sie müssten ehrlicherweise mit ja antworten. Und dankbar sein, dass hinter dem System Grasser ihre Verscherbelungen so niedlich aussehen. Ich sage nur Sobotka.

Und jetzt keine Geschichtestunde, sondern ein paar dezente Hinweise zur Erinnerung: Vor fast genau 34 Jahren explodiert das Frachtschiff „Lucona“ vor den Malediven, sechs Besatzungsmitglieder kommen uns Leben. Es handelt sich, wie sich später herausstellen sollte, um einen Versicherungsbetrug, für den das Enfant terrible der Wiener SPÖ-Szene, Udo Proksch, verantwortlich ist. 1989 treten der rote Innenminister Blecha und der rote Nationalratspräsident Gratz wegen der drohenden Aufdeckung ihrer Verstrickungen in einem U-Ausschuss aufflogen, zurück.

1980 fliegt der AKH-Skandal auf. Es geht um Schmiergelder in zweistelliger Millionenhöhe und um massive Protektion der Schuldigen durch die SPÖ Wien. Zu dem Zeitpunkt schon im Visier der Justiz und zehn Jahre später verurteilt: Der schönste Finanzminister der Republik vor Grasser, Hannes Androsch. Er war gleichzeitig oberster Finanzhüter des Landes und Beteiligter an einer großen Steuerberatungskanzlei, die aufgrund millionenschwerer Aufträge staatseigener Unternehmen florierte. Später konnte Androsch Steuerhinterziehung nachgewiesen werden.

Und wenn sie nicht gestorben sind, dann sind sie noch heute Sprachrohre der SPÖ. Hannes Androsch spricht zu allen möglichen und unmöglichen Themen als kritisch-solidarische Stimme für die SPÖ – oft genug unwidersprochen. Karl Blecha ist als Chef der SPÖ-PensionistInnen einer der wichtigsten Strippenzieher im roten Reichsviertel. Grasser ist 30 Jahre später gekommen. Aber er ist auch nur die überspitzte postmoderne Karikatur der Männer, die die Moral der SPÖ und damit zum damaligen Zeitpunkt der Republik über Bord geworfen haben. Der erste Spitzenpolitiker vom Typus Grasser – telegen bis zum Umfallen und um keine Inszenierung verlegen, kommt übrigens auch aus der SPÖ: Es ist Bundeskanzler Klima, der mit Boxhandschuhen und mit gelben Gummistiefeln für die Gazetten posierte und damit der Entpolitisierung der Politik in die Hände spielte.

Und dann wundert sich noch jemand, dass man gegen Grasser nicht ankommt? In einem Land, in dem die Menschen seit den späten 70er-Jahren systematisch an Freunderlwirtschaft bis ins Kriminal gewöhnt worden sind? In einem Land, in dem sich die 30 Jahre durchgehend stärkste Partei die Menschen oft genug für zu dumm für ernsthafte Politik gehalten und ihnen statt dessen dümmliche Pseudopolitik vorgesetzt hat? Wenn irgendwer der Vergrasserisierung ernsthaft beikommen will, braucht es eine Transparenzoffensive in der Politik, die sich gewaschen hat. Daran ist zu messen, ob es den Regierungsparteien bei ihrem viel zu sanften Druck auf Grasser nur um Grasser geht, oder um mehr Demokratie und weniger Freunderlwirtschaft.

werner beinhart? ja, bitte!

Jaja, man wird sich ja wohl noch was wünschen dürfen, werden viele jetzt sagen. Aber „Werner Beinhart“ als Titel für eine Faymann-Story geht im besten Fall als paradoxe Intervention, im schlechtesten Fall aber als blanke Realitätsverweigerung durch. Was Herbert Lackner in der großen Innenpolitik-Story im aktuellen Profil schreibt, hätte Angelika Feigl, die entenbekämpfende Ex-Pressesprecherin des Bundeskanzlers und Lebensgefährtin von Krone-Redakteur Claus Pandi auch nicht schöner formulieren können. Die ÖVP sei unter ferner liefen, mit dem Gerechtigkeitsthema habe die SPÖ den Wind in der politischen Debatte gedreht. Das klingt ein bißchen nach dem Schwanz, der mit dem Hund wedelt.

Ich seh ihn nicht, den Aufwind der SPÖ. Ich sehe, dass die Rechten mit 33% mit Abstand stärkste Kraft in diesem Land würden, wäre gestern gewählt worden. Man klammert sich in dieser bitteren Zeit an Strohhalme, dafür hab ich volles Verständnis. Aber klar ist auch: Die SPÖ hat eben noch kein Rezept gegen den Aufstieg der Freiheitlichen gefunden. Und es hilft nichts, die ÖVP auf einem Niveau zu schlagen, während Strache vorbeizieht. So weit, so eindeutig, würd ich meinen.

Ich bin heute am Terminal Tower in Linz vorbeigefahren. Das ist der Turm, um den es in den jüngst veröffentlichten Aufdecker-Geschichten in der Wiener Stadtzeitung „Falter“ geht. In zwei Sätzen: Das Linzer Finanzamt sucht im Frühjahr 2005 neue Räumlichkeiten. Davon bekommt der Baukonzern Porr Wind. Er beteiligt sich an der Finanzierung eben dieses Turms, mit der Aussicht, dass sich dort das Finanzamt einmietet – ein verlässlicher, zahlungskräftiger Kunde. Der oberste Chef der Finanzämter: Finanzminister Grasser. Die Verhandlungen stocken im Mai und schwupps stehen die Grasser-Freunde Meischberger und Plech auf der Matte. Dann geht alles sehr schnell, die Verträge sind bald unter Dach und Fach. Meischberger kassiert im Dezember 2005 200.000 Euro von der Porr, gut 56.000 davon legt er auf ein Konto, auf das auch Plech Zugriff hat.

Und weil das jetzt doch sieben statt zwei Sätzen geworden sind, bin ich auch schon bei dem Punkt, über den ich gestern mit einem Freund diskutiert habe. Die schwerreichen Grasser-Freunde, die unter der Ägide des FPÖ-Finanzministers noch reicher geworden sind, kommen mitten aus der Freiheitlichen Partei. Das Thema dominiert die Bundespolitik seit dem 2. Oktober 2009: Da gab’s die erste APA-Meldung zu den Schlagworten „Grasser“ und „Buwog“. Und in der SPÖ arbeiten die Hinterbänkler an dem Thema.

Das ist deswegen so ärgerlich, weil das Thema so viel Potenzial für die SPÖ hätte. Weil es so schön zeigt, was für Typen bei den Blauen am Werk waren, die sich als Vertreterin der sogenannten kleinen Leute versteht. Wenn schon die ganze SPÖ in verklärender Kreisky-Nostalgie schwebt, dann sollte sich dessen Nachfolger ein Scheibchen vom Sonnenkönig abschneiden: Geharnischte Worte Richtung FPÖ und geharnischte Worte Richtung ÖVP, die gemeinsam mit den Meischbergers und Plechs diese Republik moralisch ruiniert und finanziell ausgeräumt haben, wären an der Zeit. Dann dürfte Herbert Lackner ruhig „Werner Beinhart“ schreiben. Es könnte der Republik nicht viel Besseres passieren.

der herr p., der herr p. und der herr p.

Manchmal, aber nur manchmal, schlägt das gelernte Österreichertum auch den größten Schlitzohren ein Schnäppchen. „Hoch wer’ma nimmer g’winnen“ hat Toni Pfeffer beim legendären 0:9 des österreichischen Fußball-Teams gegen Spanien im Estadio Mestalla zu Valencia zur Pause bei 0:5 in die Kamera gesagt, die Fußball-Nation hat geprustet. Gut, dass Pfeffer zwei wunderbare Freunde hat, den Herrn P. und den Herrn P. Denn der eine, Toni Polster, hat Pfeffers Leben nach Karriereende jahrelang mit schlechter gemeinsamer Musik versüßt. Und der andere, Niederösterreichs Schuldenkaiser Erwin Pröll, hat ihn angestellt. Pfeffer ist jetzt Sportreferent in der niederösterreichischen Landesregierung. Wieviel er dort verdient, ist übrigends nicht herauszukriegen.

Und so begibt es sich im August 2010, elf Jahre nach Valencia, dass Schlitzohr Toni Polster im Profil-Sommerinterview folgenden denkwürdigen Satz von sich gibt: „Ich habe einmal für Erwin Pröll einen Spot gesprochen, weil er meinem Freund Toni Pfeffer einen Job verschafft hat.“ Schön, dass Erwin Pröll Österreich von Pfeffers Gesang erlöst hat. Pfeffer verwaltungsbeamtet vermutlich auch besser, als er gesungen und vielleicht auch, als er Fußball gespielt hat. Die Mentalität hinter dem Deal der Herren P., P. und P. ist trotzdem vormodern.

Da soll noch jemand über die korrupten PolitikerInnen schimpfen, wenn sich die sportliche Elite des Landes genau nach dem gleichen Prinzip verhält. „Eine Hand wäscht die andere“, ist das Prinzip, dass zur Vergrasserisierung der Republik unter des Wendekanzlers schützendem Mantel geführt hat. Aber es sind nicht nur die Grassers, Meischbergers, Hocheggers und Schüssels, die verantwortlich dafür sind, dass Bananenrepublik keine Beleidigung, sondern eine nüchterne Zustandsbeschreibung geworden sind. Es sind auch der Herr P., der Herr P. und der Herr P.

vom tankwart zum millionär

Wieder einmal zu keiner Lösung gekommen in einer Diskussion über die Erfolge der FPÖ, noch viel weniger bei der Frage, wie man die Rechten packen kann. Und dann lese ich das heutige große „Presse“-Interview und wundere mich, dass mich FPÖler noch überraschen können. Ja, sie können. Einer der altgedienten Feschisten, Walter Meischberger, macht mir Hoffnung.

In der schwarz-blauen Regierung öffnete sich für mich als früherem freiheitlichen Abgeordneten das richtige Zeitfenster für meine Lobbyingtätigkeit“, sagt der quantitativ größte private Profiteur der Privatisierung von Bundeswohnungen – 7,7 Mio. Euro hat der Tiroler Walter Meischberger für „Lobbying“ kassiert. Noch mal, zum langsam lesen: „In der schwarz-blauen Regierung öffnete sich für mich als früherem freiheitlichen Abgeordneten das richtige Zeitfenster für meine Lobbyingtätigkeit.“

Meischberger habe das „System Österreich“ kennengelernt, „eins und eins zusammengebaut“ und dann hat der Kemater Tankwart 7,7 Mio. Euro aus Steuergeldern auf der Hand gehabt. Der Big Spender: Finanzminister Karl-Heinz Grasser, dessen Trauzeuge Meischberger war. Er habe nie Steuern hinterzogen, sondern sei nur ein „säumiger Zahler“, sagt der FPÖler zur Abwicklung des 7,7 Mio.-Geschäfts über ein zypriotisches Konsortium. „Meine Steuermoral ist nicht besser oder schlechter als die eines durchschnittlichen Geschäftsmannes.“

Hier hab ich argumentiert, warum der Kampf gegen Typen wie Meischberger nicht gegen die FPÖ hilft. Ich bleib dabei, dass man Faschisten Faschisten nennen muss, selbst wenn es nicht opportun scheint. Und trotzdem: die blauen Packeleien der Feschisten der letzten zehn Jahre fallen auch auf die FPÖ zurück. Die Feschisten sind zwar Vorbilder der sogenannten „einfachen Leute“. Aber wenn die hässliche Fratze der Korruption hinter den geschniegelten Frisuren und den aufgespritzten Gesichtern hervorkommt, werden die rot-blauen WechselwählerInnen zu Faymann kippen. Zumindest, wenn er endlich Klartext zur Verstrickung der ÖVP in die Korruptions-Affären spricht.