der herr p., der herr p. und der herr p.

Manchmal, aber nur manchmal, schlägt das gelernte Österreichertum auch den größten Schlitzohren ein Schnäppchen. „Hoch wer’ma nimmer g’winnen“ hat Toni Pfeffer beim legendären 0:9 des österreichischen Fußball-Teams gegen Spanien im Estadio Mestalla zu Valencia zur Pause bei 0:5 in die Kamera gesagt, die Fußball-Nation hat geprustet. Gut, dass Pfeffer zwei wunderbare Freunde hat, den Herrn P. und den Herrn P. Denn der eine, Toni Polster, hat Pfeffers Leben nach Karriereende jahrelang mit schlechter gemeinsamer Musik versüßt. Und der andere, Niederösterreichs Schuldenkaiser Erwin Pröll, hat ihn angestellt. Pfeffer ist jetzt Sportreferent in der niederösterreichischen Landesregierung. Wieviel er dort verdient, ist übrigends nicht herauszukriegen.

Und so begibt es sich im August 2010, elf Jahre nach Valencia, dass Schlitzohr Toni Polster im Profil-Sommerinterview folgenden denkwürdigen Satz von sich gibt: „Ich habe einmal für Erwin Pröll einen Spot gesprochen, weil er meinem Freund Toni Pfeffer einen Job verschafft hat.“ Schön, dass Erwin Pröll Österreich von Pfeffers Gesang erlöst hat. Pfeffer verwaltungsbeamtet vermutlich auch besser, als er gesungen und vielleicht auch, als er Fußball gespielt hat. Die Mentalität hinter dem Deal der Herren P., P. und P. ist trotzdem vormodern.

Da soll noch jemand über die korrupten PolitikerInnen schimpfen, wenn sich die sportliche Elite des Landes genau nach dem gleichen Prinzip verhält. „Eine Hand wäscht die andere“, ist das Prinzip, dass zur Vergrasserisierung der Republik unter des Wendekanzlers schützendem Mantel geführt hat. Aber es sind nicht nur die Grassers, Meischbergers, Hocheggers und Schüssels, die verantwortlich dafür sind, dass Bananenrepublik keine Beleidigung, sondern eine nüchterne Zustandsbeschreibung geworden sind. Es sind auch der Herr P., der Herr P. und der Herr P.

der özil-effekt

Matthäus, Kohler, Basler, Völler, Effenberg, Sammer, Häßler, Jeremies, Möller und Hamann. Das war gestern. Özil, Khedira, Odonkor, Cacao, Podolski, Klose und Gomez. Das ist heute. Jogi Löw hat für Deutschland ein International-Team zur WM nach Südafrika geholt. Natürlich sind sie alle deutsche Staatsbürger, aber ihre Eltern kommen aus der halben Welt. Drei von vier Torschützen von gestern sind nicht in Deutschland aufgewachsen. Und auf einmal hat der Fußball dieses Teams nichts mehr mit „deutschem Fußball“ zu tun. Er ist jetzt schnell, offensiv, technisch stark und vielseitig. Das alles ist auch Mesut Özil, der beste 10er, den ich bisher bei dieser WM gesehen hab. Und er hat – ob er will oder nicht – das Potenzial, den Diskurs über sogenannte AusländerInnen im deutschsprachigen Raum zu drehen.

Denn Özils sind in Österreich alles, nur keine Vorbilder, keine Sporthelden und keine, auf deren Qualitäten die ganze Sportnation angewiesen ist. Es gibt zwar mittlerweile auch im rassistischen Österreich die Erkenntnis, dass die „Jugos“ auch ÖsterreicherInnen sein können, wenn’s sein muss. Das hat mit den sportlichen Erfolgen zu tun, die ein Vastic mit der Wuchtel und die Jukics im Becken gefeiert haben. Und natürlich damit, dass die meisten „Jugos“ keine MuslimInnen sind. Bei den TürkInnen ist das anders: Österreich hat zwar auch einen Muhammed Akagündüz eingebürgert, als es im Team-Sturm eine ganz üble Flaute gab. Aber im ORF hieß es damals regelmäßig süffisant, der Neo-Österreicher lasse im Frühjahr immer nach, weil er sich zu genau an die Vorschriften des Ramadan halte.

Ich weiß nicht, ob Ümüt Korkmaz, Veli Kavlak, Marco Arnautovic und David Alaba Österreichs Team zu einer Großveranstaltung schießen können. Aber ich bin mir sicher, dass sie wie Deutschlands Superstar Mesut Özil das Bild von MigrantInnen in Österreich massiv verändern können. Das hat anderswo schon einmal funktioniert: Französische Fußballstars waren bis in die späten 90er weiß – von Platini über Deschamps bis Djorkaeff. Thierry Henry, Sylvain Wiltord und David Trezeguet haben Frankreich nachhaltig geprägt. Und nebenbei auch noch Weltmeister geworden.