scheibchenweise

Es gibt einen, genau einen einzigen Grund, warum die ÖVP Karlheinz Töchterle zum Wissenschaftsminister gemacht hat: Studiengebühren. Man muss sich das einmal vorstellen: In den Landes-ÖVPen streiten sich normalerweise Wirtschaftsbund, ÖAAB und Bauernbund um jedes pimpfige Gemeinderatsmandat. Jahrelang haben sich die Tiroler ÖVPlerInnen lautstark beschwert, dass Westösterreich nicht in der Bundesregierung vertreten ist. Dann kriegt die Tiroler ÖVP kurz nach dem Pröll-bedingten Remler-Intermezzo einen MinisterInnenposten. Und setzt statt eines altgedienten Parteifunktionärs einen als liberal, gebildet und weltoffen bekannten Rektor in diese Funktion.

galaterbrief, von hinten

Töchterle hat in Innsbruck abgeschaffte Studienrichtungen wieder eingeführt, einen ernsthaften Dialog mit der ÖH begonnen, die Besetzung des größten Hörsaals der Innsbrucker Uni über 2 Monate protegiert. Und dann hat er den größten Fehler seiner Laufbahn begangen: Er hat sich, ohne strategische Vorbereitung, ohne Hausmacht in der Partei und offenbar auch ohne Bedingungen in ein Ministeramt hinaufloben lassen. Und dann war’s schwupps vorbei mit einem geisteswissenschaftlichen Zugang in einer von neoliberalen ManagerInnen dominierten Hochschullandschaft. Töchterle durfte nicht einmal eine/n einzige/n eigene/n MitarbeiterIn zum Minoritenplatz mitnehmen.

ein gefundenes fressen

Die Öffentlichkeit hat Minister Töchterle ab Tag eins geliebt: Ein Experte, ein politischer Seitenwechsler, ein hochgebildeter, fließend lateinisch sprechender Talbewohner, der würde die heruntergewirtschaftete österreichische Hochschullandschaft weiterbringen. Was sie alle nicht verstanden haben: Töchterle war nie in einer politischen Organisation aktiv und er kennt die Fallstricke der Macht nicht. Der Minister ist in diesem Sinn politisch ungebildet. Töchterle mag gemeint haben, die Kraft seiner Überzeugung würde reichen, um bei der Schottermitzi neue Forschungsstellen und Lehrendenposten herauszuschlagen. Er hat sich dramatisch verrechnet.

widerstand? fehlanzeige

Geblieben ist von einem Rektor, bei dessen Wahl an der Innsbrucker Uni die Herzen von Linken und Liberalen höher schlugen, ein gelähmter Studiengebührenminister. Für deren Einführung hat ihn die ÖVP, wider jede bündische Logik der Partei, nach Wien geholt. Für diesen symbolischen Sieg über die SPÖ hat Günther Platter den Grant von schwarzen Hundertschaften im heiligen Land eingehandelt. Und langsam, ganz langsam, scheibchenweise kommen wir dem näher, was aus der Sicht der ÖVP von Anfang an Töchterles einziger Zweck war. Wo nur mehr die Jugendorganisationen gegen weitere Zugangsbeschränkungen protestieren, sind Studiengebühren nicht mehr weit. Der Probelauf hat funktioniert.

platzgummer und brecht


Vielleicht würde mir das helfen: „Tiroler Land“ vom März 2010, die Landeszeitung, die sich das Land sparen könnte. Warum ein eigenes Medium haben, wenn doch eh fast alle käuflich geworden sind in diesem unheiligen Land? Zum Beispiel, um das „Zukunftsbüro“ zu promoten. Und wer soll die Wahrheit über das ominöse, gut bezahlte, Schaffen von Christoph Platzgummer in Landeshauptmann Platters Vorzimmer genauer kennen, als die Prawda der Landesregierung.

Alsdann, nehmen wir den damals frisch bestellten „Zukunftsbüro“-Chef beim Wort. Ich suche Menschen, die ein E-Mail vom „Zukunftsbüro“ bekommen haben? Wer hat an einer Diskussion des „Zukunftsbüros“ in einem „offenen Forum“ teilgenommen? Wer war bei einer Veranstaltung des „Zukunftsbüros“ in einem der Tiroler Bezirke? Hat jemand an einer Tagung des „Zukunftsbüros“ teilgenommen? Oder war jemand bei einer „Videokonferenz“ dabei? Und last but not least: Wer ist „Jugend“ genug, um vom „Zukunftsbüro“ eingebunden worden zu sein?

Nicht in Jahren denken und sich die Visionen sparen, sondern von Tag eins an anpacken also. Hat wer, außer die Finanzverantwortlichen im Landhaus, gemerkt, dass das „Zukunftsbüro“ „arbeitet“? Hat jemand konkrete Ergebnisse von dem gesehen, einen Abschlussbericht, nachdem Platter auf einmal keinen Zukunftstschackl mehr gebraucht hat, sondern einen, der Oppitz-Plörer verjagt? Oder waren eineinhalb Jahre zu kurz für sichtbare „kleine Schritte“?

Wenn sich jetzt hier nicht Hunderte melden, die doch bei einer Veranstaltung waren oder sich den Tag bei einer Videokonferenz mit dem Blendamed-Lächeln versüßt haben oder sonst irgendwie einen konkreten Hinweis auf Platzgummers Aktivitäten haben, bleibt als Resume: An den eigenen Ansprüchen hochgradig gescheitert. Aber es gibt ja einen nächsten Anspruch bei Platzgummer: Der Innsbrucker Bürgermeistersessel.

Da bleibt mir, weil der Wahlkampf ja auch so billig war, nur Brechts Dreigroschenoper: „Ja, mach nur einen Plan, sei nur ein kluges Licht, und mach dann noch ’nen zweiten Plan, geh’n tun sie beide nicht.“

bis zum heiraten ist’s wieder gut

Achtung, jetzt wird’s kompliziert. Ich hab die Innsbrucker Bürgermeisterin Christine Oppitz-Plörer am Dienstag gefragt, welche Agentur ihren Wahlkampf macht. Ihre unauffällige Antwort: Adpartners heißen die. Ich hab zur Sicherheit nachgefragt, ob das nicht die Agentur ist, aus der Martin Malaun kommt. Ihr wisst schon, der ÖVP-Landesgeschäftsführer, der Günther Platter für hunderttausende Euro beraten hat, als der noch Innenminister war. Ihr Betreuer sei der Herr Andreas Filthaut, hat die Bürgermeisterin gemeint. Und tatsächlich: der war mit Martin Malaun gemeinsam Geschäftsführer von „Headquarter“. Die Agentur, die von Günther Platters Innenministerium zahlreiche sehr gut bezahlte Aufträge bekommen hat. Die Agentur, die jetzt „wegen Verrwechslungsmöglichkeit mit einer Wiener Agentur“ eben Adpartners heißt. Aber nicht nur von Platter, auch von der Stadt Innsbruck hat „Headquarter“ einen sehr gut bezahlten Auftrag bekommen. Das eher bescheidene neue Logo der Landeshauptstadt für 30.000 Euro kommt von der Agentur, deren Chef jetzt ÖVP-Landesgeschäftsführer ist.

30.000 Euro, das ist auch die Summe, die ÖVP-Nationalratsabgeordnete Hakl über Peter Hocheggers „Valora“-Agentur bekommen haben soll. Und just diese Karin Hakl ist eine prominente Kandidatin auf der Liste der Innsbrucker Bürgermeisterin. Eine andere: Anna Hosp, ehemalige ÖVP-Finanzlandesrätin, die einen Erbhof aufteilen und sich die wertvollen Teile mangels privaten Käufers von einem öffentlichen Fonds, der für die Rettung notleidender Bauern gegründet worden war, abkaufen hat lassen.  Außerdem mit in Oppitz-Plörers Boot: Ex-Finanzlandesrat Ferdinand Eberle, bekannt unter anderem, weil er per Weisung dafür gesorgt hat, dass ein Schotterunternehmer land- und forstwirtschaftlichen Grund bekam. Eberles Sekretär war früher übrigens Georg Hofherr, der ebenfalls eine Agentur hat, die regelmäßig an lukrative landes- und landesnahe Aufträge ran kommt. Und schon mal einen Kritiker um einen Streitwert von 40.000 Euro klagt. Auch ein anderes ÖVP-Politiker-Hobby, ist auf der Bürgermeisterinnenliste vertreten. Tirols Landwirtschaftskammer-Präsident, der sich nach sieben Achterln Rotwein noch für autoverkehrstauglich hielt, unterstützt Oppitz-Plörer. Apropos Autos: Ferrarifahrer Jürgen Bodenseer, der seinen Luxusschlitten nicht in Österreich versteuert und sicherheitshalber die gelbe und die schwarze ÖVP unterstützt, schuldet die Bürgermeisterin nach der Wahl auch was. Außerdem mit an Bord: Einer der wenigen, der Günther Platter noch zur Jagd einladen würde, Südtirols Landeshauptmann Luis Durnwalder. Und dann wäre da noch Michael Bielowski einer, der immer wieder wegen seiner steuergeldintensiven Sporteinrichtung in den Schlagzeilen steht. Das erinnert dann fast ein bißchen an Oppitz-Plörers vermeintlich größten Konkurrenten, Christoph Platzgummer, der sich jüngst bei den Hinterbliebenen von Innsbrucks verstorbener Altürgermeisterin Hilde Zach beliebt gemacht hat.

Walks like a duck, looks like a duck, must be a duck. „Für Innsbruck“ versammelt die fragwürdige ÖVP-Parteiprominenz der letzten 20 Jahre. Ich würd die gelbe Schwarze in einer Stichwahl gegen den schwarzen Schwarzen trotzdem wählen. Aber die ÖVP ist verantwortlich für die größten Polit-Skandale der letzten 20 Jahre, vom Korruptionssumpf bis zum Ausverkauf der Republik. Übermorgen stehen 9 Listen zur Wahl. Genug Auswahl, um nicht eine der schwarzen Listen wählen zu müssen. Wenn die nämlich eine Mehrheit kriegen, machen sie weiter so.

41 hirsche oder: wos woa sei leistung?

11.628 Euro im Monat. Von diesem Gehalt aus hatte Christoph Platzgummer bei seinem skandalbedingten Rücktritt als Innsbrucker Vizebürgermeister einen schweren Umstieg in den Zivilberuf. Das hat er am Dienstagabend bei der Diskussion der SpitzenkandidatInnen für die Innsbrucker Gemeinderatswahl beklagt. Ich hab ihn gefragt, was er danach als Leiter des für ihn von Landeshauptmann Platter erfundenen Zukunftsbüros verdient hat. Weniger, als zuvor als Vizebürgermeister, hat Platzgummer gesagt und damit wohl gemeint: Ich bin ein Wohltäter für die Zukunft des Landes. Irgendwas von Beamten-A-Schema hat er noch gemurmelt.

Ich finde für diese Gehaltsangabe auf der des ÖVP-Bashings unverdächtigen GÖD-Homepage die hübsche Summe von 5.680 Euro plus Zulagen pro Monat. Was Platzgummer für die 147.680 Euro getan hat, die er in seinen eineinhalb Jahren als Zukunftsbüro-Leiter verdient hat, bevor das Land Tirol die Zukunft auf einmal wieder abgeschafft hat, weil ein Hofrat in Pension gegangen ist und Platzgummer regulär geparkt werden konnte? Was Platzgummer in eineinhalb Jahren mit seiner Sekretärin für den Gegenwert von 41 Hirschabschüsse, 176 mal Sozialhilfe, sechs Mittelklasseautos oder einen Zubau zu einem Haus in Mils erarbeitet hat, steht genau nirgends. Die Frage nach einem Bericht ist auf der Podiumsdiskussion vorgestern unbeantwortet geblieben, genauso wie in den Anfragen der Abgeordneten Gebi Mair und Bernhard Ernst im Tiroler Landtag. Ich werd sie ihm wieder stellen.

entweder dumm, oder kriminell

Platzgummer bewegt sich wendig und fleißig im Sumpf der Tiroler ÖVP. Noch tiefer im Morast findet man einen, über den die Sozialdemokratie ihre schützende Hand hält. Die SPÖ hätte schon Grund, dem Tiroler ÖVP-Geschäftsführer Martin Malaun dankbar zu sein. Immerhin hat der mit der Kampagne für die Wiener ÖVP-Chefin Marek nicht unwesentlich zum Absturz der ÖVP ins Bodenlose beigetragen.  Das sympathische Häupl-Plakat stammt, ebenso wie das verhunzte Innsbruck-Logo aus der Feder der Malaun-Agentur.

Martin Malaun und seine Headquarter-Agentur haben 2008 auch den ebenso misslungenen Wahlkampf der demnächst zurückgetretenen ÖVP-Nationalratsabgeordneten Karin Hakl gemacht. Rechnungen für den Wahlkampf soll Malaun, sagte Hakl ihm damals, unter anderem an Valora und Alcatel schicken. Jetzt käme Malaun vor Gericht wahrscheinlich mit der verlogenen Behauptung durch, er hätte 2008 – 8 Jahre, nachdem er das erste Mal für Ernst Strasser gearbeitet hatte – nicht gewusst, wer die Valora ist.

Aber Alcatel: Malaun legt für die Kampagne der Telekom-Sprecherin der ÖVP eine Rechnung an ein Mobilfunkunternehmen und denkt sich nichts dabei. Das ist entweder dumm oder kriminell. Zu seinen Verwicklungen in alle schwarzen Jagd- und Weinfestveranstalter in den letzten 12 Jahren könnte Malaun unter Wahrheitspflicht gezwungen werden, im Untersuchungs-Ausschuss nämlich. Warum die SPÖ das nicht will? Entweder aus Dummheit, oder weil Malaun beim Singen auch weitere SozialdemokratInnen nennen müsste.

das sind die großen fische

30.000 Euro von Peter Hochegger und 3.000 Euro von Alcatel – das reicht für die Telekommunikationssprecherin der ÖVP allemal zum Rücktritt und das ist auch richtig so. Gegen das, was Martin Malaun, Christoph Platzgummer und Hannes Rauch auf schwindligen Kanälen verdient haben, sind die Hakl’schen 33.000 Euro aber Peanuts.

Dafür steigt der Tiroler ÖVP-Landesgeschäftsführer nicht einmal in einen Privatjet. Martin Malaun verdient 2007 und 2008 das Vierfache, 139.847 Euro, für „PR-Beratung“ des heutigen Tiroler Landeshauptmanns Platter. Zahlen durften diese erkleckliche Summe, von der eine durchschnittliche Familie sechs Jahre leben kann, die SteuerzahlerInnen. Denn der Auftrag für die auf nochmalige Nachfrage des Parlaments nicht genauer definierte PR-Beratung kommt vom Innenminister Platter an den Agenturchef Malaun. Skurriles Detail am Rande: Im Jahr 2007 kosten die Beiträge für Malauns PR-Beratung das Innenministerium mehr, wie die Öffentlichkeitsarbeit der Gedenkstätte des Konzentrationslagers Mauthausen. Auch eine Prioritätensetzung. 2009 kassiert Malauns Agentur 170.000 Euro, gut 5 Mal Hakls Valora-Geld, aus dem Innenministerium für wieder nicht genauer definierte „Beratungsleistungen“.

Aber bei Malaun kann man zumindest einen Gegenwert für vermutlich nicht vorhandene Leistungen nennen. Wir wissen, was die Freunderlschaft zwischen Malaun und Platter die SteuerzahlerInnen gekostet hat. Nicht so beim Rohrkrepierer der Innsbrucker ÖVP. Trotz mieser 20% versucht die Tiroler Journaille versuchen einige JournalistInnen, vor allem die zuständigen Redakteure der Tiroler Tageszeitung und jener des Stadtblatts, immer noch, Christoph Platzgummer zum Bürgermeister zu schreiben. Dabei sollte sie sich mehr dafür interessieren, was der Mann, der am zielsichersten Anzughosen mit Laufschuhen kombinieren kann, die letzten zwei Jahre gemacht hat. Dafür gibt’s nämlich ganz schön viele schöne Worte . Aber mit welchen Bauklötzen Platzgummer am Vorzimmerteppich des Landeshauptmanns mit seiner Sekretärin die Zukunft gespielt hat, wissen wir nicht. Zu dem, was sie „Zukunftsbüro“ nennen, gibt es keine Papiere, keine Homepage, es gibt keine Auskunftspflicht gegenüber dem Landtag, obwohl mit öffentlichen Geldern gezahlt wird. Insider schätzen, dass der zweijährige Platz in Platters Vorzimmer mit Sekretärin die SteuerzahlerInnen 360.000 Euro gekostet haben könnte. Also gut elf Mal Hakls Valora-Geld als arbeits(nachweis)loses Grundeinkommen für den gescheiterten Vizebürgermeister das Büro des gescheiterten Vizebürgermeisters. Ob er sich damit sein Haus in Mils saniert hat? Oder ob er die Miete in seinem neuen Wohnsitz bei seinen Eltern in Innsbruck davon bezahlt? (Anm., 4.4.: Persönlich zur Verfügung hatte Platzgummer natürlich nur die, laut seinen Angaben in der Podiumsdiskussion mit der Tiroler Tageszeitung, 147.680 Euro)

Und dann wäre da noch der ÖVP-Bundesgeschäftsführer, der sich als aufstrebender Jung-Politfunktionär nicht mit einem lausigen BeamtInnengehalt von gut 4.000 Euro zufrieden geben wollte. Deswegen hat Rauch unter Ernst Strasser (da war doch was!) zwar im Innenministerium gearbeitet, wurde davor aber noch schnell bei der „Niederösterreichischen Versicherung“ angestellt, damit er mehr verdient. Und das für genau den gleichen Job, wie alle anderen BeamtInnen im Innenministerium. Im U-Ausschuss vor drei Jahren hat Rauch das dann auch erzählen müssen.  Gekostet haben dürfte das ungefähr 30.000 Euro im Jahr, schätzen gut Informierte. Die Niederösterreichische Versicherung ist für Rauch quasi das, was die Valora für Hakl war.

Die drei Leistungsvortäuscher und Nettofürbruttobezieher sind nicht irgendwelche Hinterbänkler. Das sind der Bundesgeschäftsführer, der Landesgeschäftsführer von Tirol und der Innsbrucker Spitzenkandidat der ÖVP. Wer die schwarz-gelbe Bande wählt, kriegt von mir 6 Jahre Korruptions-Beschwerdeverbot. Und das mein ich ganz im Sinn des neuen Spiritus rector der ÖVP.

der tag, an dem gruber platzgummer legen wollte

Karin Hakl war politisch ein kleines Licht, so lange ich mich erinnern kann. Ich hab immer wieder vergessen, dass es sie eigentlich gibt. Aber keine Frage, die ÖVP-Nationalratsabgeordnete muss zurücktreten. Sie hat Geld von einer Firma genommen, die von der politischen Tätigkeit der ÖVP-Mandatarin hätte profitieren können (und das vielleicht auch getan hat). Karin Hakl hat verschwiegen, wer ihr Financier ist und in wessen Auftrag sie damit unterwegs war. Deswegen muss sie gehen. Und sie wird das auch tun, die Parteispitze hat sie längst fallen gelassen.

Das Problem ist nur: Die größten Kritiker der Elche sind meistens selber welche. So wie doch-nicht-ÖVP-Spitzenkandidat Franz Gruber. Der hat auch einmal in einer weit wichtigeren Angelegenheit verschwiegen, wer sein Auftraggeber ist. Ich möchte an den Tag erinnern, als Franz Gruber seinen jetzigen Plakatzwilling Christoph Platzgummer legen sollte. Sonntag, 18. Jänner 2009, kurz nach 11 Uhr vormittags. Die Stadt Innsbruck will aus den Verträgen aussteigen, mit denen der landeseigene Energieversorger TIWAG substanzielle Anteile des Landeseigentums an amerikanische Investoren cross border-verleast hat. Franz Gruber war im Dilemma: Einerseits wichtiger ÖVP-Mandatar in der Landeshauptstadt, andererseits Angestellter der Haus- und Hof-Kommunikationsagentur der TIWAG.

Franz Gruber hat sich so entschieden, wie sich ÖVPler fast immer entscheiden, wenn sie mit diesem Interessenskonflikt konfrontiert sind. Nämlich gegen die Interessen der Stadt und für die Interessen der TIWAG. Franz Gruber war aber nicht nur hinterlistig, sondern zum Glück gleichermaßen dumm unvorsichtig. Er hat seinen Plan nämlich schriftlich weitergegeben und Markus Wilhelm hat das Mail gefunden: Franz Gruber würde, versprach er seinen Chefitäten, sein wöchentliches Treffen mit dem Vizebürgermeister Platzgummer dazu nutzen, dem einzureden, die Interessen der TIWAG wären die Interessen der Stadt Innsbruck. Dass er im Auftrag der TIWAG komme, würde er seinem späteren Plakatzwilling nicht verraten. Nach seinem Treffen mit dem Vizebürgermeister würde er sich, ganz dienstbeflissen, sofort beim Agentur-Chef und beim TIWAG-Chef melden.

Ich weiß nicht, ob der Plakatzwilling sich legen hat lassen. Aber ich weiß, dass Platzgummer später als Vizebürgermeister die Interessen der Stadt Innsbruck, in der er nicht wohnt, gegenüber der UEFA und gegenüber den Igler Bauern, hintan gestellt hat. Dass er dafür, wie Hakl und Gruber, bezahlt worden ist, lässt sich leider nicht belegen. Aber eines zeigt das schon deutlich: Das so genannte bürgerliche Lager der Landeshauptstadt ist ein korruptionsanfälliger Chaotenverein, wo keiner keinem mehr auch nur einen Millimeter über den Weg traut.

Und ich freu mich schon auf den Tag, an dem die fallen gelassene Karin Hakl auspackt.

auch du mein sohn, brutus

Die Iden des März, mitten im Herzen Europas. 2007 gaben sie sich im Innenministerium die Klinke in die Hand. Heute hat Brutus zugeschlagen. Es ist ein politischer Totschlag aus schlechtem Gewissen. Deutlicher hätte Platter die Strasser-Connection ins scheinheilige Land nicht darstellen können, als mit seinem Vorpreschen beim Parteiausschluss des Lobbyisten.

November 2007: Im Kurier tauchen die Strafakten von Arigona Zogajs Vater auf – es geht um ein Kleindelikt. Schon zehn Tage davor spricht in der aufgeheizten Zogaj-Debatte der niederösterreichische ÖVP-Geschäftsführer Karner von einem Gewalttäter in der Zogaj-Familie. Woher wusste er das? Aus dem Innenministerium. Dort saß damals schon fast ein Jahr lang nicht mehr der niederösterreichische Raiffeisen-Zögling Strasser, sondern Günther Platter. Karner war davor – richtig – Pressesprecher von Innenminister Strasser. Gemeinsam mit Hannes Rauch. Der ist jetzt Tiroler ÖVP-Landesgeschäftsführer.

Mit an Bord in Strassers Führungsriege, außerdem: Der Tiroler Sektionschef Mathias Vogl und der Tiroler Kabinettschef Christoph Ulmer. Der Leiter des umstrittenen BIA, von dem die E-Mail-Affäre um parteipolitische Postenbesetzungen ausgegangen ist? Martin Kreutner, ebenfalls Tiroler. „Zu jung und zu viel Macht“, schreibt die nicht gerade ÖVP-feindliche „Presse“ über das System Strasser. Oskar Gallop wurde im Sommer 2005 der erste Landespolizeikommandant, der die Sicherheitsakademie nicht besucht hatte. Bestellt hat ihn Ernst Strasser. Die Dorfgendarmen als höchste Vertreter von Politik und Exekutive: Dafür ist die Tirol-Niederösterreich-Connection verantwortlich. Und sie zieht sich bis in Strassers letzte Tage als Lobbyist in politischem Amt: Sein Sprecher in der Bestechungs-Affäre ist der Tiroler Leiter des Wien-Büros der Platter’schen Haus- und Hofagentur Hofherr Communications, Jürgen Beilein.

Was Strasser zwischen seinem Rücktritt als Innenminister und dem Auftauchen als Lobbyist in eigener Sache im EU-Parlament gemacht hat, ist auch bekannt: Von 2008 bis 2009 berät er, man weiß nicht für wie viel Geld, den Quasi-Monopolisten am Tiroler Zeitungsmarkt, die „Moser-Holding.“ 2007 lobbyiert er für den landeseigenen Energieversorger TIWAG. Für 450 Euro in der Stunde fährt er unter anderem am 25. Oktober 2007 von Wien nach Sölden und wieder zurück. Den Riesenslalom dort gewinnt Aksel Lund Svindal. Insgesamt verdient Strasser bei der TIWAG 14.000 Euro für 31 Stunden Arbeit.

Brutus verlor zwei Jahre nach seinem Cäsarenmord zwei Kriege und ließ sich von den letzten verbliebenen Loyalen umbringen. Seinen Kopf ließ der siegreiche Octavian vor einer Cäsar-Statue in Rom niederliegen. Die Zeit der Kriege ist vorbei. Aber vielleicht besucht Platter seinen Freund Strasser demnächst einmal im Häf’n.

die drei mounties vom grabenweg

Ich bin ja nicht so leicht für Umwelt-Themen zu begeistern. Der Wohlriechende Salomonsiegel klingt für mich nach Duftbad. Ich würd mir überlegen, ob Wolfsmilch eine Delikatesse wie Büffelmozzarella ist. Hinter einer Geburtshelferkröte vermute ich eine sozialdemokratische Hebamme. Und trotzdem: Was ich heute im Innsbrucker Gemeinderat gesehen hab, war dermaßen piefkesagaesk, dass es mir immer noch schwindelt.

„Natourismus“ ist das Schlagwort, unter dem die drei Mounties vom Grabenweg angerückt waren, um in einem 30minütigen Referat den MandatarInnen ein umstrittenes Schigebietszusammenschluss-Projekt schmackhaft zu machen. Mounties deswegen, weil die drei Referenten im gut geheizten Innsbrucker Gemeinderatssaal alle drei mit der gleichen Softshell-Jacke bekleidet waren. Hier auf der Homepage der Agentur, die aus drei pdf-Files besteht, sieht man die Mountie-Jackerln. Ihr Projekt ist deswegen so umstritten, weil es über eine der ältesten Gesteinsformationen der Alpen geht, die naturschutzrechtlich unantastbar sind. Das hindert die Mounties aber nicht daran, mit überzeugtem PR-Lächeln davon zu sprechen, dass man bei einer Bahn über diese Gesteinsformationen TouristInnen mit dem Slogan „300 Millionen Jahre an einem Tag“ locken könnte. Oder mit „der Natur auf der Spur auf Schienen und Seilbahnen.“

Das Projekt will einige der beliebtesten Routen der boomenden SchitourengeherInnen zu Abfahrten umwandeln. Bei den Mounties heißt diese Zerstörung von Naherholungsraum dann „ein Miteinander und Nebeneinander von Tourengehern und Schifahrern.“ Wichtig sei der Ausbau des teilweise sehr niedrig gelegenen neuen Schigebiets vor allem dann, wenn der Gletscher nicht „einsatzfähig“ sei. Einsatzfähig? Er wird bald nicht mehr da sein, liebe Mounties. Genausowenig wie der Schnee auf den niedrig gelegenen Abfahrten, die ihr erschließen wollt. Aber egal: Dafür gibt es ja – Mountiesprech – „technische Beschneiung“. Damit’s nicht ganz so kriegerisch klingt.

Und dann gibt’s da noch die ÄsthetikerInnen, die die Gesteinsformation schlicht schön finden und damit Werbung machen. Auch für die gab’s Placebo-Beruhigungen. Drei Fotomontagen aus jeweils 10 Kilometer Entfernung, auf denen die Mounties die Stützen mit der Maus zeigen mussten. Sollte wohl heißen: Wir bauen da eine Seilbahn, als letzte Rettung für Innsbrucks einschlafenden Schitourismus. Sie soll zwar tausende Gäste befördern, aber sie ist unsichtbar. Eigentlich gibt es sie gar nicht.

Die touristischen Wortfindungsstörungen haben mich als in Sachen Naturschutz Unbedarften endgültig überzeugt: Diesem ‚Natourismus‘ sollte man Innsbrucker PR-Neusprech entgegensetzen. Und Na‘ Tourismus sagen.