alm-lehrer machen schule kaputt

Zwei Turnlehrer auf einer Tiroler Alm, Mittwoch nachmittag um halbvier. „Morgen fohr ma weiter aufi“ – „Jo, ober i muas bis zwölfe unterrichten“ – „Aber nocha hol i di glei von der Schual ob, i hun morg’n frei. Dann fohr ma ins Karwendel und sein erscht z’ruck, wenn’s wieder dunkel isch“. Es ist eines der ältesten Klischees dieser Republik. Ein Körnchen Wahrheit steckt aber drin. Und für die gesellschaftliche Wahrnehmung von Bildung ist es ein explosives Körnchen: Die LehrerInnen unterrichten zu wenig, sagt der Volksmund. Präziser müsste es heißen: Tausende der 125.177 LehrerInnen in Österreich unterrichten zu wenig. Und manche stellen es offen zur Schau, wie meine beiden Freunde von der Tiroler Alm.

Es gibt keine andere Berufsgruppe, in der 25 Stunden Arbeit und 65 Stunden Arbeit genau gleich bezahlt werden – bei den LehrerInnen ist es so. Wer Englisch und Französisch unterrichtet, muss ca. 18 Stunden in der Schule unterrichten. Gute FremdsprachenlehrerInnen kommen mit Vorbereitung und Korrekturen auf eine 65-Stunden-Woche. Wer Turnen und Philosophie unterrichtet, muss ca. 22 Stunden in der Schule anwesend sein. Und es gibt Turn- oder WerklehrerInnen, die daheim keine Minute mit Korrekturen oder Vorbereitung verbringen. Jede/r kennt Eine/n, da bin ich mir sicher. Verdienen tun sie aber trotzdem auf Punkt und Komma gleichviel, wie die LehrerInnen mit Manager-Arbeitszeiten.

Unter diesen Halbtagskräften mit Vollzeitgehalt leidet die große Mehrheit der 125.177 LehrerInnen in Österreich. Denn die Mehrheit ist engagiert, fängt soziale Probleme auf, besucht regelmäßig Fortbildungen und ist ständig um Innovationen im Unterricht bemüht. Es gibt übrigens auch Prügel-LehrerInnen und solche, die Kinder aus ihrem Prügel-“Zuhause“ herausholen. Es gibt LehrerInnen, die Kinder aus bildungsfernen Schichten fördern und solche, die Kinder mit migrantischem Familiennamen hinausekeln. Und es gibt sogar gute Turn- und WerklehrerInnen, die auf ihre 40 Stunden kommen. Es ist alles nicht ganz einfach.

Und trotzdem: die Tausenden, die es sich gemütlich machen und seit 20 Jahren gleich unterrichten, verderben den zehntausenden Engagierten die Freude an ihrer Arbeit. Sie verdienen volles Geld für halbe Arbeit. Es braucht ein Instrument zur Bewertung des Engagments und der Qualität von den Menschen, die mit Kindern in der sensibelsten Zeit zusammenarbeiten. Da geht’s um Viel: Um die Qualität von Bildung. Um das Image der LehrerInnen. Und um Gerechtigkeit.

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Wie steht ihre Partei zur Gesamtschule? Klar ist, dass wir verpflichtende Deutschkurse für Ausländerkinder brauchen, die unsere Sprache nicht verstehen.

Bröckelt die Blockade der ÖVP gegen die Ganztagsschule? Klar ist, dass wir verpflichtende Deutschkurse für Ausländerkinder brauchen, die unsere Sprache nicht verstehen.

Wie sehen sie die Probleme der 60 Neuen Mittelschulen, die aus finanziellen Gründen nicht genehmigt worden sind? Klar ist, dass wir verpflichtende Deutschkurse für Ausländerkinder brauchen, die unsere Sprache nicht verstehen.

Braucht Österreich ein neues LehrerInnendienstrecht? Klar ist, dass wir verpflichtende Deutschkurse für Ausländerkinder brauchen, die unsere Sprache nicht verstehen.

Unterstützen Sie die Bemühungen von Bildungsministerin Schmied, die LehrerInnenausbildung universitär zusammenzuführen? Klar ist, dass wir verpflichtende Deutschkurse für Ausländerkinder brauchen, die unsere Sprache nicht verstehen.

Rassismus heißt, alle Probleme auf einen einzigen Nenner bringen zu wollen und Sündenböcke zu benennen. Die Zusammenfassung oben ist nicht etwa ein Strache-Interview, sondern jene der 15 bildungspolitischen Minuten in der heutigen Pressestunde mit ÖVP-Außenminister Spindelegger.

Wohlgemerkt: Ich arbeite mit MigrantInnenkindern. Ich weiß, dass mangelnde Deutschkenntnisse ein massives Problem sind, dass sie vielen Kindern einen höheren Bildungsweg verbauen. Das zu sagen, ist nicht rassistisch. Aber vom LehrerInnendienstrecht bis zur Ganztagsschule alle Probleme des österreichischen Schulwesens mit dem selben Argument zu beantworten heißt, Strache nach dem Maul reden.

Ich halte diese skandalöse Dumpfheit und Ahnungslosigkeit für ein Musterbeispiel dafür, wie ÖVP und SPÖ die Rechtsradikalen groß machen, in dem sie ihre „Argumentations“muster übernehmen. Profitieren tut von solchem dummen Rassismus, auch wenn er von der ÖVP kommt, nämlich nur Strache.

deutschland ist das neue rumänien

Ja, ich freu mich königlich, wenn die Deutschen beim Fußball eine auf den Deckel kriegen. Es gibt nichts schöneres, als wenn die Bayern gegen einen französischen Abstiegskandidaten verlieren. Mich nerven deutsche Saufköpfe auf der Alm, deutsche Prolos im Jimmy’s und deutsche Mercedes auf der Autobahn. Mich kotzen Deutschnationale an, wie sonst kaum etwas. Und ich mag die neue deutsche Bundesregierung nicht.

Aber die deutschen Studis können nun wirklich nichts dafür, dass unsere Unis seit Jahren viel zu knapp budgetiert sind, während wir uns allerlei anderen unsinnigen Luxus leisten. Die deutschen Studis können nichts für den Numerus Clausus und sie können nichts dafür, dass Innsbruck von München aus vier Mal näher ist, als Hamburg oder Paris. Sie können auch nichts dafür, dass sie offenbar für die Uni besser vorbereitet aus der Schule kommen, als die meisten ÖsterreicherInnen. Aber sie sind trotzdem die neuen Rumänen, sie überfluten uns. Zumindest wenn man der beispiellosen Kampagne Glauben schenkt, die der Innsbrucker Uni-Rektor losgetreten hat.

In haben FreundInnen und Bekannte, die in Berlin, Hamburg, Bielefeld und München studieren. Sie haben noch nichts davon gehört, dass sie die Unis dort überschwemmen und deutsche Studienplätze klauen. Wir leben in einem vereinten Europa, das die Lissabon-Ziele verfolgt und sich zum Bologna-Prozess entschlossen hat. Das alles kann und soll man kritisch sehen. Aber bitte, liebe Medien: Lasst die deutschen Studis in Ruhe. Sie lassen genau so Geld da, wie die Saufköpfe auf der Alm. Sie mieten Wohnungen, füllen unsere Lokale und man könnte manchmal meinen, ohne sie könnte die Axamer Lizum längst zusperren. Sie schlagen die meisten österreichischen MaturantInnen bei Aufnahmeprüfungen um Längen. Manchmal scheinen sie also sogar Züge von Intelligenz aufzuweisen.