Da, wo es Seen, Einfamilienhäuser und Latte Macchiato gibt, sind besonders viele Liberale. Das gilt für Grüne genauso. Deshalb ist die einfache Rechnung, die in den Medien dieser Tage aufgestellt wird: Wenn Liberale wieder ernsthaft bei einer Nationalratswahl antreten, so wie das die “Neos” gemeinsam mit dem “Liberalen Forum” im Herbst planen, werden die bei den Grünen knabbern.
Fact Check. Ich hab in die Zahlen geschaut: Auf der Karte sind 35 liberale Hochburgen von der Nationalratswahl 1995 eingezeichnet (namentliche Anführung der Gemeinden unten). 1995 war die einzige Wahl, bei der das LIF mit 5,5% bundesweit vor den Grünen (4,8%) lag. Wohlgemerkt: Das sind nicht die 35 stärksten LIF-Gemeinden, sondern die jeweils stärksten in den Bundesländern. Damit ist ein Blick über den Wiener Tellerrand gewährleistet.
Die Wahlforschung hat 1999 beim Absturz des LIF eine deutliche Einschätzung abgegeben. Sowohl das SORA-Institut, als auch der Statistiker Erich Neuwirth konstatierten mit verschiedenen Methoden eine massive Wanderung vom LIF zu den Grünen.
Diesem Befund widerspreche ich gar nicht: Es macht auch Sinn, dass WählerInnen Ende der 1990er-Jahre zwischen den als stärkste Opposition zur wachsenden FPÖ wahrgenommenen Parteien wandern. Der starke WählerInnenaustausch zwischen Grün und LIF ist allerdings – das ergibt zumindest meine Berechnung – nicht exklusiv und nicht dauerhaft. Ich hab die 35 liberalen Hochburgen 13 Jahre nach dem besten LIF-Ergebnis untersucht: bei der letzten Nationalratswahl 2008.
Die Grünen haben ihren bundesweiten Stimmenanteil von 1995 bis 2008 mehr als verdoppelt – der genaue Faktor ist 2,16. In den 35 LIF-Hochburgen haben die Grünen 2008 genau 2,23 Mal so viele Stimmen geholt, wie 1995. Der Unterschied ist mit freiem Auge kaum sichtbar: Ob eine Gemeinde eine LIF-Hochburg war, ist für den Erfolg der Grünen unermesslich. Bei der ÖVP ist der Unterschied größer. Sie hat dort, wo das LIF stark war in den 13 Jahren zwischen der Nationalratswahl 1995 und 2008 noch mehr verloren, als bundesweit.
Wichtige Schlussbemerkung. In jeder dieser Gemeinden mag es eigene, regionalspezifische Gründe geben, warum ehemalige LIF-WählerInnen da oder dort hin gewechselt sind. Die Gemeinden sind nicht repräsentativ für die Bevölkerungszahlen nach Bundesländern. Aber das große Bild anhand dieser 35 Hochburgen ist deutlich: Das LIF und seine Nachfolgepartei “Neos” sind kommunizierende Gefäße in mehrere Richtungen. Es wird vom Programm der neuen Gruppierung abhängen, wer sich vor ihnen in Acht nehmen muss.
Die ausgewerteten Gemeinden: Eisenstadt, Bad Sauerbrunn, Globasnitz, Feistritz/Bleiburg, Sele, Maria Anzbach, Tulln, Eichgraben, Gießhübel, Hinterbrühl, Maria Enzersdorf, Wilhering, Ried, Puchenau, Mondsee, Seewalchen, Fuschl, Henndorf, Salzburg, Graz, Hart bei Graz, Stattegg, Gleisdorf, Thal, Innsbruck, Natters, Sistrans, Sautens, Bregenz, Schwarzach, Hard, Röthis, Mariahilf, Neubau, Josefstadt - hier ist das File, wenn jemand nachrechnen mag.








