tirol von a bis z

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Fünf Wochen vor der Landtagswahl: Ein Glossar für nicht mit dem heiligen Land Bewanderte.

Anton Steixner, Bauernbund-Chef und Energie-Landesrat, hält seine schützende Hand über die auf 3% geschrumpfte Erwerbsbauernschaft des Landes. Möglicherweise Platters politischer Sargnagel. Der liegt in der Landeshauptmann-Frage bei 26%, also 14% unter dem letzten, schwachen ÖVP-Ergebnis.

Bauernbund. „Die ÖVP ist das Klavier, auf dem der Bauernbund spielt“, hat Alt-Landeshauptmann Wallnöfer gesagt, auf den sich noch immer alle ÖVP-Chefs berufen. De-facto-Eigentümer des in den 50er- und 60er-Jahren den Gemeinden geraubten Landes (Agrargemeinschaften).

Christine Oppitz-Plörer. Innsbrucker ÖVP-Bürgermeisterin, die nach der Gemeinderatswahl 2012 endgültig mit der Landes-ÖVP gebrochen hat. Regiert mit einer Ampel, unterstützt ÖVP-Abspaltung → „Vorwärts“ bei der Landtagswahl 2013.

Dreierkoalition. ÖVP ohne Platter, „Vorwärts“ und dazu entweder SPÖ oder Grüne werden nach dem 28. April regieren – für eine Zweierkoalition ist keine Mehrheit in Sicht.

Echo. Kritisches Nachrichtenmagazin. 2008 Wahlkampfhelfer für → Fritz Dinkhauser. Eigentümer tummelt sich 2013 bei → „Vorwärts“-Veranstaltungen.

Fritz Dinkhauser. ÖVP-Rebell, der 2008 mit über 18% für seine Liste „Bürgerforum“ Landeshauptmann van Staa stürzte. Ziel der schwarzen Wiedervereinigung in der Regierung gescheitert. Kandidiert 2013 nicht mehr, seine Liste wird zwei Drittel der Stimmen verlieren.

Gerhard Reheis. SPÖ-Spitzenkandidat. Drehte einst schwarze Gemeinde und wurde Bürgermeister mit Flinserl, genießt wie sein Vorgänger Hannes Gschwentner hohe Beliebtheit. Hat sich erst im Wahlkampf von ÖVP emanzipiert.

Hans Lindenberger. Früherer ÖBB-Manager, roter Kurzzeit-Landesrat. Zurückgekommen, um als Spitzenkandidat für → „Vorwärts“ zu kandidieren und mit der ÖVP zu regieren.

Ingrid Felipe. Grüne-Spitzenkandidatin mit Zug zur Macht. Aufgewachsen zwischen Kirchturm und Misthaufen, Betriebswirtin, Sport-Funktionärin. Könnte erste grüne Landesrätin in einer Landesregierung ohne Proporz werden.

Journalismus. Print-Platzhirsch Moser Holding, dem von der Tiroler Tageszeitung bis zu den Bezirksblättern alles gehört, was Stimmung macht und Landes-ORF teilen sich den Großteil des Marktes. Beide sind von der ÖVP abhängig – erstere durch öffentliche Inserate auf dem schwachen Anzeigenmarkt, zweitere u.a. durch die Bestellung des Landesdirektors.

Kufstein/Wörgl. Zweitgrößtes Ballungszentrum nach Innsbruck. Einst blaue Hochburgen, später von der ÖVP zurückerobert. Heute regiert in Kufstein ein Bürgerlisten-Bürgermeister (dessen Frau für → „Vorwärts“ kandidiert) und in Wörgl eine Sozialdemokratin. Bellwether für das Landesergebnis.

Löhne. Österreichweit größtes Lohngefälle. Tiroler Westen hat außer Tourismus kein finanzielles Standbein, gehört zu den ärmsten Regionen der Republik. Gemeinsam mit enormen Mietpreisen im Zentralraum größtes real existierendes Problem der Landespolitik.

Mieders. Kleine Gemeinde südlich von Innsbruck, deren Bürgermeister sich wegen des geraubten Lands bis zum VfGH durchgeklagt hat. Wurde zum Symbolbegriff für Kampf um geraubtes Land.

Naturschutz. Wegen der größten Nord-Süd-Achse im europäischen Transitverkehr früher Thema, als anderswo. Ständiger Balanceakt zwischen Erhalt der Naturjuwelen und touristischen Interessen. Begünstigt → Ingrid Felipe

Oberland. Hat der ÖVP 2008 das Wahlergebnis gerettet. In den Bezirken Reutte, Landeck und Imst insgesamt Netto-Stimmengewinne trotz 10% Verlust auf Landesebene. Heute wegen der „Vorwärts“-Kandidatur mit Außerferner Kandidatin Anna Hosp tiefer Riss in schwarzen Reihen im Westen.

Parteienlandschaft. ÖVP, Bürgerforum, SPÖ, FPÖ, Grüne, „Vorwärts“, Stronach dürften Einzug in Landtag schaffen. 7-Parteien-Parlament einmalig in Österreichs Geschichte nach 1945.

Querulanten.“ Markus Wilhelm, Markus Kozuh, Gebi Mair, Armin Muigg. Blogger, Kabarettist, Politiker, Journalist. Wo die Macht so uneingeschränkt ist, ist viel Platz für laute Opposition. Ergänzung: Ein Freund reklamiert hier völlig zurecht Frauen herein: Alexandra Keller (Journalistin), Luise Müller (evangelische Superintendentin), Mieze Medusa (Rapperin, Poetry Slammerin), Katharina Lang (Menschenrechtsaktivistin).

Reichenau. Das Transdanubien von Innsbruck – bevölkerungsreicher Stadtteil mit niedrigem Bildungsgrad und schwacher Infrastruktur, wo sich Schicksal der FPÖ entscheidet. Verliert sie hier, wird sie einstellig. Und Strache strauchelt weiter.

Stadt-Land-Gefälle. 250.000 Menschen haben ihren Lebensmittelpunkt in der Landeshauptstadt. Von Innsbruck aus ging mit der ersten erfolgreichen Abspaltung 1994 die Aufdröselung der ÖVP los, mittlerweile ist sie bis ins Unterland im Osten und ins Außerfern im äußersten Nordwesten fortgeschritten.

Tiwag. Landeseigener Energieversorger. Inbegriff der schwarzen Ränkespiele. Abstellplatz für AltpolitikerInnen.

Urangst. Seitdem „die Wiener“ dem Reaktionär Andreas Hofer nicht gegen Napoleons heraneilende Truppen geholfen haben, ist die Tiroler Identität nicht viel weniger paranoid ausgeprägt, als jene Kärntens. Gegen Wien zieht in Tirol immer. Sogar, wenn man dafür für Gesamtschule sein muss.

Vorwärts“. Liste zur Erneuerung der ÖVP ohne Günther Platter. Niederschwellige Alternative für ÖVP-Verdrossene mit viel Schwarz an Bord: Von der Alt-Landesrätin bis zur Innsbrucker Bürgermeisterin. In Umfragen knapp an der Zweistelligkeit. ÖVP wird nicht ohne „Vorwärts“ regieren können.

WechselwählerInnen. 10%, die → Fritz Dinkhauser verlieren wird, sind größter verfügbarer Block., entscheidet über Platz 2. → „Vorwärts“ und Grüne streiten um dieses Potenzial.

X für ein U vormachen. Tirols Polit-Landschaft ist bunter, die Öffentlichkeit dank vieler engagierter BürgerInnen, → „Querulanten“ und den Möglichkeiten des Internet aufgeschlossener geworden. Unter diesen Bedingungen ist Vormachtstellung einer Partei nicht aufrecht zu erhalten.

Y. Noch so ein schrecklicher Buchstabe. Vielleicht kann den der neu gewählte Tyroler Landtag abschaffen?

Zams. Dort suchen sie doch sicher einen neuen Dorf-Gendarmen?

Disclaimer: Ich habe 2006-2011 bei den Tiroler Grünen gearbeitet. Meine dortigen Erfahrungen mit den Tiroler Verhältnissen könnten meine Sichtweise beeinflussen. 

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