nehmt sie beim wort

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Das ist auf jeden Fall haushoch verloren. Was lernen wir daraus? Ich ärger‘ mich über das Niveau der Auseinandersetzung: Da ist’s mehr um ‚wer hat was wann getan‘ gegangen, als um ‚welche Zukunft können wir wem ermöglichen‘. Das ist ein Schlagabtausch, den ein personalisierter Mediendiskurs aufzwingt. Wer sich dem verweigert, kommt nicht vor. Für die Zukunft gilt: Reformen müssen besser argumentiert werden, auf Punkt und Beistrich, monatelang. Das konservative Österreich wirft ein sogenanntes bewährtes Konzept nicht einfach über Bord, das bei nationalen Großereignissen vom Streif-Rennen über die lächerlichen Aufmärsche am sogenannten Nationalfeiertag (ich sag nur 8. Mai) bis zum Hochwasser verankert und Begleitmusik zu lauter identitätsstiftenden Nationalmythen ist. Mich frustriert das – umso mehr, als es viele Linke aus Eitelkeit nicht übers Herz gebracht haben, ein Berufsheer mit Wehrpflicht durch ein Berufsheer ohne Wehrpflicht zu ersetzen.

Und jetzt? Lassen wir die ÖVP einmal drei Tage feiern und Bumsti drei Bier auf den Erfolg bestellen. Und dann muss man die Wanderprediger, die auf einmal linke Werte entdeckt haben, beim Wort nehmen. Wer mit Integration hausieren geht, muss den rechten Hetzern eine klare Absage erteilen. Wer „soziale Durchmischung“ beschwört, muss im Kindergarten, in Gesamtschulen und im Wohnbau damit anfangen. Wer den Zivildienst so wertvoll findet, soll ihn mit dem Wehrdienst gleichstellen: Gleiches Geld, gleiche Dauer. Wer jungen Männern kochen, kellnern und Wäsche zusammenlegen und ’sich aufführen‘ beibringen will, muss viel Geld für geschlechtssensible Arbeit mit Kindern und für aufgeklärte Sexualpädagogik bereitstellen. Wer Solidarität in Krisenzeiten beschwört, muss eine ordentliche Steuer für die reicher werdenden Reichen an den Start bringen.

Diese Volksbefragung ist zweifellos eine bittere verlorene Schlacht. Aber schwarz-blau ist noch nicht durch.

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Ein Gedanke zu „nehmt sie beim wort

  1. Das heißt also, +60% haben einfach aus Verblendung, weil sie nicht genügend mit den „richtigen“ Argumenten gefüttert wurden, für die Beibehaltung der Wehrpflicht – und des damit untrennbar verbundenen Wehrersatzdienstes, sprich: Zivildienst – gestimmt? Das mit dem „falschen Bewusstsein“ ist keine so leichte Sache.

    Das stärkste Argument der Befürworter der Wehrpflicht war, dass der Zivildienst nicht einfach so abgeschafft werden soll. Dass dieses System leicht durch „ordentlich“ bezahlte Freiwillige zu ersetzen wäre, hat eben die meisten nicht überzeugt.

    Mir ist auch entgangen, dass gerade die postmaterialistisch-pragmatischen Grünen die politische Welt plötzlich wieder so klar in links und rechts einteilen. Wer das Ergebnis der Volksbefragung sich dann teilweise mit der Unterstellung erklärt, viele Linke hätten aus bloßer „Eitelkeit“ nicht für die Umstellung auf ein Berufsheer und freiwilliges Sozialjahr gestimmt, sollte seine eigene Kritikfähigkeit gründlich hinterfragen. Worin soll denn diese „Eitelkeit“ liegen?

    Von Grünen würde ich mir eine „positivere“ Einstellung zu direktdemokratischen Entscheidungen erwarten.

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