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Umfragen sind Umfragen und sie werden tendenziell in Richtung Wahltermin weniger präzise. Aber in den USA gibt es zumindest eine andere Veröffentlichungskultur: Hier kann man etwa die neueste Umfrage zum republikanischen Präsidentschaftsrennen nachlesen, auf Punkt und Beistrich mit allen Detailfragen und auch mit den konkreten Frageformulierungen und sogar mit Regieanweisungen für die Fragenden. Komplett transparent also – und dann lassen sich diese Umfragen auch leichter einordnen.

Über die zitierte Umfrage erfährt man so zum Beispiel, dass deutlich mehr Männer befragt wurden als Frauen, dass fast die Hälfte der nach ihrem republikanischen Vorwahlverhalten befragten Menschen keine deklarierten RepublikanerInnen sind, sondern Independents. Wir lernen, dass nur knapp über 400 Menschen befragt worden sind und, dass es sich nach Eigenangaben um „likely voters“ handelt und nicht um „registered voters“. Das macht einen riesigen Unterschied, ob Menschen schon einmal bei einer Vorwahl waren und keine bürokratische Hürde mehr nehmen müssen, oder ob sie nur auf die lapidare Frage am Telefon, ob sie beabsichtigen zu gehen, mit „ja“ antworten. Die Umfrage ist also, lernen wir aus der Komplettveröffentlichung, vermutlich nicht besonders präzise. Etwas präziser ist schon diese, ebenfalls heute komplett veröffentlichte Umfrage aus Iowa, bei der 602 wahrscheinliche WählerInnen befragt wurden. Wir lernen außerdem ein paar spannende Details: 41% der Menschen in New Hampshire sagen, sie hätten schon einmal eine/n der republikanischen KandidatInnen bei einer Veranstaltung live gesehen. Und in Iowa gibt es bei den Trump-UnterstützerInnen entgegen dem conventional wisdom keine Unterschiede nach Einkommen der Befragten.

Ich möchte das deswegen einmal herzeigen, weil bei uns gar so sehr verheimlicht wird, welche Methoden welches Institut bei welcher Frage verwendet. Komplett veröffentlichte Umfragen machen eine seriöse Diskussion über über die banale Wahlpräferenzfrage hinausgehende Fragen möglich und können damit sogar ein demokratischer Beitrag zum politischen Diskurs sein. Was sagen die neuesten Umfragen jetzt? Mit Trump, Cruz und Sanders sind die „Outsiders“ weiter am Vormarsch. In den führenden US-Fernsehdiskussionsformaten wurde am Wochenende die Frage heftig diskutiert, ob an den vermeintlichen beiden Enden des politischen Systems – Trump und Sanders – nicht sehr viel Gemeinsames in ökonomischen Fragen stehe. Aber das beschreib ich ein anderes Mal.

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