cruz control

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Der Favorit auf die republikanische Nominierung als Gegenkandidat von (aller Wahrscheinlichkeit nach) Hillary Clinton ist nicht mehr Donald Trump. Nein, der rechte Rowdy ist von einem in Europa bisher fast unbekannten Senator abgelöst worden. Rafael Edward „Ted“ Cruz ist zwar inhaltlich ähnlich positioniert wie Trump, aber er ist ein Profi.

Und deswegen hat Ted Cruz alles, was Trump nicht hat: Viele HelferInnen in allen größeren Städten der ersten Staaten. Das Quäntchen mehr Zurückhaltung, um nicht allzuviele weniger radikale WählerInnen zu verschrecken. Und eine Strategie, die punktgenau aufgegangen ist: Ziel jedes aussichtsreichen Kandidaten bzw. jeder Kandidatin muss es sein, im Dezember in den Umfragen zuzulegen und im Jänner auf der Überholspur zu sein, kurz bevor die Vorwahlen losgehen.  Dort liegt Cruz in den ersten vier Staaten momentan auf den Plätzen 1, 2, 2 und 2. Und wenn dann am 1. März ganze 14 Bundesstaaten wählen, sind viele Südstaaten darunter, in denen der konservative texanische Senator gute Karten hat.

Wie ist das passiert und was sind die Konsequenzen dieses momentanen Hochs? Cruz hat die Geduld bewiesen, die Konkurrenten in seinem republikanischen Milieu nicht zu attackieren und es sich damit auch mit ihren AnhängerInnen zu verscherzen, sondern darauf zu warten, dass sie sich selbst versenken. Genau das hat der Gehirnchirurg Ben Carson seit Thanksgiving mit unqualifizierten Äußerungen zur US-Außenpolitik und schlechten Schlagzeilen wegen Streitereien innerhalb seines Kampagnenteams getan. Cruz brauchte die evangelikalen Schäfchen nur aufzusammeln, die sich von Carson abgewendet haben. Und das waren ganz schön viele, war doch Carson kurze Zeit sogar Führender in den Umfragen der ersten Vorwahlen in Iowa. Aber nicht nur das: Cruz hat mit Hilfe seines Vaters, eines einflussreichen evangelikalen Predigers, ein starkes Netzwerk streng religiöser UnterstützerInnen aufgebaut, die es ihm ersparen, viel eigenes Personal in den Südstaaten engagieren zu müssen. Hier zahlt sich die offene Unterstützung einflussreicher Fürsprecher besonders aus.

Die Konsequenz: Wenn Donald Trump in einem der ersten beiden Staaten scheitert (also nicht Erster wird), dann könnte Cruz der neue offizielle Frontrunner werden. Dann wird das gesamte Licht der Öffentlichkeit auf ihn gerichtet und es kommen alle Schmutzwäsche und alle Widersprüche auf den Tisch. Aber Cruz ist für viele Trump-UnterstützerInnen die dezidierte zweite Wahl in den Umfragen. Das sollte jenen KandidatInnen schwer zu denken geben, die darauf hoffen, dass früher oder später das Argument „electability“, also Wählbarkeit im November gegen (wahrscheinlich) Hillary Clinton, den texanischen Senator zu Fall bringen könnte. Die Etablierten Bush, Rubio und Christie, raufen sich also um Platz 3 in New Hampshire und werden so schnell nicht aufgeben, auch wenn sie den verfehlen. Ted Cruz geht einstweilen Delegierte in den Südstaaten sammeln. Dabei hilft es ihm, je länger verschiedene Etablierte im Rennen bleiben. Denn die attackieren sich nicht nur gegenseitig, sondern sie nehmen sich Stimmen weg. Und in manchen Bundesstaaten bekommen nur jene KandidatInnen nach der Vorwahl Delegierte für den republikanischen Wahlparteitag, die über 20% der Stimmen kommen. Gute Aussichten für Ted Cruz, der mit Unterstützung der Evangelikalen in den meisten Staaten kein Problem mit dieser Hürde haben wird.

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