trump, eine einordnung

Bildschirmfoto 2015-08-09 um 23.18.27Die AntiamerikanerInnen können wieder zu geifern aufhören und die ganz Durchgeknallten, ihre Hoffnungen aufgeben: Donald Trump wird nicht US-Präsident werden, er wird nicht der Spitzenkandidat einer großen Partei und er wird auch als unabhängiger Kandidat keine hohe Prozentzahl erreichen, sollte er nach seinem Scheitern bei den republikanischen Vorwahlen immer noch Lust aufs Weiße Haus haben. Do the maths: Trump liegt momentan irgendwo bei 30% der möglicherweise Stimmberechtigten in den Vorwahlen einer Partei, zu der sich 39% der AmerikanerInnen bekennen: Das sind hochgerechnet knapp 12% der US-BürgerInnen, die den Mann unterstützen würden.

Bei den letzten Präsidentschaftswahlen gab es im Vorfeld ein halbes Dutzend RepublikanerInnen, die innerhalb kurzer Zeit das BewerberInnenfeld anführten – vom Pizzabaron Herman Cain, der über sexuelle Übergriffe in seiner Vergangenheit und über mangelndes Wissen über den Libyen-Konflikt scheiterte, über die Michelle Bachmann, die Erdbeben für Zeichen Gottes hielt, bis zum zurückgekehrten konservativen Revoluzzer Newt Gingrich, der eine Kolonie auf dem Mond errichten möchte. Sie alle waren in Umfragen in Führung, bevor sich schließlich doch der moderate Mitt Romney die Nominierung seiner Partei sichern konnte. Das wird auch dieses Mal so sein.

Aber Trump verschiebt mit seinem rassistischen und frauenfeindlichen Diskurs und der relativ großen Unterstützung innerhalb der Grand Old Party einmal mehr die Grenzen dessen, was in der einst staatstragenden republikanischen Partei möglich ist. Trump verschiebt den Diskurs so, dass andere Radikale wie Ted Cruz oder Rick Santorum daneben fast harmlos wirken. Das verschiebt das Pendel innerhalb der RepublikanerInnen weg vom bis vor Trumps Umfrageerfolgen favorisierten Jeb Bush hin zu Kandidaten (!), die noch stärkere konservative Programme fahren wollen. Von Trump profitieren etwa der junge Senator Marco Rubio aus Florida, der sich unter Hervorheben der kubanischen Fluchtgeschichte seiner Eltern als republikanischer Obama zu positionieren versucht oder der Gouverneur des eher liberalen Minnesota Scott Walker, der bereits mehrfach bewiesen hat, dass er auf tendenziell demokratischem Terrain mit vehementen Attacken auf den öffentlichen Dienst und auf die ArbeitnehmerInnenrechte zu gewinnen vermag. Und letztlich können sich die DemokratInnen die Hände reiben: Denn in einem Land, in dem sich 48% mit der Partei des Präsidenten und nur 39% mit jener der republikanischen HerausfordererInnen identifizieren, ist ein Rechtsruck innerhalb des GOP-KandidatInnenfelds das beste, was der schwächelnden Hillary Clinton passieren kann.

Wer jetzt beginnen will, sich ins komplizierte US-Wahlsystem einzulesen: Hier erkläre ich den durchaus skurrilen, aber sehr spannenden Vorwahlmodus der beiden etablierten Parteien. 

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