rechte gewalt

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In Oberwart sterben in der Nacht von 4. auf 5. Februar 1995 vier junge Roma nach einem feigen Anschlag. „Roma zurück nach Indien“ steht auf einer Plakette, die neben den Leichen gefunden wird.

Die Debatte um die unnötige Gewalt bei der großteils friedlichen Demonstration gegen den Burschenschafter-Ball in der Hofburg hat mich etwas ratlos hinterlassen. Die Empörung über die paar zerstörten Fensterscheiben ist legitim. Aber ich wünsche mir diese Empörung in entsprechend größerem Ausmaß bei wirklich gefährlicher Gewalt. Denn ein Problem haben wir in diesem Land nicht mit als links titulierter Gewalt, sondern mit rechter Gewalt. Und zwar mit rechter Gewalt gegen Menschen. Die kommt nicht von ungefähr, sondern wird von jenen bedient, die gestern das Tanzbein geschwungen haben. Ein Auszug daraus.

Juni 2008: In Klagenfurt wird in einem Asylheim ein Brand gelegt. Ein Bewohner springt in Panik aus einem Fenster in den Tod, 19 weitere BewohnerInnen werden zum Teil schwer verletzt. Die Polizei geht zunächst davon aus, dass sich Zigarettenstummel entzündet hätten. Erst eineinhalb Jahre nach dem tödlichen Anschlag machen Gutachten klar, dass im Haus Spuren von Brandbeschleunigern gefunden wurden und es sich demnach um einen gezielten Anschlag handle. Die TäterInnen werden nie gefasst.

August 2010: Vor einem Wohnhaus in Wien-Brigittenau werden wiederholt Mülltonnen angezündet, „hier leben bald tote Tschuschen“ steht auf einer Wand im Erdgeschoss. Eine Bewohnerin bekommt wiederholt Briefe mit Morddrohungen.

September 2010: Unbekannte zünden um 1.40 Uhr in der früh einen Sprengkörper an der Eingangstür eines Asylheims in Graz. Die 35 BewohnerInnen bleiben unverletzt, der selbstgebastelte Sprengkörper hätte aber laut ErmittlerInnen schwere Verletzungen verursachen können.

Jänner 2011: Drei Jugendliche werfen eine Brandbombe in eine Moschee in Kufstein. Der Brand löscht sich von selbst, so dass der im Obergeschoß schlafende Imam unverletzt bleibt. Die drei Täter werden ausgeforscht und der rechtsextremen Szene zugeordnet.

April 2011: In Linz brennt ein Asylwerberheim aus. Die 20 BewohnerInnen können gerettet werden, die Ursache des Brandes bleibt ungeklärt.

Mai 2012: Drei Molotow-Cocktails fliegen in Vintl in Südtirol auf den Balkon eines Asylheims. Die 20 großteils nordafrikanischen Flüchtlinge bleiben unverletzt.

Jänner 2013: In Bad Leonfelden in Oberösterreich wird eine Fassade eines Hauses mit Eiern beschmiert, Fenster werden zertrümmert, die BesitzerInnen sind mit anonymen Drohanrufen konfrontiert. Der Grund: Sie wollen das Gebäude für die Unterbringung von Flüchtlingen an die Caritas vermieten.

Jänner 2013: In Batschuns in Vorarlberg werfen zwei junge Männer einen Molotow Cocktail auf die Fassade eines Flüchtlingsheims. Die 23 InsassInnen [eine aufmerksame LeserIn fragt mich, ob ich mit „InsassIn“ insinuieren will, dass es sich um Eingesperrte handle. Ich lass das hier so stehen, zum Nachdenken] bleiben unverletzt.

Juni 2013: Im islamischen Kulturzentrum „Masjidul Falah“ im 20. Wiener Bezirk wird an mehreren Stellen Feuer gelegt. Die Vereinsmitglieder gehen von einem rassistischen Angriff aus, da sie regelmäßig mit Drohungen konfrontiert sind.

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4 Gedanken zu „rechte gewalt

  1. danke für diesen kommentar! muss mir in letzter zeit auch oft an den kopf greifen, wenn da gebetsmühlenartig von der gewalt von links geredet wird, während bei brennenden asylheimen meistens der politische bzw. rassistische hintergrund anzweifelt wird.

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