die sache mit dem fickmich-blick

Vü besser tat’s ma gehen, wenn du di a wengerl zu mir legen tatest“ hat ein Patient zu einer Freundin von mir gesagt. Sie arbeitete im Rahmen ihrer Ausbildung in Krankenhaus. Darüber hat sie sich noch weniger geärgert, als über den Oberarzt, der ihr einen Unterwäschekatalog mit dem Kommentar „auf Seite 17 warat wos fia di“ hingeknallt hat. Reizwäsche, fast durchsichtig, eh klar.

Bedanken darf sie sich, genau wie alle anderen Opfer sexistischer Verbalgewalt, unter anderem bei Hirter & Co. Das unsägliche Nackerten-Plakat ist genau wie die noch blödere TV-Werbung nicht nur einfach dumm. Es degradiert Frauen zu Objekten männlicher Begierde und sexueller Fantasien. Dass sich die Kärntner Brauerei auch noch rühmt, mit dem Plakat weibliche Zielgruppen ansprechen zu wollen, ist das Sahnehäubchen auf dem Skandal. Von Vergewaltigungen und sexuellen Übergriffen hat wohl auch „market“-Chef Beutelmeyer, der die Proteste der Wiener SPÖ für „nichts als heiße Luft“ hält, noch nie gehört. Der „Standard“ ist sich nicht zu blöd, „SPÖ nimmt sich Bierwerbung zur Brust“ zu titeln und die Frauenstadträtin zur Amme zu machen. In seinem Kommentar liefert Redakteur Michael Möseneder die älteste aller männlichen Erklärungen zum Sexismus-Vorwurf: Es gebe doch ganz andere Probleme, die Frauen sollen sich nicht so aufregen.

Na klar ist die boomende Porno-Industrie mit all ihren Gewaltfantasien und der geballten Verdinglichung von Frauen übler, als das sexistische Plakat von Hirter oder jene der Jungbobo-Prolos von der Wiener JVP. Die Pornos hängen aber auch nicht tausende Male auf Großflächen-Plakaten in Österreich herum. Dadurch lernen nämlich auch Kinder und Jugendliche rechtzeitig: Eine nackte Frau ist so was, wie ein Bier. Hirter trinken ist sexy, weil nackte Frauen mit Schlafzimmerblick Hirter anbieten. Und umgekehrt: Frauen kriegt man so leicht, wie ein Bier. Und nein sagen tun weder Bier, noch Frauen.

Nicht nur, dass Hirter & Co. mit freundlicher Schützenhilfe männlicher „Standard“-Redakteure und männlicher Meinungsforscher die Kampagne mit dem Fickmich- Blick weiterfahren können. Sie werden auch noch vom Sexismus-Vorwurf reingewaschen. Ein Sexismus, der sich in letzter Konsequenz auch gegen Männer wendet. Weil solche Werbung die permanente Unterstellung beinhaltet, dass Männer nur mit Nackerten und machoiden Frauenklischees zu reizen sind – egal, ob’s um ein Bier, eine Uhr oder wie bei der JVP um Wahlwerbung geht.

Mir fällt dabei meine Freundin aus dem Krankenhaus ein, die ihr Leben lang damit zu kämpfen haben wird, dass sie als Frau diskriminierende Sprüche anhören müssen wird. Und mir fallen Männer ein, die ihre Frauen und Freundinnen nach übermäßigem Alkoholkonsum verprügeln, weil die einen Volltrunkenen nicht wahnsinnig erotisch finden. Denn auch das ist ein Resultat davon, wenn Frauen öffentlich als reine Sexobjekte diskreditiert werden.

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5 Gedanken zu „die sache mit dem fickmich-blick

  1. Na, wie bin ich wohl überhaupt hierher gekommen? Klar, schämen müsste ich mich, denn das Wort „Fickmich-Blick“ hat bei diesem Beitrag soviel Anziehungskraft für Männer, wie das völlig zu recht inkriminierte Plakat oder die Bierwerbung. Bei WordPress landet man also mit sowas ganz weit oben im Ranking und in der Aufmerksamkeit. Machen sich nicht die Werbegestalter und Sie selbst mit diesem Beitrag auch nur diesen Effekt zunutze? Das Erschreckende ist doch eigentlich, wie triebgesteuert der männliche, aber wahrscheinlich auch der weibliche Blick ist. Verstehen Sie das nicht als Kritik an Ihrem Beitrag, aber der an mir selbst erfahrene Mechanismus war es, der mich zum Kommentieren veranlasst hat.

    Herzlichen Gruss

  2. In meinem Sprachgebrauch heißt das verharmlosend als „Schlafzimmerblick“ bezeichnete Schauen (siehe auch in meinem Beitrag weiter unten) Fickmich-Blick. Ich mein das nur im Gegensatz zu den Hirter-Werbern, die diese Blicke inszenieren, nicht aufreizend, sondern ablehnend. Eben so wie in diesem Fall, wo sich die Models wahrscheinlich nicht gedacht haben, jetzt schauen wir mal aufreizend – das wird ihnen schon ein (vermutlich männlicher) Fotograf angesagt haben.

    Aber ja – ich fänd’s spannend, zu wissen, wieviel (weniger) Hits der Post mit „Schlafzimmerblick“ statt FM-Blick gehabt hätte.

  3. danke für den beitrag. Wehret den Anfängen! Wenn Menschen öffentlich zum sexual Objekt degradiert werden wird die Verdinglichung salonfähig gemacht. Am Ende sind beide Geschlechter Opfer. Menschen werden einfach zum Objekt. Am Ende begegnen sich abgestumpfte Objekte wie Zombies. Der Schritt zu Gewalt ist nicht weit wenn man in einem Gegenüber kein Subjekt mehr erkennt. Nachfolgewirkungen von sexueller Gewalt sind leider oft auch, dass die Opfer im gegenüber kein oder kaum ein Subjekt mehr erkennen können, um sich zu schützen. Für mich fängt der fürchterliche Mechanismus von sexueller Gewalt schon bei zum sexual Objekt machenden öffentlichen Darstellungen an.
    Und bitte es sei nicht vergessen: Man darf den Einfluss von sexueller Gewalt auf unsere Gesellschaft nicht unterschätzen.Nicht nur das Individuelle Elend der Betroffenen. Denn Menschen die Opfer von sexueller Gewalt wurden, leider meist Frauen, werden die Mütter der Zukunft sein. Und leider sind die Schäden an der Seele meist gravierend…
    Wehret den Anfängen! Menschen sind sexuelle Subjekte und keine sexuellen Objekte!!!!!!!!

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