wo gibt’s das sonst?

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Screenshot: ORF TVThek, http://bit.ly/2pHD3Wl

Bemerkenswert ist das schon: Die Debatte der SpitzenkandidatInnen für die ÖH-Wahl ist schon lange die einzige Wahl, bei der es bei den stärksten Gruppierungen immer einen ganz hohen Frauenanteil gibt. Gestern standen in der von Armin Wolf moderierten Runde sogar vier Frauen der vier großen Fraktionen vier Männern von kleinen Fraktionen gegenüber.

Dass alle vier großen ÖH-Fraktionen – Grüne, Rote, Schwarze und Unabhängige – heuer Frauen an der Spitze in diese Sendung geschickt haben, ist kein Zufall. Und auch wenn ich beim besten Willen nicht mit allem d’accord bin, was jede einzelne zu jedem einzelnen Thema gesagt hat, war ich beeindruckt von der Professionalität der vier Kandidatinnen. Sie waren den Männern mit einer Ausnahme inhaltlich meilenweit voraus und rhetorisch deutlich überlegen.

Das hat auch was mit der politischen Kultur in den Jugendorganisationen zu tun. Ich komm aus der Aktion kritischer SchülerInnen (AKS), aus einer Organisation, in der Geschlechterverhältnisse ein Thema waren. Nicht nur in den spezifischen Workshops zu dem Thema, sondern auch in der Vorbereitung von Abendveranstaltungen und Aktionen, bei der Verteilung von Macht und von dem (wenigen) Geld, das die (wenigen) FunktionärInnen als Aufwandsentschädigung bekommen. Ich hab das am Anfang nicht immer alles verstanden und es gab auch Widerstand bei jungen Männern, dass man dauernd über Gender reden muss und dass die Frauengruppe eigenes Geld und eigene Delegierte bekommt und wir Männer nicht. Diese Auseinandersetzungen und das Zusammenraufen waren notwendig, um zusammenarbeiten zu können und um gemeinsam auch in der Frage der Verteilung von Macht und Ressourcen als Frauen und als Männer emanzipatorisch auftreten zu können.

Ein Ergebnis dieser Politisierung der Organisation von innen und der Demokratisierung der Geschlechterverhältnisse ist, dass die sichtbare Vertretungsarbeit nicht-rechter Jugendorganisationen zunehmend von Frauen gemacht wird. Das ist gut, weil die Schule der Vertretungsarbeit unersetzlich fürs politische Weiterkommen ist und weil das alle Türen öffnet und weil immer noch viel zu viel Politik ausschließlich von Männern gemacht wird. Grad gestern bin ich in einem Ausschuss des Tiroler Landtags gesessen, in dem inkl politisches Personal, Verwaltungsspitzen und Schreibkräfte 29 Männer und 2 Frauen oder ohne Personal 14 Männer und null Frauen waren.

In diesem Sinne ist die gestrige ÖH-Debatte ein Hoffnungsschimmer in schwierigen politischen Zeiten: Nicht, weil Frauen qua Geschlecht dort hingesetzt worden sind. Sondern weil vier gute Spitzenkandidatinnen von den vier stärksten Fraktionen ein Unikum und ein Vorbild sind. Respekt!

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