der kleine feine riesige unterschied

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Es sind die kleinen feinen Unterschiede, die in der verkürzten Darstellungsweise komplizierter politischer Themen einen riesigen Unterschied machen können. Diese kleinen feinen riesigen Unterschiede sind wichtig in diesem Land Europa. Denn die Gauner, die ganz große Sauereien planen, schreiben diese großen Sauereien ganz klein in eine Fußnote oder verweisen in einer eckigen Klammer auf Seite 427 darauf, dass es da übrigens noch ein Dokument gibt, in dem alles genauer beschrieben ist. Ob jemand rechtzeitig seine Nase in diese Papiere steckt und die kleinen feinen riesigen Unterschiede findet, kann für die öffentliche Hand Millionen und Abermillionen wert sein.

Der Spürhund, den ich gerne auf die transnationalen Verträge ansetzen möchte, die schwarze und pinke Neoliberale gerne abschließen möchte, hat aber nicht nur ein scharfes Auge fürs Kleingedruckte, sondern auch für andere kleine feine riesige Unterschiede. Folgendes fällt in den TV-Debatten auf: Wenn immer über das TTIP und über die Ukraine gesprochen wurde, waren die „Ameriganer“ die Bösen. Bei denen, die noch nicht über die Normandie hinweg sind, ist das wenig überraschend. Aber auch die sogenannten Volksparteien haben sich nicht entblödet, trotz gegenteiligen Verhaltens bis vor dem Wahlkampf, vor dem Herabsenken der europäischen Sozial- und Umweltstandards auf amerikanische Standards zu warnen. Europa im Abwehrkampf gegen die Amis. Aber halt, da war noch was Anderes.

Wenn immer ich Michel Reimon über das Freihandelsabkommen reden gehört und gelesen habe, klang das ein bißchen anders. Michels Warnung lautet, sich nicht gegenseitig die hart erkämpften Standards herunterzuräumen. Der grüne EU-Kandidat hat von einer vehementen Anti-TTIP-Kampagne der amerikanischen Linken erzählt und vor der Sorge in den USA, ob denn alle europäischen Lebensmittel für den US-Markt geeignet sind und was dann mit den Mindestlöhnen passiert, die es vor allem in den nordöstlichen US-Staaten im Gegensatz zu vielen Staaten Europas gibt.

Für die meisten VerkürzerInnen verläuft die Grenze im Kampf um gute Lebensmittel und hohe Sozial- und Umweltsstandards im Atlantik. Für Michel Reimon verläuft die Grenze zwischen Industrielobbies und ArbeitnehmerInnen- und KonsumentInnenschutz, und zwar hüben wie drüben. Stimmt schon: unterm Strich wollen die meisten Menschen keine Unterminierung ihrer Lebensstandards durch Freihandel. Und zwar wurscht, wo da welche Grenze verläuft.

Aber dass nicht in unserem Land die Guten und wo anders die Bösen sitzen, sondern dass es da wie dort solche wie solche gibt – das ist bei einer Wahl, bei der vordergründig fast alle gegen Nationalismus antreten, ein zentraler Unterschied in der Analyse. Und zwar nicht nur in jener zum Freihandelsabkommen TTIP, sondern auch bei der sich aufdrängenden Frage um den Frieden in dieser Union und an ihren Außengrenzen. Weniger überraschendes Ende der Geschichte über kleine feine riesige Unterschiede: Ich wähl Michel.

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Ein Gedanke zu „der kleine feine riesige unterschied

  1. Hallo Paul: ein ausgezeicneter Beitrag, als akademische Seminararbeit macht der sicher Furore. Trotzdem fällt mir bei solchen geistigen und inetlektuellen Beiträgen immer der gute alte Geheimrat aus Weimar ein, der seinen Faust sagen lässt „Grau ist alle Theorie….. Und der Geheimrat aus Weimar kannte beide Seiten – die des aufgeklärten Theoretikers und die des Ministers

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