gemach, gemach

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Beatrix Karl hat sich gestern im ZIB-Auftritt, der ihr hoffentlich ihren Job kosten wird, nicht nur im Ton vergriffen. Beatrix Karl hat offenbart, wie sie offenbar tickt. „Strafvollzug ist nicht das Paradies.“ So kann eine Ministerin nicht reagieren, wenn im Verantwortungsbereich ihres Ministeriums ein 14jähriger brutal vergewaltigt wird. Es erinnert frappant an den Krone-Reaktionär Michael Jeannée: „Wer alt genug zum Einbrechen ist, ist auch alt genug zum Sterben„, hatte der 2009 getextet, nachdem ein 14-jähriger in Krems bei einem nächtlichen Einbruch im Supermarkt von der Exekutive erschossen worden war.

Heute macht ein im großen Ärger verfasster Kommentar von Michael Hufnagl vom „Kurier“ in den Social Media die Runde. In 90% seines Kommentars trifft der Autor auch meine Wut über die Ministerin.

Was ist das für eine Ministerin, die wiederholt von einem („mehr als bedauerlichen“) Einzelfall spricht und dabei die vielen gegenteiligen Fakten verdrängt? Was ist das für eine Ministerin, die im Stakkato ihrem grandios verbesserten System huldigt und dabei völlig die Betroffenheit aus den Augen verliert (sogar die gespielte)? Was ist das für eine Ministerin, die sagt „Strafvollzug ist kein Paradies“ inklusive „Die Zustände waren noch nie so gut wie jetzt“ und uns damit Ansätze von „Selber schuld“ suggeriert? Die hinter der Maske von Erklärung und Rechtfertigung so viel Zynismus und Verachtung verbirgt?

Einspruch. Ich habe einen einzigen, aber wie ich finde wichtigen Einspruch gegen den Kommentar: Michael Hufnagl fragt die „NLP-Marionetten und Parteiroboter“ ob sie „wirklich nicht mehr Ihr selbst“ sein können, wo ihr „Herz, Empathie, Sensibilität, Ehrlichkeit, Gewissen und ihre Emotion“ sei und wo die „Seelenhygiene“ der PolitikerInnen aufgehört habe. Hufnagl weiter:

Ja, ich verallgemeinere. Ein Effekt, den ich mir ausnahmsweise gestatte.
Denn Beatrix Karl ist kein Einzelfall. Aber ihr Auftritt war so entlarvend, dass mir mitunter richtig übel wurde.

Alles Gauner? Abschließend fordert der Autor „die Politikerinnen und Politiker“ auf, sich einen Spiegel zu kaufen und sich anzuschauen. Im ganzen Text kommt kein einziges anderes Beispiel vor, dass belegt, welche anderen PolitikerInnen ein ähnlich furchtbares Bild abgeben, wie die Justizministerin in der gestrigen ZIB 2. Wenn Beatrix Karl „kein Einzelfall“ ist, muss ein Text, der aus dem berechtigten Ärger über eine Politikerin eine solche Generalwatschen an die ganze politische Klasse austeilt, Belege für die Verallgemeinerbarkeit der These von den „NLP-Marionetten und Parteirobotern“ liefern.

Wer sich so aufführt, wie Beatrix Karl, muss weg von der politischen Bühne. Gerade deshalb tut es 90% der PolitikerInnen unrecht, mit ihr in einen Topf geworfen zu werden. Es käme ja auch niemand auf die Idee, den zahlreichen anerkannten JournalistInnen, die Hufnagls Kommentar weiterverbreitet haben, den unsäglichen Michael Jeannée vorzuwerfen und wegen dessen menschenverachtendem Zynismus einen Stab über die gesamte journalistische Szene zu brechen.

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