die österreichische lösung: rufmord vor dienstantritt

Würde das nicht viel mehr ÖsterreicherInnen interessieren, als Bankenpakete, Steuergesetzgebung und Fremdenrechtspakete, könnte man ja ein Philosoph bleiben und schweigen. Aber der Wind, der dem neuen österreichischen Fußball-Nationaltrainer entgegen bläst, ist mir nicht mehr gleich. Vorneweg: Ich bin kein Fußball-Experte, da gibt’s andere wie Tom Schaffer, der hier über den neuen Trainer bloggt, demnächst gibt’s sicher auch was bei Martin Blumenau.

 Aber der Rufmord vor Dienstantritt, das ist schon was ganz spezifisch Österreichisches. Die gesamte ÖFB-Elite, deren wesentliche Leistung darin besteht, vor 34 Jahren nach dem eigenen Ausscheiden bei der WM die Deutschen mit nach Hause genommen zu haben und seit dem dreimal im Jahr Cordoba nachzusumsen, ist aufgebracht und richtet über die üblichen verdächtigen Boulevardmedien aus, dass sie traurig über die nicht-“österreichische Lösung“ in der Teamcheffrage ist. Dass sie mit „österreichische Lösung“ entweder sich selbst oder einen ihrer engsten Haberer meinen, versteht sich von selbst. Über die „Schande von Gijon“, bei der sich die gleichen Protagonisten 80 Minuten lang ein Nicht-Fußballspiel lieferten, weil mit der knappen deutschen Führung beide weiter waren und so Algerien aus dem Turnier schmissen, schweigen die Anti-Helden naturgemäß. „Ich weiß nicht, was man will, wir sind qulaifiziert“, sagt Hans Krankl damals. „El Anschluss“ haben die Spanier das Skandalspiel lustigerweise genannt, Robert Seeger hat damals die ORF-ZuschauerInnen aufgefordert, den Fernseher auszuschalten. Aber über solche Dinge redet man ja in Österreich nicht.

Lieber hauen die Haberer von damals jetzt dem daherg’laufenen Schweizer verbal ein paar gerade Rechte rein. Dass der daherg’laufene Schweizer im Gegensatz zu allen „österreichischen Lösungen“ außer Kurt Jara Bundesliga-Trainer-Erfahrung hat, dass er im Gegensatz zu gar allen „österreichischen Lösungen“ zwei gerade Sätze in eine Kamera sagen kann, dass er nicht verhabert ist mit den alten ÖFB-Haberern ist und nicht mit den aktuellen Bundesliga-Kaisern und dass er ohne Rücksicht auf Verluste nominieren kann, wen er will und spielen lassen kann, wie er will – das scheint mir als Laie dann doch irgendwie vorteilhaft.

Als Laie erinnere ich mich auch noch daran, wer österreichische Clubs auf die europäische Bühne geführt hat: Otto Baric und Ivica Osim. Und wer das letzte österreichische Tor bei einer Großveranstaltung geschossen hat: Ivica Vastic. Warum weinen wir dann eigentlich nicht der „kroatischen Lösung“ nach?

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2 Gedanken zu „die österreichische lösung: rufmord vor dienstantritt

  1. Weiß nicht ob der letzte Satz zusammenfassend für den Absatz gemeint war oder nicht, aber Ivan Osim ist Bosnier. (Und Baric hatten wir schon mal und Vastic ist kroneernannt zum echten Österreicher) 😉

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