die würde des menschen ist antastbar

„Wenn die Juden mit der ÖBB gefahren wären, wären sie heute noch nicht in Auschwitz.“ Und, bleibt Ihnen das Lachen im Hals stecken? Mir schon, als ich die Debatte über diese aus „Willkommen Österreich“ herausgeschnittene Sequenz von Stermann und Grissemann gelesen hab. Ich mag die beiden, sie stehen nicht im Verdacht, Antisemiten zu sein. Aber sie stehen unter Quotendruck, wie alle anderen auch. Und der Quote schadet so eine Diskussion natürlich nicht.

Ich find übrigens, man darf diesen Witz machen. Er ist geschmacklos, er ist eine Verhöhnung der Opfer aus den Jahren 43-45, er ist der Intelligenz der beiden Kabarettisten nicht angemessen. Aber es wäre absurd, so etwas staatlich zu sanktionieren. Trotzdem: Das ist eine völlig andere Frage, als jene um die Zensur im ORF. Den Witz sollen Pro7 und ATV senden, wenn ihnen nichts weniger Blödes einfällt. Die sind nur sich selbst verantwortlich, solange sie keine Gesetze brechen. Aber der ORF ist ein öffentliches Unternehmen, das wir alle mitzahlen – ob wir wollen, oder nicht. Und zwar nicht nur über die GIS, sondern auch direkt über Steuern. Fast 500 Mio. Euro im Jahr machen diese beiden Posten aus, deutlich mehr als die Werbung mit knapp 300 Mio. Euro.

Ein Unternehmen der Republik trägt auch Verantwortung für die Republik. Es ist die Republik, die auf den Trümmern des Zweiten Weltkriegs aufgebaut wurde. Es ist die Republik, die gezwungenermaßen das „Nie wieder“ in ihre Gründungstexte aufgenommen hat. Es ist die Republik, die spät aber doch, in Worten 1991 durch Kanzler Vranitzky und in Taten ab 2001 durch Kanzler Schüssel Verantwortung für die Gräueltaten des Nationalsozialismus übernommen hat. Diese Republik trägt auch Verantwortung dafür, dass in einem von der Öffentlichkeit finanzierten Fersehsender die Würde der Opfer von Auschwitz und ihrer Kinder und Kindeskinder nicht verletzt wird.

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2 Gedanken zu „die würde des menschen ist antastbar

  1. abgesehen davon, dass ich nicht glaube, dass dieser schmäh eine verhöhnung der opfer der shoah ist, sondern ein recht billiger kalauer (also genau das kerngeschäft von stermann&grissemann), bin ich nicht sicher wie ich das verstehen soll: „Ein Unternehmen der Republik trägt auch Verantwortung für die Republik.“
    ich stell mir den orf idealer weise als medienunternehmen vor, dass der österreichischen republik mit genauso viel distanz gegenüber steht wie der islamisch iranischen.

  2. es steht dir natürlich frei, das nicht als verhöhnung zu sehen. ich hab nur meine sichtweise geschildert. das unternehmen der republik trägt in der form verantwortung, in der es auf die historische rolle des vorgängerstaats dieser republik bedacht sein muss. das drückt sich ja schon in der komplizierten struktur mit stiftungsrat und publikumsrat und so weiter aus – die macht über den ehemals staatsmonopolistischen sender muss verteilt sein die checks and balances müssen stimmen. und daraus resultiert nach meinem verständnis auch, dass da zum glück rechtzeitig jemand war, der gesagt hat, wir strahlen diesen witz auf dem rücken der opfer dieses staates nicht aus.

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