wahlnachts-guide # 1: ab ein uhr früh geht‘s ab

Ein erster Wahlnacht-Guide für die US-Wahl in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch. Wer das noch nie gesehen hat: das ist völlig anders als bei uns. Da kommen laufend Teilergebnisse rein, die dauernd im Stil von Börsenzahlen unten oder auf der Seite an den Bildschirmen entlanglaufen. Gleichzeitig stehen KorrespondentInnen in und vor Wahllokalen, befragen Leute und sagen, was sie beobachten können.Ich empfehle CNN oder einen der anderen großen Sender wie MSNBC. Wer‘s republikanisch mag, muss Fox News einschalten. CNN haben viele österreichische Kabelanbieter auf einem hinteren Sendeplatz dabei. Es bieten aber auch alle großen Sender Livestreams an.

Zwei Dinge vorweg: wir werden nach der Wahl noch mehrere Wochen kein offizielles und komplettes Wahlergebnis haben, weil manche Staaten wochenlange Fristen zum späteren Ankommen von Wahlkarten haben. Und – und das merke ich unten eh explizit mehrmals an – wenn irgendwo lange Schlangen stehen, die zu Wahlschluss noch nicht gewählt haben, dann wird normalerweise gewählt, bis alle dran waren. So lange aber noch Menschen wählen, veröffentlicht der Staat keine Ergebnisse. Also: wenn in Miami zwei Stunden länger gewählt werden muss als ursprünglich vorgesehen, verzögern sich alle Florida-Ergebnisse um zwei Stunden.

Also, anschnallen: 

Um 1 Uhr unserer Zeit schließen die Wahllokale in Georgia. Bereits seit zwei Wochen werden dort Wahlkarten gezählt, nach dem 3. November ankommende Wahlkarten werden nicht mehr gezählt. Es gibt also – vorausgesetzt es stehen nicht noch lange Schlangen bei Wahlschluss vor den Wahllokalen – bald nach 1 Uhr unserer Zeit erste Trends aus Georgia.

Auch um 1 Uhr schließt Indiana. Hier sind verzögernde Schlangen vor den Wahllokalen unwahrscheinlicher, dafür werden die Wahlkarten erst ab dem Wahltag gezählt. Und ebenfalls um 1 Uhr unserer Zeit schließt Kentucky. Hier wird mit einem enorm hohen Anteil von Wahltags-WählerInnen gerechnet. Das heißt, wir bekommen hier rasch nahezu vollständige Ergebnisse aus ganzen Bezirken. Die können schon klare Trends enthalten. 

Um halbzwei (1:30h) bekommen wir dann 70-80% des Wahlergebnisses aus dem Swing State North Carolina auf einen Schlag: denn hier ist der Briefwahlanteil sehr hoch und darf schon vorab gezählt werden. Auch hier gilt wieder: einen haushohen Biden-Sieg könnten wir schon an Detailergebnissen erkennen. Das alles passiert aber nur schon um 1:30h unserer Zeit, wenn keine Menschen mehr vor Wahllokalen in Schlangen stehen.

Um 2 Uhr müssen alle Bezirke von Ohio alle bis dahin eingelangten Briefwahlstimmen gezählt haben und die Ergebnisse veröffentlichen. Das gibt uns einen ersten Blick auf das Wahlverhalten im umstrittenen Mittleren Westen. Wir haben aber keine Vergleichszahlen zu einer Wahl, bei der 50-60% der Stimmen per Briefwahl abgegeben werden. Was hier helfen wird: wie liegen die Parteien im Vergleich zu den Umfragen bei BriefwählerInnen? Diese Trends geben sicher was her. Außerdem um 2 Uhr schließt South Carolina und droppt ebenfalls gleich die Briefwahlergebnisse. Wir haben zu diesem Zeitpunkt schon genug Zahlen, um auch Vergleiche zwischen den verschiedenen Ergebnissen anzustellen. Zum Beispiel aus Virginia, das ebenfalls um 2 Uhr schließt. 

Florida, die Mutter aller Swingstates, schließt ebenfalls um 2 Uhr. Und da könnte es besonders schnell gehen, weil die vor dem Wahltag angekommenen Wahlkarten bereits gezählt sind und sofort zu Wahlschluss veröffentlicht sind. Eine Einschränkung auch hier: wenn noch Schlangen vor Wahllokalen auf die Stimmaufgabe warten, wird das den gesamten Prozess verzögern. 

Und dann sind wir eh schon mitten drin und jede halbe Stunde schließen weitere Wahllokale. 

Was heißt das fürs Aufstehen: je klarer die Wahl ausgeht, desto früher haben wir klare Hinweise. Das kann schon kurz nach 1 Uhr sein, wenn die ersten Zahlen aus Georgia ein sensationelles DemokratInnen-Ergebnis zeigen sollten. Je knapper das Rennen wird, desto später bekommen wir Brauchbares. Wir wissen um halbdrei, ob Florida klar in eine Richtung geht oder knapp wird. Geht es klar in eine Richtung, ist der mutmaßliche Florida-Verlierer auch US-weit ganz schlecht dran. 

Also: vorschlafen nur bis 1 Uhr empfohlen. Ab da geht‘s ab.

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