an trumps rockzipfel

coattals

Was Trump in hohem Ausmaß schaden könnte & was es bei uns systembedingt nicht geben kann, eine verfassungsmäßige Garantie gegen die Message Control, ist das personalisierte Wahlrecht und das, was man in den USA „coattails“, („Rockzipfel“) nennt. 

In Missouri und in Arkansas, im tiefen Süden der USA aber ohne da machst du als Demokratin schon länger keine Meter mehr. Da sind zu wenige Schwarze und Latinx sowieso fast keine, da gibt‘s seit Bill Clinton kaum was zu holen – und der kam von dort. Aber 2008 war Barack Obama so stark, das er demokratische Senatskandidaten in Arkansas und Missouri an seinem Rockzipfel mit über die Ziellinie gezogen, in dem Senat geschleift und sie dort auch dringend für die Durchsetzung seines Herzstücks, der allgemeinen Gesundheitsversicherung, gebraucht hat.

Die blöde Sache am Rockzipfel ist nur, du kannst auch mit jemandem untergehen, an dessen Rockzipfel du hängst. Donald Trump hat jahrelang die weniger konservativen RepublikanerInnen mit der Drohung unter Druck gesetzt, er könne auch interne BewerberInnen für die Vorwahl der Partei organisieren und sie in den Vorwahlen gegen die republikanischen AmtsinhaberInnen an seinem Rockzipfel zum Vorwahl-Sieg bringen, wenn sich die AmtsinhaberInnen seinem Kurs widersetzten. Das erklärt das eigenartige Abstimmungsverhalten vieler Trump-kritischen RepublikanerInnen , denen das Hemd – das Amt – näher war als der Rock – ihre eigene politische Haltung.

Das umgekehrte Phänomen könnte jetzt aber Trumps politischer Sargnagel werden: ihn an seiner Seite zu haben, ist mittlerweile kein Trumpf mehr, sondern eine Last. Die Absetzbewegung aus reinem Eigeninteresse hat schon begonnen. Maines einst moderate, in den letzten Jahren erzreaktionär gewordene republikanische Senatorin Susan Collins, ist im Rennen ihres Lebens gegen die Demokratin Sara Gideon. Und sie hat angekündigt, nicht an Trumps Seite aufzutreten, selbst wenn er in ihrem Bundesstaat auftreten sollte. Und noch mehr: sie werde nicht gegen ihren alten Senatskollegen Joe Biden kampagnisieren und wen sie im Herbst wähle, damit habe sie sich noch nicht beschäftigt.

Iowas ebenso um ihr Amt fürchtende republikanische Senatorin Joni Ernst hat mit Trump gebrochen, was seinen Umgang mit Black Lives Matter betrifft, man müsse das Land jetzt zusammenbringen und nicht spalten, und verlangt von ihm, den Vorschlag der demokratischen Senatorin Elizabeth Warren umzusetzen, der das Militär beauftragt, alle nach Rassisten benannten Militäreinrichtungen umzubenennen. Und sogar Trumps zum Schoßhund gewordener Ex-Kritiker Lindsay Graham, ein nicht völlig sicherer zur Wahl stehender Senator aus South Carolina, hat wegen des Umgangs des Weißen Hauses mit Chefmediziner Dr. Fauci mit Trump gebrochen.

Und was tut das jetzt? Es macht nach jahrelanger fast blinder Gefolgschaft und Wiederholen der Trump-Botschaften eine völlig neue und eine sehr spannende Anti-Trump-Front in den Medien auf, wenn die Eigenen auf einmal öffentlich Kritik üben. Es ist zwar durchschaubar, warum sie es tun. Aber das tut der negativen Berichterstattung über Trump keinen Abbruch. Und die Geschichte ist auch auf der Metaebene gleich noch eine negative Geschichte: „offenbar distanzieren sich jetzt schon die eigenen Leute vom wahrscheinlichen Loser Trump“ ist auch nichts, was dir hilft, wenn du eh schon bei unter 40% Zustimmung herumkriechst. Heute kommen Umfragen aus dem 2. Bezirk von Kansas, den Trump mit 20% Vorsprung gewonnen hat, bei dem der GOP-Kandidat Kopf an Kopf mit der demokr. Herausfordererin liegt, einer Latina in einem Bezirk mit 3,8% Latinx-Bevölkerung. Der Republikaner wird sich sehr gut überlegen, ob er mit Trump auftritt und seine Botschaften trommelt, oder ob er sich eher mehr oder weniger offen vom Präsidenten distanziert.

Die DemokratInnen setzen auf diesen Effekt, die zuversichtlicheren von ihnen wollen nicht nur Trump schlagen und den Senat und infolge den Supreme Court zurückerobert. Sie wollen die RepublikanerInnen in einen richtigen Richtungsstreit treiben, der sie auf Jahre schwächen könnte. Und das ist durchaus möglich. Denn wenn die DemokratInnen hoch gewinnen, dann sind nur mehr wenige republikanische AmtsinhaberInnen übrig – und die kommen dann nur mehr aus tiefstrepublikanischen Gegenden und sind für Reformen in die Mitte wahrscheinlich erst recht nicht zu haben. So weit reichen sie, die Rockzipfel. Möge es so ausgehen. Stay tuned!

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