wie man’s drehen kann

mindestsicherungtt

Tiroler Tageszeitung, 20.3.18

 

Ein schönes Beispiel zum monatelang gehätschelten Skandal-Liebkind der Rechten, zur Mindestsicherung, die mit sämtlichen Terror- und Katastrophenmetaphern von Flut über Welle bis Explosion bedacht wurde.

Die Anzahl der MindestsicherungsbezieherInnen in Tirol hat von 2014-2016 um weniger als 4% im Jahr zugenommen. Davon sind zuletzt 49% ÖsterreicherInnen, 2014 waren es noch 60% ÖsterreicherInnen. Das liegt aber nicht nur daran, dass jetzt ein paar mehr (unter 4% pro Jahr!) Menschen mehr Hilfe brauchen, weil sie nur mit ihrem Gewand und mit einem Rucksack 3.000 Kilometer und noch weiter geflohen sind. Nein, es liegt auch an einem Rückgang der österreichischen BezieherInnen der Mindstsicherung in Tirol.

2014 haben noch 9.132 ÖsterreicherInnen in Tirol Mindestsicherung bezogen, zwei Jahre später waren es ohne jede Kürzung (!) nur mehr 8.102 BezieherInnen, das ist ein minus von 11,3% oder: über 1.000 Menschen haben in den vergangenen beiden Jahren die Mindestsicherung als Sprungbrett in die eigene Berufstätigkeit und Erwerbsfähigkeit genützt. Etwas, worauf auch viele tausend nicht-österreichische MindestsicherungsbezieherInnen in Tirol jeden Tag warten.

Man kann aus diesen Zahlen zwei Geschichten drehen: „Ausländer fressen uns die Haare vom Kopf“ oder „Mindestsicherungsausgaben sinken und machen kurzfristig Mittel für Hilfe für arbeitssuchende Schutzsuchende frei.“ Ich tät wenn schon nicht aus Überzeugung, dann zumindest aus Realismus und wegen der Fakten zu Zweiterem tendieren. Auch wenn’s ein bißchen länger ist.

 

PS: Ein schlauer Follower auf Twitter hat mich darauf hingewiesen, dass man dem prozentuellen Anstieg an BMS-BezieherInnen auch noch die Bevölkerungsentwicklung gegenüberstellen muss. Die Tiroler Bevölkerung wächst 2014 um 0,9 und 2015 1,5%, für 2016 gibts noch keine Zahlen. Aber will man die 7,9% mehr BezieherInnen nicht absolut, sondern anteilsmäßig betrachten, muss man sie noch in Beziehung zu den wahrscheinlich fast 3% Bevölkerungswachstum im gleichen Zeitraum setzen. Dann landen wir statt bei 7,9% bei gut 5% mehr BMS-BezieherInnen im Jahr 2016 im Vergleich zu 2014.

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