mani pulite

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Am Tag der Salzburger Landtagswahl haben wir’s am frühen Nachmittag im Grünen Büro in Innsbruck schon kaum glauben können. Grüne in Radstadt von 4 auf 14, in Hüttschlag von 3 auf 11, in Bad Gastein von 2 auf 11 Prozent. Da war schon drei Stunden vor dem Schließen der letzten Wahllokale klar: Die enthusiastischen Berichte der WahlkämpferInnen, die von noch nie dagewesenem Zuspruch für die Grünen auf den Straßen der Landeshauptstädte und der Bezirksstädte erzählt haben, waren wahr. Am Ende des Abends standen nach Innsbruck die zweite von den Grünen eroberte Landeshauptstadt und sensationelle 20% landesweit auf der Haben-Seite. Jede/r Fünfte wählt Grün haben wir 2008 in Tirol angesagt. Die SalzburgerInnen haben’s geschafft.

„So eine Ausgangssituation kommt nie wieder.“ Ein Finanzskandal, in den Rot und Schwarz gleichermaßen verstrickt waren. Eine Spitzenkandidatin, die den prestigeträchtigen Vorsitz im U-Ausschuss per Los gewinnt. Der trockene Charme und die Natürlichkeit einer nicht zur Entstellung vercoachten Politikerin in einer Zeit, in der das Vertrauen in die althergebrachten PolitikerInnen auf Allzeit-Tiefststand ist. So eine Ausgangssituation kommt nie wieder, haben sie gesagt. Ihr Grüne habt abgestaubt, aber das war nicht eure Leistung, sondern das Versagen der anderen, haben sie gesagt. Die Glawischnig macht das nie, die kennen die Leute schon zu lange, als dass sie sie noch erfrischend fänden, haben sie gesagt.

So eine Ausgangssituation kommt wieder. Im Frühjahr haben sich ein paar sehr clevere Leute in Wien zusammengesetzt und ausgeheckt, dass die Grünen einen Anti-Korruptions-Wahlkampf machen müssen. Die USP der Partei ist nicht mehr ihr Wunsch nach einer progressiven Bildungspolitik oder nach einer ökologischen Wende, sondern das Fehlen jeglichen Korruptionsskandals – und das nach 10 Jahren Regierungsbeteiligung in Oberösterreich und der Beteiligung an mittlerweile 5 Landesregierungen vom Arlberg bis an die Enns, im früheren Korruptionsstadel am Wörthersee und in der Bundeshauptstadt. Heute fliegt der ÖVP ein Schwarzgeldkonto um die Ohren, aus dem Wahlkämpfe finanziert worden sein sollen. Die Büchse der Pandora ist offen: Jetzt ist das schwarze Reichsviertel gezwungen, auszupacken und ein rotes Schwarzgeldkonto aufzudecken. Es erinnert frappant an die Mozartstadt im Frühling.

Keine g’mahte Wiesen. Eva Glawischnig hat heute in der KanzlerInnenfrage erstmals Michael Spindelegger überholt. 2010 noch bei 3 Prozent, liegt sie heute auf Platz zwei bei 19%. Zwei kraftraubende, monatelange Sommertouren haben sich ausgezahlt. Die Grünen liegen in den Umfragen zwischen 14 und 16 Prozent. Viel fehlt nicht mehr zur wild um sich schlagenden FPÖ, die hauptsächlich mit jenen in den eigenen Reihen beschäftigt sind, die das Rad der Geschichte gerne 70 Jahre zurückdrehen würden. Entscheiden werden diese Wahl nicht die täglichen ZeitungsleserInnen und die regelmäßig über Innenpolitik diskutierenden Menschen. Entscheiden werden die Angfressenen und die Wütenden, die Ängstlichen und die mit der geballten Faust in der Hosentasche. Bei denen hat Grün aufgrund der blütenweißen Weste in Sachen Korruption eine Chance. Vielleicht eine Einmalige.

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