in your face, rabe!

Eine Mutter erklärt ihrer Tochter, warum Papi so wenig Geld heimbringt. Nicht etwa, weil er nach der Arbeit manchmal Bier trinken geht, sondern wegen der bösen Finanzministerin. Die nimmt ihm so viel Geld weg für Leute, die nicht arbeiten und für die Pensionen. Das klingt wie eine Geschichte aus den 60er-Jahren, als man noch darüber streiten musste, ob staatliche Sozialleistungen Sinn machen und als noch niemand außerhalb der Universitäten wusste, was Geschlechterstereotype sind und wie man sie am besten nicht weitertragen sollte. Ist es aber nicht: Die Geschichte kommt aus dem Mai 2011, vom Präsidenten der Tiroler Wirtschaftskammer Jürgen Bodenseer, der sich in der Tiroler Tageszeitung regelmäßig eine Kolumne unter dem Pseudonym „Der Rabe“ leistet und dabei mehr schlecht als recht Plattitüden wälzt.

Diese Woche hat sich Bodenseer selbst übertroffen. Mit einem Handstrich mit ein paar hundert Wörtern die wichtigsten Errungenschaften moderner Demokratien wegzuwischen, das ist eine Leistung. Eine Frau (die Gleichstellung von Frauen ist stärker, je höher die Staatsquote ist, also je mehr Steuern gezahlt werden) erklärt einer Tochter (der Bua tät ja sicher den Papi selber fragen), warum der Sozialstaat (von dem vor allem Tätigkeiten übernommen werden, die sonst Frauen unbezahlt leisten würden – von der Pflege bis zur Kinderbetreuung) schlecht ist.

Das ist echt die geballte Blödheit vom Schicki der Tiroler ÖVP. Aber noch schlimmer find ich, dass das wahrscheinlich Common Sense ist in seiner Partei ist, die ihr stetiges Schrumpfen mit Anti-Sozialstaats-Parolen stoppen will. Das wird in die Hose gehen, die vielbeschworene Mitte will nicht weniger Steuern zahlen, sondern adäquatere Leistungen vom Staat angeboten bekommen und weniger Protz und Prunk, wie ihn sich die ÖVP auf Kosten der SteuerzahlerInnen leistet. Bodenseer lädt auf seiner Homepage (Narziss ist ein armer Schlucker dagegen) dazu ein, die „Vielschichtigkeit seiner Persönlichkeit kennen zu lernen.“ Danke nein, es reicht schon.


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