privatschulleaks

So wie Supermarktketten privatisiert worden sind, müsse das auch mit den Schulen sein. Dann bestimme die Nachfrage der Eltern das Angebot, die Qualität werde steigen und LehrerInnen würden motivierter, weil sie leistungsspezifisch bezahlt werden könnten. Willkommen in Wien-Hietzing, willkommen bei den neoliberalen Anarchos, deren einzige Sorge ist, ob der Kaviar auch aus dem Asowschen und nicht aus dem Kaspischen Meer kommt. Willkommen in der Welt von Christian Ortner, der in der heutigen „Presse“ endlich wieder einmal so richtig hinhauen darf auf die öffentlichen Einrichtungen.

Ein Lehrer gefällig, der sich in der Stunde gerne mit den SchülerInnen über den Umfang und die Form von „Brüstchen“ unterhält und auf Schulreisen zu später Stunde nach viel zu viel Alkohol mit den Burschen auch mal die Vorzüge und Nachteile des Körperbaus der Begleitlehrerin erörtert? Einer, der in seinen Geschichtestunden die Vorteile des Nationalsozialismus diskutiert? Einer, der in die Duschkabine der verschämten 12jährigen Burschen kommt, die mit Badehose duschen gehen wollen und sie auffordert, sie mögen sich ausziehen, sonst werde er das tun (die Drohung dürfte reichen)? Einer, der mit Kreidestücken nach unaufmerksamen SchülerInnen wirft? Oder einer, der einem geschwätzigen Schüler mit dem Atlas auf den Hinterkopf schlägt? Einer, der bei seinen cholerischen Anfällen mit dem Schlüsselbund in Kopfhöhe nach den SchülerInnen schmeißt? Ein Geistlicher, der einen Schüler mit einem Faustschlag in die Magengrube in der Pause am Gang niederstreckt?

Die Antwort einer öffentlichen Schulleitung auf solche Vorfälle wäre klar: Meldung beim Landesschulrat, Strafverfahren, Versetzung der betroffenen Lehrpersonen. In einer Privatschule gilt: Sie kann sich ihre Lehrpersonen aussuchen. Sie kann sich auch ihre SchülerInnen aussuchen. Natürlich gilt auch in Privatschulen das Strafrecht. Aber wie oft hören PrivatschülerInnen oder die Eltern von PrivatschülerInnen, gegen solche LehrerInnen könne man nichts machen, denn sie wüssten zu viel über diskrete Schulinterna oder sind mit dem Direktor verwandt, verschwägert oder sonst irgendwie verbandelt? Wie oft bekommen aufmüpfige PrivatschülerInnen zu hören, sie mögen sich benehmen, sonst würden sie für Vergehen der Schule verwiesen, die in öffentlichen Schulen nicht einmal für eine Klassenbucheintragung leisten?

Die neoliberalen Anarchos wollen mehr solche Schulen? Ich nicht. Ich hätte sie gerne verstaatlicht. Zum Schutz der Kinder und der vielen guten LehrerInnen in solchen Schulen, die zähneknirschend zuschauen müssen, weil auch ihre Stellen von der Laune der Schulleitungen abhängen.

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