mannerschnitten und strache

Wenn ihnen jemand eine weniger g’schmackige Mannerschnitte anbietet, greifen Sie zu? Mit ein bißchen weniger brauer Füllung und hellbrauner Ummantelung? Oder bleiben Sie beim bewährten Produkt, das ihnen seit Jahrzehnten die gleiche „Qualität“ verspricht? Ja, die Antwort auf diese Suggestivfrage liegt auf der Hand. Sie bleiben bei der Mannerschnitte.

Und deswegen kann Mitzi Fekter noch so zynisch in die Kamera grinsen, wenn vier Tage vor der Wahl eine traumatisierte Familie von der Familienpartei zerrissen wird. Und deswegen kann Michi Häupl noch zehntausend weitere Sicherheitstruppen für U-Bahn, Gemeindebau und öffentliche Parks versprechen und Abschiebungen unterschreiben. Und deswegen kann der unsägliche SPÖ-Bundesgeschäftsführer noch 172 Mal betonen, dass sich die SPÖ jetzt aber wirklich der bösen Ausländer annehmen wird. Das alles wird nichts nützen, um die Rechten zu stoppen. Wer Strache die Themenführer(!)schaft übergibt, darf sich nicht über 27% wundern.Weil die echt braune g’schmackige Mannerschnitte besser schmeckt, als ihr blassbraunrötliches Abbild.

Ich sitz bei der Party der Wiener Grünen, wunder mich ein bißchen über die Gelassenheit angesichts der Ergebnisses und mir fällt nur Eines ein, was dem Wahnsinn in blau ein Ende bereiten könnten: Wenn die anderen Parteien statt Mannerschnitten nachzumachen etwas eigenes, etwas anderes anbieten würden. Wo ist die liberale Tradition der „bunten Vögel“ in der Wiener ÖVP, die einst in den 80er-Jahren die SPÖ-Absolute geknackt haben? Wo ist die antifaschistische Tradition der SPÖ, die von Flüchtlingen aus den 30er-Jahren zur hegemonialen Partei der 70er gemacht wurde? Und wo ist die radikal-aktionistische Tradition der Grünen, als wir noch nicht auf Mandate, BezirksvorsteherInnen und Regierungsbeteiligungen gespechtelt haben?

Rote Rote, schwarze Schwarze und grüne Grüne wären die Alternative zu 27% für die braunen Blauen. Wenn alle Mannerschnitten zu produzieren versuchen, wird die braunste aller Mannerschnitten gewinnen. Siehe Wien, siehe heute.

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2 Gedanken zu „mannerschnitten und strache

  1. Kotzt dich etwa die Ehrlichkeit mit der in Österreich der Faschismus in der Demokratie weiterlebt an? Erschwert es etwa die Verdrängung wenn eine FPÖ ausspricht was in Österreich Konsens ist? Die Grünen waren nie mehr als eine Gesinnungspartei; nach dem Staat rufen und für den Wald kämpfen. Dort wo sie mehr waren, nannten sie sich VGÖ. Mia haben vorgemacht wie es jetzt weiter geht.

  2. Pingback: „wiener lebensart“ und andere schnapsideen « querg'schrieben

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