tv-debatte #2: die vizes sind dran

So ist es auch dieses Mal. Dieses Mal wird alles anders sein, weil wir nicht wissen, ob es zwischen dem erkrankten Donald Trump und Joe Biden überhaupt noch eine Debatte geben wird. Es könnte also das letzte direkte Aufeinandertreffen der konkurrierenden Teams vor der Wahl sein. Und bei Präsidenten weit jenseits der 70 Jahre sind VPs natürlich auch spannend, weil die Wahrscheinlichkeit eines Nachrückens ins Weiße Haus wegen Amtsunfähigkeit des Präsidenten, höher ist. Und last not least: Wenn Trump/Pence gewinnen, ist Kamala Harris eine der HauptanwärterInnen auf eine Kandidatur 2024. Und das gleiche gilt umgekehrt auch. Vielleicht sehen wir hier sogar die erste Präsidentschaftsdebatte des Jahres 2024. Who knows.

Wer will heute Abend in Utah was erreichen?

* Mike Pence will heute Abend über die radikale Linke reden, über brennende Städte und über ein Amerika, das nicht mehr so ist, wie es einmal war. Er will die DemokratInnen als soft on crime und als soft on China porträtieren. Er wird dabei wahrscheinlich den nicht anwesenden Joe Biden angreifen, weil direkte Angriffe auf die sehr schlagfertige und gute Debattiererin Kamala Harris totale Bumerangs sein könnten. Er wird dabei sagen, dass die DemokratInnen in der Geiselhaft von Bernie Sanders, Elizabeth Warren und AOC sind. Er wird im Idealfall vor Kamala Harris das Thema Stabilität und Institutionen aufgreifen und davor warnen, dass die DemokratInnen zwei neue Staaten hinzufügen wollen (was stimmt) und offen lassen, ob sie das Höchstgericht aufstocken, um die Mehrheitsverhältnisse zu ändern (was stimmt). Pence könnte Verwirrung zu stiften versuchen, indem er Harris sehr harte Bilanz als Staatsanwältin aufgreift, wo von einer besonderen Verantwortung für Afro-Americans keine Spur war. Trump könnte die Affären und Affärchen, die demokratischen SenatskandidatInnen jetzt vorgeworfen worden – eine Vertuschungsgeschichte bei Sara Gidon in Maine und eine (konsensuale!) Affäre bei Cal Cunningham in North Carolina auf die nationale Bühne heben und damit Harris und den demokratischen SenatskandidatInnen zu schaden versuchen.

* Kamala Harris kann sich aussuchen, welches GewinnerInnenthema sie spielt. Sie kann Pence fragen, ob der Trumps persönliches Corona-Handling gut findet, wie man die Vorstellung der Supreme Court Richterin zur Coronaparty machen konnte. Sie kann den Corona-Chefverantwortlichen der Regierung selbst auf 210.000 Corona-Verstorbene ansprechen und in die Verantwortung nehmen. Sie kann Trumps (fast) nicht gezahlte Steuern wieder aufnehmen. Sie kann die republikanische Kritik an Trumps Stopp der Verhandlungen über ein Corona-Hilfspaket des Kongresses aufnehmen. Sie kann über die gefährdeten Errungenschaften des Supreme Court, vom Schwangerschaftsabbruchurteil Roe v Wade über die Gesundheitsreform bis zu den jüngst von zwei konservativen Richtern öffentlich bezweifelten Gleichstellungsmaßnahmen für homosexuelle Paare, reden. Das sind ausnahmslos Themen, bei denen die DemokratInnen die Mehrheit der öffentlichen Meinung auf ihrer Seite haben.

Pence wird über radikale DemokratInnen und über moderate RepublikanerInnen reden wollen (obwohl es beides kaum gibt). Harris wird über radikale RepublikanerInnen und moderate DemokratInnen reden wollen (was es beides haufenweise gibt). Pence wird im Stil und in seiner Art, vor allem weil alle Trump im Kopf haben, moderat und gelassen daherkommen und sich durch nichts aus der Ruhe bringen lassen. Harris muss also inhaltlich punkten. Eine Gefahr dabei: sie neigt dazu, charming sein zu wollen – das wird bei Pence überhaupt nicht wirken und das gibt dann ein sehr komisches Bild ab. Überhaupt: es gibt eine gewisse mediale Logik, die einen Pence-Sieg herbeisehnt, denn Trump ist eh schon weit hinten. Auch das muss man bei der Nachbetrachtung im Hinterkopf haben. Aber Harris ist eine sehr gute Debattiererin: sie hat in der Vorrunde der DemokratInnen ein Mal Joe Biden sehr beeindruckend vorgeführt.

Los geht’s wieder zur unmöglichsten aller Zeiten, um 3 Uhr Ortszeit.

ORF 2 überträgt live ab 2.55 Uhr.

Schaltet ein und diskutiert auch mit auf Twitter. Bis dann!

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