rezepte für hohe wellen im web

Bildschirmfoto 2013-02-24 um 23.07.24

„Internet-Tsunamis können direkt auf den Politikprozess wirken.“ „Heute steht jedem politischen Anliegen der Zugang zu einem weltweiten Kommunikations- und Distributionsnetzwerk zur Verfügung.“ „Internet-Tsunamis können das Kräfteverhältnis im Hier und Jetzt verändern, in dem sie die Deutungshoheit über einen Sachverhalt bzw. ein Thema herstellen.“ „Die Gesellschaft verändert sich zu einer agilen, themenbezogenen Protest- und Bewegungsgesellschaft.“ Die Einschätzungen der Twitter-“Tsunami“-Studie für den Einfluss von Social Media auf die Gesellschaft sind durchwegs positiv.

In den bisherigen drei Teilen dieser Serie hab ich versucht, aus der Twitter-“Tsunami“-Studie aus Frankfurt/Oder die Chancen und Gefahren der Vernetzung auf Social Media herauszuarbeiten. In Teil eins ging es um die veränderte Struktur von Öffentlichkeit, in Teil zwei um die Rahmenbedingungen für einen Twitter-“Tsunami“, in Teil drei um die Gefahren des Social Web in nicht-demokratischen Regionen der Welt.

Agenda Setting auf Twitter: So geht’s. Die 08/15-Anleitung für „wie das geht“, gibt’s zum Glück nicht, weil die demokratische Qualität von Twitter genau in der Nicht-Planbarkeit von ganz großen Debatten liegt. Was es aber sehr wohl gibt, sind Bausteine eines erfolgreichen Agenda Settings.

  • Kenne deine MulitplikatorInnen: Wer sind die stärksten Lautsprecher für dich? Die WortführerInnen bei den Themen, mit denen du auf Twitter vorkommen willst. Und wie findet man heraus, wer das ist? Schlagwortsuche reicht: Aus der lässt sich eine schöne Tabelle mit den wichtigsten MultiplikatorInnen erstellen. Wichtig dafür: Wie oft sind die MultiplikatorInnen selbst aktiv? Wie oft interagieren sie? Und wieviele FollowerInnen haben sie? Daraus lässt sich eine schöne Matrix erstellen, aus der du lernen kannst, mit wem du interagieren musst, um ein inhaltliches Profil aufzubauen. Wer es genauer wissen will, als mit der Schlagwortsuche, kann sich mit dem „Opinion Tracker“ helfen: der ist Meinungen auf der Spur und erspart bei dieser Recherche viel Zeit und Energie.
  • Kenne den Zeitpunkt: Drei Uhr in der früh können wir getrost vergessen. Aber es geht noch genauer. Auch, wann deine MultiplikatorInnen online sind und dementsprechend mitlesen, was außerhalb ihrer eigenen Timeline passiert, kannst du in die Matrix eintragen. So kannst du Hot Spots definieren, zu denen du die größte Chance auf die Verbreitung deiner Informationen hast.
  • Kenne deine FeindInnen: Auch die GegnerInnen deiner Anliegen sind natürlich mögliche MultiplikatorInnen. Wer sich deren Accounts und deren Kommunikationsstrategien genauer ansieht, kann herausfinden, ob sie als MultiplikatorInnen geeignet sind und wie man sie dazu bringt, das zu tun. Prominentestes Beispiel in der österreichischen Politik: Heinz-Christian Strache.
  • Kenne den richtigen Ton: Twitter ist kein Medium für die nüchterne Verbreitung von Pressetexten. Jeder Tweet ist eine Übung in Zuspitzung, Verknappung und Teasing. Angeklickt wird nur, was sehr spannend, verrückt oder verkehrt klingt. Links völlig ohne Text sind übrigens nicht der Netiquette entsprechend, werden aber trotzdem häufig geklickt.
  • Kenne den Aufwand: Twitter ist kein Verlautbarungsorgan. Wer hier wie in einem „alten“ Medium kommuniziert und nicht bereit ist, auf kritische Fragen zu antworten, ist verloren. Neue prominente Twitterati – seien es Unternehmen, deren SprecherInnen oder PolitikerInnen – werden meist mit Fragen begrüßt, vor denen sie sich in der Welt der Print-Medien erfolgreich gedrückt haben. Wer also einen Twitter-Auftritt anstrebt, muss die Rahmenbedingungen klären: Gibt es die notwendigen Ressourcen zur Betreuung eines solchen Accounts? Ist das Unternehmen oder die Einrichtung bereit, einen Quantensprung in punkto Transparenz zu machen? Besteht der Wille zu einer Direktkommunikation mit BürgerInnen und KonsumentInnen, vor der man sonst eher zurückweicht?
  • Kenne die Chancen: Twitter wächst. Schon heute zwitschern zahlreiche österreichische SpitzenjournalistInnen, PR-Leute, ExpertInnen und andere MeinungsbildnerInnen. Auch wenn die noch so oft betonen werden, dass ihre Arbeit nicht von Twitter beeinflusst wird: Jeder Kanal, für den man offen ist, ändert die Wahrnehmung von Themen und speist andere Argumente in die Diskussion ein. Über 53.000 Twitter-Accounts sind aus Österreich eingerichtet, darunter 34.000 schreibende Twitterati, darunter auch viele “ganz normale” BürgerInnen.

Wer übrigens Sprechpuppen mag und auf gute Vorträge steht: In diesem schönen Beitrag von „Word of Mouth Marketing“  seht ihr, warum moderne Öffentlichkeitsarbeit im Web aus KundInnen Menschen machen muss.

Der Artikel ist zuerst auf dem Blog von datenwerk erschienen. 

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