biden vs trump – can’t be unseen

Es gibt zwei konfligierende Theorien dazu, welche Auswirkungen das haben wird. Ich habe eine klare Meinung, welche wahrscheinlicher ist, aber ich möchte beide erläutern.

1. Master Communicator: Donald Trump hat gezeigt, dass er die Bühne beherrscht und sich alle nach seinen Regeln verhalten müssen. Nicht nach den zuvor vereinbarten Regeln: Wenn Trump da ist, tanzen alle inklusive Moderator und Gegner nach seiner Pfeife. Er zeigt damit Stärke und das wollen die WählerInnen insgeheim: Einen Commander, keinen Moderator in Chief. Außerdem haben es Trumps „Argumente“ und Bidens Argumente an sich, dass die einen aus Einzeilern bestehen und die anderen ein bißchen komplizierter sind. Trumps Stil ist auf Schlagworte, der von Biden auf 15-20-Sekünder angelegt. Deswegen hat Trump gut daran getan, eine Debatte zu erzwingen, in der einander nur Überschriften entgegen geschmissen werden können. Trump hat seine Basis mit diesem Auftritt bis auf die letzte Person mobilisiert und die Politikmüdigkeit vieler Unentschlossenen so gestärkt, dass die nach 15 Minuten ausgeschalten haben und nicht zur Wahl gehen werden. Er hat ein Maximum an eigener Mobilisierung mit einem Maximum an gegnerischer Demobilisierung verbunden. Das war das beste, was er heute tun konnte.

2. Shut Up This Man: Donald Trump hatte heute einen Job: Bei den wenigen noch Unentschlossenen zu punkten. Das sind eher konservative, aber von Trumps Person und dem Extremismus der republikanischen Partei nicht überzeugte, WählerInnen. Ein wesentlicher Block davon sind formal mittel bis höher gebildete Frauen zwischen 30 und 60, ein anderer sind moderate bis konservative PensionistInnen. Viele von denen finden, dass ihnen ein ohnehin die meisten linken Politiken (Green New Deal, Abolish ICE, Defund the Police, Balance the Court) ablehnender Demokrat näher steht als ein extrem rechter und ungesitteter Republikaner. Ihnen hätte Donald Trump heute ein aktives Angebot machen können, wenn er wie ein gesitteter, moderater Republikaner mit klarer Abgrenzung zu den DemokratInnen, aufgetreten wäre. Er hätte sich das überraschte Etikett „presidential“ abholen können, mit ein bißchen Diskussionskultur. Statt dessen hat sich Trump dafür entschieden, seiner Basis gefallen zu wollen. Die wählt ihn aber sowieso. Donald Trump muss von seinem Rückstand von 8-10 Punkten US-weit mindestens die Hälfte aufholen, um wieder in Schlagweite der Präsidentschaft zu kommen. Das ist ihm heute definitiv nicht gelungen. Bidens entnervtes „Shut Up This Man“ nach 20 Minuten unterbrochen werden, trifft den Nerv vieler auch bisher unentschlossener WählerInnen.

Die beiden Sichtweisen zeigen: die wesentlichen Theorien zur Debatte kommen aus, ohne Joe Biden eine aktive Rolle zu geben. Das ist heute Abend auch nicht passiert. Das war eine Debatte über Trump, die Nachberichterstattung dreht sich fast ausschließlich um Trump. Das entspricht Trumps Habitus und seinem Narzissmus. Aber alle Daten zeigen: Trump muss das zu einer Debatte über RepublikanerInnen gegen DemokratInnen, über Green New Deal vs Good Old America, über die Person (nicht die Inhalte) der nominierten Höchstrichterin Amy Coney Barrett und über die Frage der Amtsfähigkeit von Joe Biden machen. Nichts davon ist passiert. Trump brauchte heute einen hohen Sieg, das war seine beste Chance. Ich sehe nicht, dass ihm das so gelungen ist. Ich sehe in Einklang mit Theorie 2, das Gegenteil davon.

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