integrationsproblem övp

Das Problem daran, dass die sogenannte Integrationsministerin heute eine Diskussion über sogenannte in Wiener Schulen entstehende Parallelgesellschaften anzieht, in vier kurzen Punkten:

1. Unsachlichkeit: Es gibt keinen augenscheinlichen sachlichen Grund, warum dieses Thema jetzt relevant sein sollte. Die alles entscheidende Bildungsfrage der nächsten Wochen ist: Wie lange und unter welchen Umständen können die Schulen in den nächsten Wochen offen sein? Und wenn wir sie wieder zusperren müssen, was bieten wir den Kindern ohne starke Struktur daheim an, damit sie nicht wieder ein halbes Jahr verlieren. Islam und Schule ist grad völlig wurscht. Eigentlich.

2. Machtmissbrauch: Gernot Blümel selbst missbraucht sein Amt als Finanzminister dieser Tage als Dauerabschussrampe von Schimpf und Schande nach Brüssel, bei dem es nur um eines geht: um eine möglichst getreue Nachahmung der FPÖ, deren Stimmen Gernot Blümel als Wiener Spitzenkandidat will. Und Susanne Raab schießt derweil aus dem Bundeskanzleramt verbal auf Ausländerkinder. Eines haben die Assistenzkräfte des Sebastian Kurz gemein: Sie missbrauchen ihre Ämter in stetem inhaltlichen Nacheifern des Heinz-Christian Strache für Wahlkampf auf einer anderen Ebene.

3. Medienkontrolle: Ich hab nur einen Teil der morgigen Bundesländermedien gesehen. Aber ohne, dass überhaupt länderspezifische Zahlen gezeigt worden wären, knallen die meisten Raabs Angriff auf die Ausländerkinder auf Seite 1, statt die Irrelevanz einzuorden. Endlich wieder ein Thema, bei dem sich die Redaktion schon auskennt und die LeserInnen auch. Und auch der ORF spielt zuerst in ZIB 1 und ZIB 2 Raabs Angriffe vor, der ZIB-Moderator fragt den Wiener Bürgermeister ausführlich zu diesem Nullthema. In der ZIB Nacht, die leider fast kein Mensch mehr sieht, kommt dann eine Wissenschafterin zu Wort, bei der im Vorbericht erstmals an diesem ORF-Abend die Geschichte hinter der Geschichte angedeutet wird: Nämlich, dass es Susanne Raab mehr um Gernot Blümels Chancen als Nachwuchsstrache gehen könnte als um die Ausländerkinder.

4. Verursacherprinzip: Kommenden Juni wird die ÖVP seit 10 Jahren für das Integrationsstaatssekretariat der Bundesregierung zuständig sein. Seit 10 Jahren verwendet sie es hauptsächlich als Abschussrampe für ausländerfeindliche Agitation gegen die Bundeshauptstadt Wien. Die Logik erklären die ja eh sämtliche KollegInnen aus dem Kurz-Orbit freiwillig: Wir bauschen Problemchen zu Seite 1-Themen auf und gewinnen Wahlen damit. Wie blöd wären wir, die Problemchen zu lösen. Und dank alleiniger Zuständigkeit in der Bundesregierung für die Trias Inneres-Integration-Bildung, besteht auch keine Gefahr, dass irgendwer anderer diese Problemchen lösen könnte, die wir doch für unsere Wahlkämpfe brauchen.

Judith Kohlenberger, die inzwischen als die Integrationsexpertin im angewandten österreichischen Wissenschaftsbetrieb gilt, hat in der angesprochenen ZIB Nacht übrigens auf Grundlage internationaler Studien die drei wichtigesten Maßnahmen genannt, mit denen man Kindern aus zugewanderten Familien, so diese Schwierigkeiten haben, bei ihren Schulleistungen helfen könnte: 1. Gesamtschule bis 14 Jahre, 2. zweites verpflichtendes Kindergartenjahr, 3. Lehrpersonal, das die Kinder auch in ihrer Erstsprache unterstützen kann. Drei Mal dürft ihr raten, wer seit 30 Jahren blockiert, dass diese Dinge endlich gemacht werden.

Ein Gedanke zu „integrationsproblem övp

  1. Jürgen Czernohorszky hat die Blümel’sche Hetze ja treffend mit nur einem Fragesatz kommentiert:
    „Wie tief kann man noch sinken“.
    Bravo!

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