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Alpbach hat die großen Namen, Hallstatt die großen Gedanken. Dreieinhalb Tage denken, ohne allzu viel digitale und urbane Ablenkung. An einem Rückzugsort aus dem großstädtischen Alltag, der so viele Gedanken nicht zu Ende denken lässt. In einer Oase in der Wüste des beruflichen Alltags, der viele politisch tätigen Menschen dauernd vor scheinbar alternativlose Nicht-Entscheidungen stellt.

Der diesjährige Momentum-Kongress, der heute zu Ende gegangen ist, hat mir neue Perspektive geöffnet. Da, wo ich nach einer Basisdemokratie-Diskusssion über die Gewaltenteilung, einen unverrückbaren Eckpfeiler bürgerlicher Demokratien, nachzudenken begann. Da, wo ein Kollege nebenbei anmerkte, die verfassungsmäßige Verankerung von inhaltlichen Politikzielen sei eine Verschiebung der politischen Gestaltung von der Legislative in die Judikative. Da, wo die exzellente Track-Leiterin Inken Wiese nicht aufhörte, zu fragen, an welchem Punkt Demokratiebewegungen ihren Ausgang nehmen und die These, InitiatorInnen solcher Bewegungen wären nicht die Prekarisierten selbst sondern jene, die Angst vor Prekarisierung haben, Raum bekam. Was mich in dieser Studie, die mir ein Freund vor Jahren ans Herz gelegt hat, nachlesen lässt. Und eine neue Perspektive auch da, wo Barbara Blaha in einer bemerkenswerten Eröffnungsrede den in der Politik allgegenwärtigen Populismus-Vorwurf als antidemokratisch enttarnt.

Freilich: Das ist ein sozialdemokratische, von der Sozialdemokratie finanzierte Veranstaltung. Das tut aber der Vielschichtigkeit keinen Abbruch, ganz im Gegenteil. Wann hat man schon einmal Gelegenheit, sich mit gewerkschaftlichen OrganizerInnen und Kabinettsangestellten, mit chavistischen Lateinamerika-Experten und keynesianischen MakroökomomInnen, mit versierten StudentInnenpolitikerInnen und mit universitären BetriebsrätInnen, mit pragmatischen ParteigängerInnen und mit lautstarken KritikerInnen derselben drei Tage lang an einem Generalthema entlang den Kopf zu zerbrechen?

Ich kann den Kongress wärmstens empfehlen. Von 17.-20. Oktober 2013 wird Hallstatt wieder zum Denkort. Die Abstracts werden irgendwann im April oder Mai fällig sein. Wer jetzt findet, da will ich nächstes Jahr dieses Mal aber wirklich hin: Hier gibt’s ein Instrument, das beim Erinnern hilft.

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