
Joe Biden musste Pennsylvania, die Städte Philadelphia und Pittsburgh mit Alabama dazwischen, gewinnen: Denn nach seinem ständigen Abstieg in den Umfragen hatte der scheidende Präsident nur mehr einen Weg ins Weiße Haus: Die von Trump niedergerissene und von Biden wieder aufgebaute „Blue Wall“, die drei Industriestaaten Pennsylvania, Michigan und Wisconsin, mussten wie 2020 bei Biden bleiben. Alle anderen gewonnenen oder fast gewonnen Staaten im Süden, waren außerhalb von Bidens Reichweite.
Der strategische Erfolg des Wechsels zu Kamala Harris mit Blick auf die Landkarte ist: Vier südliche Bundesstaaten – zwei mit starker schwarzer, zwei mit starker Latinx-Bevölkerung, sind wieder in Reichweite. Denn der Enthusiasmus bei genau diesen Gruppen, hat die Türe zu Georgia, Arizona, Nevada (alle von Biden 2020 gewonnen) und North Carolina (der knappste von Biden verlorene Staat) wieder aufgemacht.
Jetzt steht es in sieben Staaten mehr oder weniger 50:50 in den Umfragen – und es gibt folglich unzählige Varianten zum Erfolg und zu 270 Wahlleuten für beide. Wer damit herumspielen mag: http://www.270towin.com hat eine Landkarte, wo du mit wenigen Klicks die Mehrheiten schieben kannst.
Einig sind sich beide Kampagnen aber darin, dass Pennsylvania der schwierigste der drei „Blue Wall“-Staaten für Harris und Walz ist. Und jetzt gibt es zwar auch Wege für die Democrats, ohne Pennsylvania zu gewinnen. Aber ein Sieg dort wäre fast gleichbedeutend mit dem Einzug im Weißen Haus, weil eben ein paar Wahlleute mehr zu holen sind. Und weil die Annahme ist: Wenn die Dems Pennsylvania gewinnen, dann haben sie Michigan und Wisconsin ohnehin gewonnen und sind durch.
Und was tun sie dafür: Jetzt wird einmal der Vorgänger mobilisiert. Joe Biden ist erstmals offiziell mit seiner hoffentlichen Nachfolgerin unterwegs. Am Labor Day, dem ersten Montag im September, an dem offiziell die Einführung des Achstundentags und inoffiziell das Ende des Sommers gefeiert wird, treten Biden und Harris gemeinsam in Pittsburgh auf – dem zweiten großen Zentrum Pennsylvanias neben Philadelphia. Und je näher der Wahltag kommt, desto mehr wird auch der populäre Gouverneur Josh Shapiro wieder auf Wahlkampftour für Biden, Harris und für den Senatskandidaten Bob Casey sein. Und außerdem in Pennsylvania sind… Donald Trump und sein Vize JD Vance. Beide, bei getrennten Veranstaltungen, ebenfalls am Labor Day.
Wir werden nie herausfinden, ob der beliebte Gouverneur Shapiro als Harris Vize Pennsylvania von der Karte genommen und die Konzentration auf andere Gegenden ermöglicht hätte. Aber das Horrorszenario der Dems ist tatsächlich, nur wegen Pennsylvania zu verlieren. Dann werden nämlich alle sagen, dass der Joker auf dem Tisch gelegen wäre.
Schauen wir.