
Es ist so ein Ding mit Einschätzungen, welches Ergebnis psychologisch wozu führt & was wen legitimiert, in den Vorwahlen zu bleiben und so weiter.
Nikki Haley, die einzige verbliebene Herausforderin Trumps, hat heute Nacht in New Hampshire mit ca. 43% ein respektables Ergebnis gemacht. Aber sie braucht über 50% der Stimmen im Zweikampf mit Trump. Und New Hampshire war ihr demographisch und politisch bester Staat weit und breit. Niemand würde unter den gegebenen Umständen ernsthaft behaupten, dass Nikki Haley im Verlauf der 48 weiteren Vorwahlen eine Mehrheit der republikanischen Stimmen bekommen wird.
Aber das ist nicht die einzige Frage. Eine im Rennen bleibende Haley kann ihre Bekanntheit weiter steigern, sie kann durch ihre Positionierungen in aktuellen Fragen tatsächlich auch Einfluss auf den politischen Prozess nehmen und sie würde auch formal als einzige Kandidatin überbleiben, wenn Trump tot umfiele oder eines mit Amtsverbot belegten Delikts verurteilt würde.
Es gibt eine Schmerzgrenze nach unten – wenn du ultrapeinlich nur mehr abgewatscht wirst, dann musst du raus aus den Vorwahlen. Aber davon ist Haley momentan weit entfernt. Würde der Druck aus ihrem eigenen Flügel der Partei, auszusteigen, sehr groß – auch dann müsste sie raus. Aber da ist eher das Gegenteil der Fall: die wollen eine Alternative zu Trump auf dem Stimmzettel, auch und gerade in ihrem jeweils eigenen Bundesstaat.
Nikki Haley wird also die nächsten Wochen, in denen es ohnehin keine Vorwahl gibt, weiter durch Amerika ziehen und ihre Bekannt- und Beliebtheit jenseits der engsten Trump-Fanbase steigern.
Trump, der ehemalige Präsident, der vor vier Jahren einen gewaltbereiten Mob auf das Parlament gehetzt hat, um den friedlichen Prozess der Machtübergabe an seinen gewählten Nachfolger zu verhindern, ist der Kandidat der Mehrheit der Republicans. Und nach einem doch deutlichen Sieg mit 54% in einem nicht idealen Bundesstaat für ihn, kann man von deutlich höheren Siegen bei den nächsten Vorwahlen ausgehen. Sein Siegerimage ist damit ungebrochen.
Allerdings wird der Kontrast der wahlkämpfenden Haley und des im Frühjahr viel vor Gericht sitzenden Trump für das Image Trumps schmerzhaft sein. Jüngste Umfragen, immer alle mit Vorsicht zu genießen, sehen Joe Biden wieder im Aufwind – auch, weil die Wirtschafts- und Arbeitsmarktdaten in eine gute Richtung gehen.
Das war heute Nacht nicht Trumps Wunschergebnis. Er wollte einen hohen Sieg und damit maximalen Druck auf Haley, das Feld zu räumen und ihm die ganze Bühne zu überlassen. Das wird so schnell nicht passieren.
Und das ist unterm Strich vor allem für Joe Biden und die Democrats eine gute Nachricht.