
Der mehrfach Angeklagte und zuletzt bei Nationalsozialisten rhetorische Anleihen nehmende Ex-Präsident Donald Trump ist hoher Favorit für den Sieg bei den Vorwahlen der Republicans fürs Weiße Haus. Die Vorwahlen starten in 10 Tagen im 3 Mio-Bundesstaat Iowa.
Nur 3 Städte haben hier über 100.000 Einwohner*innen. Der Staat ist ländlich und bäuerlich geprägt. Republikanische Vorwahlen gewinnt hier üblicherweise der extremste evangelikale Kandidat. Not this time: Trump, 2016 hier nur auf Platz 2, wird nächsten Dienstag klar gewinnen.
Offen ist, wie hoch und vor wem. Wie hoch ist wichtig, weil daran erstmals in echt abmessbar sein, ob seine starken Umfragen stimmen, ob er sogar noch stärker ist, oder ob er überschätzt wird. Das ist wichtig, weil es erstmals im gesamten Wahlkampf so aussieht, als könnte er einen Bundesstaat verlieren: Nikki Haley, die Kandidatin des alten Parteiestablishments, hat in den Umfragen des zweiten wählenden Bundesstaats, New Hampshire, zu Trump aufgeschlossen. Dieser Staat wählt eine Woche nach Iowa.
Auch wenn Trump weiter haushoch führt und Haleys Hoffnungsstaat demographisch einer der schlechtesten für Trump von allen 50 ist – ob es nach 2 Staaten 2:0 für Trump steht oder „Unentschieden“ nach Siegen, das macht für die weitere Dynamik einen großen Unterschied. Wir werden im Iowa also auch sehen, wie hoch Haley wirklich fliegt. Sie liegt hier Kopf an Kopf mit Floridas reaktionärem Gouverneur DeSantis auf Platz 2 – überholt sie ihn, gibt das Rückenwind. Bleibt sie in Iowa hinter den Umfragen zurück, könnte auch ihr Momentum für New Hampshire gestoppt sein. Und dann ist eigentlich schon Game Over.
Donald Trump ist haushoher Favorit für die republikanische Nominierung. Er bleibt das auch, wenn Nikki Haley in den ersten beiden Staaten überperformt und ihn in New Hampshire schlägt. Aber wenn das passiert, dann gibt es zumindest eine klitzekleine Chance, dass doch alles ganz anders kommt als zu einer Neuauflage Biden vs Trump im Herbst.
Es ist Crunch Time – und man muss aus mehreren Gründen hoffen, dass Nikki Haley einen guten Start erwischt – sonst gibts nämlich gar kein Rennen.