wer wird vizepräsidentin?

susanrice

Susan Rice ist die aussichtsreichste Nicht-Politikerin für den Job.

Wer wird Bidens Vizepräsident(schaftskandidat)in? Diese Frage wollten die meisten zu #usa20 als nächstes beantwortet haben. Man muss die Frage erweitern, weil das schon einen Hinweis auf die Chancen der bisher genannten Optionen gibt: Wenn Biden gewinnt, dann kann er in seinem Alter jederzeit aus gesundheitlichen Gründen eine sofortige Nachfolgerin brauchen und ob er 2024 mit 82 Jahren zu einer allfälligen anträte, ist sehr fraglich. Dann ist die Vizepräsidentin auch höchstwahrscheinlich seine Nachfolgerin. Wir fragen also ob der Umstände und der hohen Führung der DemokratInnen: Wer wird die erste Präsidentin der USA?

Das ist deshalb wichtig, weil VP-KandidatInnen zwar immer nur „one heartbeat away from the presidency“ sind, aber weil Biden selber klare Hinweis darauf gegeben hat, dass er jemanden sucht, die „ready on day one“ sein muss. Und das spricht dafür, dass er jemanden mit Regierungserfahrung und mit langjähriger Erfahrung in hohen Ämtern sucht. Damit das kein Namedropping lauter einer breiteren LeserInnenschaft bisher unbekannter Namen ist, versuche ich die möglichen KandidatInnen zu blocken.

Was machen VPs eigentlich für den Wahlausgang aus? Unmittelbar befragt sagen WählerInnen, nix. Fast niemand will seine Entscheidung direkt danach gefragt von der #2 am Ticket abhängig gemacht haben. Es gibt keine langjährig beobachtbaren regionalen Vorteile durch KandidatInnen aus einer bestimmten Region – soweit die belastbaren Daten. Dennoch versuchen Kampagnen immer, Schwächen der #1 zu kompensieren.

Beispiele gefällig? Joe Biden hat als Obamas VP jede Diskussion über Obamas außenpolitische Erfahrung im Keim erstickt und als Regular Guy aus einem Staat des Mittleren Westens auch das als von manchen sehr intellektuell-akademisch-küstenelitäre Ticket von Obama ausgeglichen. Tim Kaine hat für Hillary Clinton – so war es zumindest gedacht – als ehem Gouverneur mit Virginia einen wichtigen Staat in Sicherheit gebracht und als spanisch Sprechendem wurde ihm auch eine Mobilisierung in dieser wichtigen WechselwählerInnen-Gruppe zugesprochen. Sarah Palin hat als John McCains VP-Kandidatin zwar die konservative Basis mobilisiert, aber gleichzeitig die moderate #1 als Marionette seiner Partei bloßgestellt. Mike Pence war als Trumps VP-Kandidat die Versicherung für die Evangelikalen und Erzkonservativen, dass ihre Themen in einer Trump-Administration Gewicht haben würden.

Und jetzt hat Joe Biden seine Auswahl schon auf ein wesentliches Kriterium beschränkt: Er will eine Frau als VP. Ich komme zu den Blocks:

1) In Frage kommen KandidatInnen aus dem Mittleren Westen. Hier liegen drei Staaten, die Obama und Trump zu Präsidenten gemacht haben. Gretchen Whitmer ist die Gouverneurin aus Michigan, die sich im Covid-Kampf mit Trump auf der nationalen Bühne etabliert hat und die moderate Positionen – mehr Health Care als Kulturkampf – vertritt. Tammy Baldwin ist die erste homosexuelle US-Senatorin, die just im in den letzten 20 Jahren stark republikanisch tendierenden Wisconsin, als progressive Politikerin Wahlerfolge feiern konnte. Und Tammy Duckworth aus Illinois ist eine hochdekorierte, rollstuhlfahrende Kriegsheldin und Tochter eines thai-amerikanischen Paares, die v.a um die auch numerisch wichtigen VeteranInnen hohe Verdienste hat. Wenn Biden auf einen regionalen Effekt im Mittleren Westen setzt, dann ist eine dieser 3 Frauen seine wahrscheinlichste Wahl. Sie sind auch alle „ready on day one“, was beim zweiten Block in der öffentlichen Wahrnehmung fraglich ist:

2) Das sind die großteils noch relativ unbekannten schwarzen Frauen aus dem Süden, deren VP-Aktien vor allem um die Black lives matter Bewegung gestiegen sind. Val Flemings ist eine ehemalige Polizeipräsidentin und Abgeordnete aus Florida, die sich im Amtsenthebungsverfahren um Trump einen Namen machte. Keisha Lance Bottoms ist Juristin und die Bürgermeisterin von Atlanta, sie hat sich um Black Lives Matter auf die nationale Bühne gespielt und ist Unterstützerin der ersten Stunde von Joe Biden, als der in den Vorwahlen nach den ersten Wahlgängen schon ausgeknockt schien. Und Stacy Abrams ist die bekannteste dieser drei Frauen: Sie wäre 2018 um ein Haar die erste schwarze Gouverneurin eines US-Bundesstaats geworden und ist seit dem die Ikone des Kampfs gegen die Behinderung von Minderheiten beim Wahlrecht. Abrams hat sich aktiv ins Spiel gebracht, sie kandidiert trotz guter Chancen für keinen der beiden in Georgia offenen Senatssitze. Sie gilt als eine der großen Favoritinnen – mit einer Einschränkung: Sie war bisher als höchstes Amt Fraktionsführerin der Minderheitenfraktion in einem mittelgroßen Bundesstaat und hatte noch kein Regierungs- oder US-weites Amt inne. Das gilt ganz anders für die dritten drei Frauen, die ich nennen möchte:

3) Die Gruppe der Etablierten. Zwei davon sind Herausfordererinnen von Biden in den Vorwahlen. Kaliforniens Senatorin Kamala Harris hat ein schwarzes und ein asiatisches Elternteil, ist als eine der Senatorinnen des größten Bundesstaats ein politisches Schwergewicht und sie bringt als ehemalige Generalstaatsanwältin viel politische Erfahrung und juristische Kompetenz mit. Was gegen Harris spricht: Sie hat in den Vorwahlen schlecht abgeschnitten und gilt daher nicht als Zugpferd. Und sie hat als Generalstaatsanwältin eine politische Linie vertreten, die vielen liberalen und linken DemokratInnen sauer aufstößt. #2 aus dem Block der Etablierten ist Elizabeth Warren. Sie war eine der Schlüsselfiguren in Obamas Kampf gegen die Wirtschaftskrise, ist erfahrene Senatorin und mobilisiert sicher stark an der Basis der DemokratInnen. Aber: Warren ist auch über 70 und ob ihre Fans nicht ohnehin Biden wählen (und ob Warren nicht lieber Finanzministerin wäre als VP), das ist offen. Chancen intakt, aber mMn nicht riesig. #3 der Etablierten ist Obamas nationale Sicherheitsberaterin Susan Rice, eine sehr erfahrene Außenpolitikerin, die das Weiße Haus und seine Abläufe in- und auswendig kennt, die erst 56 Jahre alt ist und trotzdem schon unter Bill Clinton als Sicherheitsberaterin arbeitete und die schwarz ist. Sie gilt als Kandidatin, die extrem viele Vorteile und kaum Nachteile bringt.

Zusammenfassend: Von den Frauen aus dem Mittleren Westen scheint mir Tammy Baldwin die wahrscheinlichste Kandidatin zu sein, von den Frauen aus dem Süden geht eigentlich unter den genannten Prämissen wenn überhaupt nur Stacey Abrams. Elizabeth Warren und Kamala Harris sind sehr unterschiedliche sichere Varianten ohne große zusätzliche Anziehungskraft für das gemeinsame Ticket. Susan Rice wäre eine sehr gute Wild Card für Biden. Wie läuft das Procedere? Ein vierköpfiges Team durchsucht die Lebensläufe der mittlerweile auf acht Frauen reduzierten Liste nach Ungereimtheiten und Skandalen und klopft die Eignung noch einmal genau ab. Das läuft geheim, mit spontanen Fahrten in kurzfristig bekanntgegebenen verspiegelten Autos an geheime Orte, wie im Film.

Spätestens einige Tage vor dem Parteitag Mitte August gibt die #1 ihre #2 bei einem groß inszenierten Event bekannt. Wie das unter Corona-Bedingungen sein wird ist ebenso wie der Ablauf des Parteitags, völlig unklar. Aber in sechs Wochen wissen wir spätestens, wer Joe Bidens #2 und wahrscheinliche Nachfolgerin als erste US-Präsidentin wird. Chances are high, dass es trotz Michelle Obamas kategorischen Verweigerung einer Kandidatur, eine nicht-weiße Frau sein wird. Stay tuned!

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