#aufschrei bildet

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Rainer Brüderle war mir herzlich gleichgültig und er ist es mir immer noch. Ob der zurücktritt oder nicht: schnurzpiepegal. Dass er es nicht schafft, sich zu entschuldigen: verkehrt und unklug. Aber um das auch ohne die Sexismus-Affäre peinliche Aushängeschild der FDP geht’s in der Debatte nicht. Rainer Brüderles blöder Spruch gegenüber der Stern-Journalistin Laura Himmelreich ist auch tatsächlich ein Sexismus der harmloseren Variante. Das macht die Skandalisierung durch den Arbeitgeber der Journalistin auch so angreifbar, obwohl Brüderles Dirndl-Dekolletée-Äußerung fraglos ein no-go ist.

Das Bildende am #aufschrei ist, dass jetzt auf einmal Horden losstürmen, um zu beweisen, dass es viel schlimmere Sexismen gibt. Da werden Stern-Ausgaben nach Halbnackten durchforstet und dem Magazin wird zurecht Doppelmoral vorgeworfen. Die, die normalerweise drüberblättern, werden auf Rollenbilder und Geschlechterstereotypen aufmerksam. Sie tun das aus einer falschen Motivation heraus – nämlich um whitewashing an Brüderle zu betreiben – aber sie tun es trotzdem. Und auf einmal hat Deutschland und, immer ein bißchen später dran, Österreich eine Debatte über frauendiskriminierende Abbildungs- und Berichterstattungsformen im Boulevard und in so mancher sogenannten Qualitätszeitung.

Dieser breite Diskurs ist auch das Beste, was dem benennen und abbauen von Alltagssexismus passieren kann. Denn ich fürchte, Verbote helfen nicht. Ein Diskurs hilft. Sibylle Hamann beschreibt in diesem lesenswerten Beitrag, warum der auf die Art und Weise und mit den AkteurInnen, die ihn führen, so gut für das gesellschaftliche Klima ist. “Der geschützte Raum für Anzüglichkeiten, sexuelle Machtspielchen und Herrenwitze ist verdammt eng geworden. Überall stehen neuerdings Frauen herum und geben Feedback. Was für alle, inklusive der Herren, eigentlich eine gute Nachricht ist.”

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Ein Gedanke zu „#aufschrei bildet

  1. Guter Artikel, ich finde den breiten Diskurs ebenfalls am Besten, aber sexuelle Themen sind nach wie vor mit Tabus belegt. Ich wollte eine ernsthafte Auseinandersetzung mit einigen Fragen und schrieb in diversen Genderforen diesen Beitrag:

    “Wo würdet ihr die ungefähre Grenze zwischen #kompliment und #sexismus sehen oder gibt es die gar nicht und ist jedes Kompliment, dass sich auf die Erotik einer weiblichen Person bezieht sexistisch?
    Was ist, wenn ich einer verbalen hardcore farbigen oder weißen wie enimem Raper Subculture angehöre und ‘Yo fucker, bitch’ mich artikuliere, weil das mein Sprachgebrauch und Sprachbild egal ob künstlich oder natürlich ist?
    Was ist mit jemanden der am TouretteSyndrom leidet, weil er eine cholerische Persönlichkeit ist?
    Ist das nur von hetero bis bi Männern so, oder können auch Lesben und Schwule einen #aufschei erzeugen?
    Dürfen auch Männer Mimosen sein oder ist das Konzept der Männlichkeit durch hegemoniale Männlichkeit deterministisch fix kulturell und soziosexuell festgelegt?”

    Nachdem der sehr zu meinem Bedauern 2-3x von der Zenur gefressen wurde, stelle ich den Beitrag als Frage an zwei Aufschrei-Aktivistinnen auf Google+.

    Interessant finde ich, was dabei herauskam.

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